Trotz Krisen und Stellenabbau: Händler hoffen, dass sich die weihnachtliche Stimmung in der Innenstadt positiv auf die Kauflust der Kundinnen und Kunden auswirkt.
Der erste Advent naht. Mit großen Schritten geht es Richtung Weihnachten. Für viele Branchen im Einzelhandel ist das die wichtigste Zeit des Jahres. „Im November und Dezember machen die Einzelhändler teilweise 30 bis 40 Prozent ihres Jahresumsatzes“, sagt Hermann Hutter, Präsident des Handelsverbands Baden-Württemberg.
Wie ist das Weihnachtsgeschäft angelaufen? Und wie sehen die Prognosen aus? Der Handelsverband hat zwischen dem 14. und 21. November bei seinen Mitgliedern nachgefragt und von knapp 400 eine Rückmeldung erhalten. Das Ergebnis: Bislang ist das Weihnachtsgeschäft in Baden-Württemberg noch recht zaghaft angelaufen. Laut der Erhebung des Handelsverbands spüren rund zwei Drittel der Händlerinnen und Händler bislang noch kaum eine Nachfrage nach Weihnachtsgeschenken.
Für die kommenden Wochen rechnen 23 Prozent der Umfrageteilnehmer mit einer steigenden Kundenfrequenz, etwas mehr als ein Viertel erwartet keine Veränderung, während der Rest von einem Rückgang ausgeht. Auch die Umsatzerwartungen spiegeln dieses Bild wider: Rund ein Viertel der Händler hofft auf ein leichtes bis deutliches Plus, gut 20 Prozent erwarten stabile Umsätze, die Mehrheit blickt jedoch eher pessimistisch auf den Dezember.
Die angespannte Lage in der Welt und die Sorge um den Arbeitsplatz nach den Ankündigungen von Bosch, Mahle und Co. sorgen bei Händlern und Kundschaft für Verunsicherung, Skepsis und Vorsicht. „Trotz herausfordernder Rahmenbedingungen vertrauen wir darauf, dass die besondere Atmosphäre der Adventszeit viele Menschen wieder vermehrt in die Läden zieht“, sagt Hutter. Auch wenn die Lichtskulpturen auf dem Schlossplatz in der Stuttgarter Innenstadt dieses Jahr dem Sparzwang im Rathaus zum Opfer fallen, geht es in der Landeshauptstadt schon weihnachtlich zu. Der Wintertraum mit seinen Buden und der Rollschuhbahn ist am Schlossplatz schon eröffnet. Auch das Riesenrad fährt wieder. Zudem steht die Eröffnung des Weihnachtsmarktes kurz bevor. An diesem Mittwoch, 26. November, um 18 Uhr ist es soweit.
Kunden in Stuttgart und vielen anderen Innenstädten achten stärker auf die Preise
„Die Innenstädte müssen attraktiv bleiben“, betont Sabine Hagmann, Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands Baden-Württemberg. Die Menschen müssten sich dort wohlfühlen. Günter Warth vom Modehaus Keller/Warth aus Biberach: „Eine positive, einladende Atmosphäre ist für viele Menschen ein entscheidender Grund, wieder in die Städte zu kommen. Gerade in Zeiten der Verunsicherung spielt die emotionale Komponente des Einkaufens eine große Rolle.“ In entspannter, weihnachtlicher Atmosphäre würden die Besucherinnen und Besucher sich gerne in den Innenstädten aufhalten und auch dort einkaufen.
Allerdings habe sich das Kaufverhalten der Kundschaft spürbar verändert. In der Umfrage haben zwei Drittel der Händler berichtet, dass Kundinnen und Kunden stärker auf Preise achten, 59 Prozent nehmen insgesamt geringere Kaufmengen wahr. Gleichzeitig geben 20 Prozent an, dass gezielter und hochwertiger eingekauft wird.
Onlinehandel weckt Erwartungen, die der Einzelhandel vor Ort nicht immer erfüllen kann
Hohe Rabattaktionen im stationären Handel bleiben dabei aber weiterhin die Ausnahme – ein Nachlass über 20 Prozent sei kaum darstellbar, heißt es beim Handelsverband. Die Rabatte lägen meist im Bereich zwischen elf und 20 Prozent. Knapp zwei Drittel der Händler führen laut Umfrage im Weihnachtsgeschäft eine Aktion durch oder beteiligen sich am Black Friday, der Black Week oder am Cyber-Monday. Gleichzeitig bleibt die Haltung kritisch, da die im Onlinehandel gesetzten Rabatterwartungen für viele stationäre Händler wirtschaftlich nicht tragbar sind, betont Hutter.
Trotz aller Widrigkeiten ist Sabine Hagmann dennoch zuversichtlich: „Gerade in unsicheren Zeiten möchten viele Menschen ihren Liebsten etwas schenken – und nicht selten auch sich selbst. Wir sind überzeugt, dass das Weihnachtsgeschäft im Dezember noch einmal an Dynamik gewinnen und viele Menschen in die Innenstädte und Geschäfte ziehen wird.“
Bei der City-Initiative Stuttgart (CIS) ist man mit der aktuellen Frequenz auf der Königstraße schon sehr zufrieden. Die Veranstaltung „Stuttgart leuchtet“ hat Anfang November Tausende Menschen in die Innenstadt und auf die Einkaufsmeile gelockt. Auch am vergangenen Samstag wurden mehr als 100.000 Menschen rund um den Schlossplatz gezählt, erfährt man auf dem Portal hystreet.com. Und vom ersten Advent an werden die Zahlen sicherlich noch besser.