Die ursprüngliche Urnengrabstätte Späths auf dem Möhringer Friedhof wird von einem Ehrengrab auf dem Waldfriedhof abgelöst – dort wird das Denkmal um die Inschrift seiner Frau Ursula Späth ergänzt. Foto: Leif Piechowski
Die Grabstätte des ehemaligen Ministerpräsidenten Lothar Späth wird – trotz Kürzungen im Haushalt der Stadt – vom Möhringer Friedhof auf den Waldfriedhof verlegt. Die Hintergründe.
Von 1978 bis 1991 regierte er Baden-Württemberg, anschließend war er Geschäftsführer von Jenoptik. Auch wenn Lothar Späth (CDU) dem Land kein ausschließlich positives Erbe hinterlassen hat – ein Kredit aus der Ära Späth belastet heute die Kassen – geht der CDU-Politiker als Gründergeist und Antreiber, der das Ländle zu dem gemacht hat, was es heute ist, in die Geschichte Baden-Württembergs ein. 2016 verstarb der CDU-Mann und fand seine letzte Ruhe auf dem Möhringer Friedhof, wo er in einem Urnengrab bestattet wurde.
Seitdem ist die Grabstätte Ziel vieler Bürgerinnen und Bürger und Besucherinnen und Besucher. Entsprechend ratlos und verwundert waren viele, als das Grab – neun Jahre nach der Beisetzung – vor Kurzem plötzlich verschwunden war.
Das ursprüngliche Urnengrab bei der Beisetzung im Jahr 2016 auf dem Möhringer Friedhof. (Archivbild) Foto: Lichtgut/Christian Hass
Lothar Späth bekommt Ehrengrab auf dem Stuttgarter Waldfriedhof
Was ist mit der Grabstätte passiert? „Die Ehrengrabstätte des ehemaligen Ministerpräsidenten Lothar Späth wurde vor kurzem abgebaut, um sie in eine repräsentative Lage auf den Waldfriedhof in Degerloch zu verlegen“, erklärt eine Sprecherin der Stadt Stuttgart auf Anfrage.
Das Denkmal werde zurzeit um die Inschrift von Späths Ehefrau und Journalistin Ursula Späth ergänzt und voraussichtlich im Frühjahr 2026 auf der zukünftigen Ehrengrabstätte Späth im Waldfriedhof wieder aufgestellt. Laut Angaben der Stadt umfasst die Verlegung auch die Umbettung der sterblichen Überreste. „Die Verlegung der Grabstätte geschieht nach den gesetzlichen Vorgaben und wurde mit der Familie besprochen“, so die Sprecherin.
Doch wieso wurde der ehemalige Ministerpräsident nicht unmittelbar nach seinem Tod in einem Ehrengrab auf dem Walfriedhof beigesetzt? Damals sei die endgültige Entscheidung, ob ein Ehrengrab eingerichtet wird, noch nicht getroffen worden, heißt es seitens des Garten-, Friedhofs- und Forstamts der Stadt Stuttgart. „2018 beschloss der Gemeinderat, dass das Grab von Lothar Späth als Ehrengrab auf den Waldfriedhof verlegt wird“, so eine Sprecherin. „Auf dem Waldfriedhof befinden sich eine Vielzahl von Ehrengräbern, unter anderem von politischen Würdenträgern, wie Theodor Heuss und Arnulf Klett. Daher wurde die Entscheidung für den Waldfriedhof getroffen.“
Umbettung für 23 000 Euro – trotz Kürzungen im Haushalt
Insgesamt rund 23 000 Euro soll die Verlegung des Denkmals auf den Waldfriedhof in Degerloch laut Angaben der Stadt kosten. Wie geht das mit der prekären Haushaltslage in Stuttgart und entsprechend geplanten Projekt-Streichungen zusammen?
Obwohl die Umbettung des Grabs ursprünglich auf der Streichliste stand, soll das Grab nun dennoch verlegt werden. „Die gärtnerische Pflege und bauliche Unterhaltung sämtlicher Ehrengräber der Stadt Stuttgart ist nach den Richtlinien und durch Beschluss des Gemeinderates eine Pflichtaufgabe“, erklärt die Sprecherin der Stadt auf Anfrage. Aus diesem Grund und da die Entscheidung zur Umbettung bereits im Jahr 2018 getroffen wurde, stehe außer Frage, diese nun nicht umzusetzen.
Weshalb die Grabstätte erst jetzt verlegt wird und die Entscheidung nicht bereits im Jahr 2018, nach dem Beschluss im Stuttgart Gemeinderat, in die Tat umgesetzt wurde, dazu macht die Stadt keine Angaben.
Ganz in der Nähe befindet sich auch das Ehrengrab von Robert Bosch. Foto: Lichtugt/Zophia Ewska
Viele Möhringer Bürgerinnen und Bürger reagieren teils mit Verwunderung, teils mit Unverständnis auf die Entscheidung. Ein Leser schreibt unserer Zeitung, Möhringen habe damit ein prominentes Grab verloren, und es sei unverständlich, wieso der Bezirk nicht Einfluss auf den Vorgang genommen habe.
Auf Anfrage unserer Zeitung verweist das Bezirksamt Möhringen auf die Stadt Stuttgart. Die dortige Pressestelle teilt lediglich mit: Der Stadtbezirk Möhringen sei an der Entscheidung nicht beteiligt gewesen. Gleichwohl werde die Umbettung der Grabstelle und das neue Ehrengrab am Waldfriedhof befürwortet, heißt es seitens der Stadt.
An der Entscheidung, die Grabstätte zu verlegen, die im Einvernehmen mit der Familie getroffen wurde, ist ohnehin nicht zu rütteln. „Nach der Frostperiode im Frühjahr 2026“ soll das Ehrengrab für Lothar und Ursula Späth in der Abteilung 1A des Waldfriedhofs aufgebaut werden, so die Sprecherin der Stadt Stuttgart. Der ehemalige Ministerpräsident und seine Ehefrau sollen dann zwischen den Ehrengräbern von Arnulf Klett und Karl Lautenschlager ihre endgültig letzte Ruhe finden.