Christian Kopp (links), Alexander Stein (Mitte) und Olaf Sperlingerfüllen sich einen Kindheitstraum und eröffnen die etwas andere Wurstbude. Foto: Monaco Grill/Deniz Tüter
Die Betreiber vom Café Walther und der Monkey 47-Erfinder steigen ins Imbiss-Geschäft ein – mit einem ausgetüftelten Bratwurst-Rezept. Damit verwirklichen sie sich ihren Kindheitstraum.
Auch wenn der Name eher nach Champagner, Austern oder Kaviar klingt: Im Monaco Grill geht es um die Wurst. Rund 1500 Prototypen haben Alexander Stein und seine Kompagnons Olaf Sperling und Christian Kopp probiert, bis das Rezept für die perfekte Kalbsbratwurst passte. Grillpartys wurden dafür veranstaltet, bei denen die Gäste Fragebögen zum Geschmack ausfüllen mussten. „Qualität setzt sich durch“, ist Alexander Stein überzeugt. Damit sein Kindheitstraum nicht platzt, darf es für den Monaco Grill nur das Beste sein. Der Monkey-47-Erfinder hat mit den beiden Betreibern vom Café Walther Geistesverwandte getroffen, als er kurzzeitig ein Pop-up für seine Spirituosen neben deren Café und Bar in der Calwer Straße betrieb. „Jeder isst gerne Wurst“, fasst Olaf Sperling ihre Motivation zusammen. Und dass sich ein Imbiss für die Legendenbildung eignet, macht der Brunnenwirt in Stuttgart seit fast 50 Jahren vor. „Seit 2025“ steht auf dem Schild vom Monaco Grill, als habe er ebenfalls noch eine lange Gesichte vor sich.
Der Brunnenwirt ist Legende
Über der Türe ins Hinterzimmer hängt ein kleines Porträt von Helmut Fischer: Den Monaco Franze hat er da gespielt, in Lederjacke und T-Shirt an den Tresen eines Lokals gelehnt. Auch wenn der Münchner Lebemann und ewige Stenz vor allem der Generation von Alexander Stein bekannt sein dürfte, hat er als Namensgeber für den neuen Imbiss gedient. „Das Lebensgefühl gefällt uns“, sagt der 52-Jährige. In den zwei Wochen, in denen das Schild über dem Lokal in der Steinstraße hinter dem verlassenen Kaufhof hängt, hätten sich schon einige Passanten über die lustige Bezeichnung gefreut, berichtet er. Der Name klingt gleichzeitig so abgewetzt, wie der Monaco Grill in Zagreb aussieht, wo eine Portion Kebab für 3,30 Euro verkauft wird, und so glamourös wie das mit einem „Michelin“-Stern ausgezeichnete Restaurant Le Grill in Monaco, wo 50 Gramm Kaviar mit Blinis für 320 Euro und ein Teller Ravioli für 80 Euro zu haben sind.
Die Location in der Steinstraße gibt viel her:Außenplätzen zum Beispiel. Foto: Monaco Grill
Auch wenn sich die Speisekarte vom Monaco Grill in Stuttgart auf Brat- und Currywurst, Rote und Pommes konzentriert, dem Namen wird der Imbiss dann doch gerecht: Zu trinken gibt es nämlich etwas mehr, Paulaner Spezi, Orangina, Mineralwasser von Perrier, Elsässer Kronenbourg (0,25 Liter für 4,80 Euro) sowie Champagner, das Glas (0,2 Liter) Moet Rosé Impérial für knapp 26 Euro. Am Standort hinter der abgerissenen Fritty Bar sehen die drei vom Monaco Grill viel Potenzial für ihr Motto „Delikat essen und trinken“. Der Nachtschwärmer muss mit 6,60 Euro knapp zwei Euro mehr für die Currywurst hinblättern als beim Brunnenwirt. Dafür besteht sie aus Kalbfleisch und hat einen Milchanteil, der sie laut Christian Kopp „zarter und fluffiger“ macht und der beim Grillen karamellisiert. Im Brötchen steckt ebenfalls „spannende Entwicklungsarbeit“, erklärt der 37-Jährige: Für einen Teig aus Kartoffel- und Dinkelmehl haben sie sich entschieden, der einen Maisanteil hat, der verantwortlich für eine knusprige Kruste ist. Eine Gewürzmischung, der Senf und die Soße „Monaco Curry Royal“ sind hausgemacht.
Mit ähnlichem Konzept läuft Martha’s in Stuttgart seit 2012. „Was richtig Gutes auf die Schnelle“ will die Inhaberin Pia Nowotny bieten. Dazu zählte von Anfang an ihre Currywurst vom Bœuf de Hohenlohe für 7,90 Euro. Das Fleisch stammt von Rindern, die auf der Weide großgezogen werden. Als zehn Jahre später ein Ableger der Heidelberger Kette My Currywurst in die Schulstraße zog, kam mehr Schärfe ins Spiel. Die Currywurst wird dort für 4,50 Euro verkauft, die Mutigsten nehmen „Einmal Hölle und zurück“. Viel mehr Konkurrenz gibt es in der Stadt nicht, haben Alexander Stein, Olaf Sperling und Christian Kopp recherchiert. Imbiss ist für sie „eine zeitgemäße Form der Gastronomie“. Das Adjektiv edel lehnen sie für den Monaco Grill aber ab, denn darunter verstehen sie mit Blattgold verzierte Würste. Ihr Qualitätsanspruch betrifft neben den Zutaten die Zubereitung: Einen Grill aus Schweizer Fabrikation haben sie angeschafft, der die Kalbsbratwürste auf die richtige Kerntemperatur bringt, Fett kommt auch bei der Zubereitung der Pommes nicht zum Einsatz, sie werden im Ofen gebacken.
Einrichtung erinnert an eine Metzgerei
An eine Metzgerei soll die Einrichtung des gerade 20 Quadratmeter großen Lokals erinnern – mit eierschalenfarbigen Kacheln an den Wänden, einem Fleischerhaken als Dekoration und einem Lamellenvorhang an der Türe. Es ist für sie ein „schönes“ Gemeinschaftsprojekt, das keiner alleine stemmen könnte, erklärt Olaf Sperling. Der 35-Jährige führt seit 2017 mit Christian Kopp das Walther. Alexander Stein ist hauptsächlich damit beschäftigt, den zurückgekauften Familienbetrieb Jacobi 1880 wieder aufzubauen. Von 11 Uhr an bis spät in die Nacht gibt es im Monaco Grill von Freitag, 16. Mai, an „schnelles, sehr gut gemachtes Essen, das ein Lächeln ins Gesicht zaubert“, verspricht der Spirituosen-Experte. Dafür steht schon der Name, der nach etwas Größerem klingt.