Ersatz im Stuttgarter Neckarpark Baut ein Investor die neue Schleyerhalle?
Die alte Arena gehört der Stadt. Wegen der desolaten Haushaltslage sucht Finanzbürgermeister Fuhrmann für den Neubau eine externe Lösung. Ein Name ist im Gespräch.
Die alte Arena gehört der Stadt. Wegen der desolaten Haushaltslage sucht Finanzbürgermeister Fuhrmann für den Neubau eine externe Lösung. Ein Name ist im Gespräch.
Was geschieht mit der Schleyerhalle? Die Arena gilt als Dinosaurier unter den großen Hallen in der Republik, auch wenn das Konzept durch den Bau der Porsche-Arena vor 19 Jahren aufgefrischt und durch die Hallen-Kombination erweitert worden war. Nach 42 Jahren ist die Technik in der Schleyerhalle teils marode. Der Aufsichtsrat für das Hallenduo muste vor wenigen Wochen in einem dringenden Umlaufbeschluss 650 000 Euro für eine neue Trinkwasser-Ringleitung freigeben. Offenbar war ein Abwarten bis zu seiner regulären Sitzung am 2. Juli nicht mehr möglich. Man setze unaufschiebbare Vorgaben zur Trennung von Trink- und Löschwasserleitungen um, sagt die Veranstaltungsgesellschaft in.Sutttgart.
In der Sitzung am 2. Juli wird Aufsichtsratschef und Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann (CDU) die sieben Mitglieder voraussichtlich über seine Vorstellungen zum Neubau der Schleyerhalle ins Bild setzen. Vor zwei Jahren war den Stadträten eine Machbarkeitsstudie präsentiert worden, die einen Ersatzneubau am heutigen Standort vorsieht. Die neue Halle soll größer, vor allem aber höher werden und mit 33,5 Meter in der Spitze fast an das Dach des Fußballstadions (MHP-Arena) reichen. 19 000 statt bisher 15 500 Zuschauer waren gesetzt, bestuhlt und mit Kopfbühne sollen 15 000 statt bisher 11 745 Menschen einen Platz finden. Nur ein Neubau sichere auf Dauer die Konkurrenzfähigkeit, hole internationale Konzerte und sportliche Topevents nach Stuttgart, argumentiert in.Stuttgart.
Ohne einen Neubau, das stellte Daniela Klein, die Leiterin des Stuttgarter Sportamts, Ende Mai vor dem Verwaltungsausschuss dar, werde Stuttgart keine bedeutenden Wettbewerbe mehr einwerben können. Für die Handball-EM der Männer 2032 sei die „Fertigstellung der neuen Hanns-Martin-Schleyer-Halle“ Voraussetzung. Gleiches gelte, wenn man die Turn-WM in den 2030er-Jahren ausrichten wolle. Auch für Basketball sei die Schleyerhalle keine Option mehr.
Der in der Machbarkeitsstudie beschriebene Neubau würde an die 400 Millionen Euro kosten. Mindestens 250 Millionen Euro müsste die Stadt aus Steuermitteln zuschießen, 50 Millionen sollten durch die Vergabe des Namensrechts erlöst werden, so die Rechnung 2023. Der Ansatz ist angesichts der Wirtschafts- und Haushaltskrise sportlich, zumal das im September auslaufende Namensrecht für die Porsche-Arena noch immer nicht neu vergeben ist. Porsche zahlte dafür seit 2005 zehn Millionen Euro. Man sei „aktuell in guten Gesprächen, um das Engagement fortzusetzen“, lautet die Auskunft aus der Pressestelle des Sportwagenbauers. Die Porsche-Tochter MHP überweist seit 2023 zudem vier Millionen Euro pro Jahr für das Namensrecht am Fußballstadion.
Eine Debatte der Bürgervertreter über den Neubau fand bis heute nicht statt, weil sich Bau- und Finanzreferat über das Vorgehen grundsätzlich uneinig sind. Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) – mit Architekten und manchem im Gemeinderat an der Seite – setzt auf einen Architektenwettbewerb. Fuhrmann präferiert eine Ausschreibung, um Kosten und Termin zu sichern: Ein Generalübernehmer soll Planung und Bau bestreiten. Nur 21 Monate nach dem Abriss der alten soll die neue Halle in Betrieb gehen.
250 Millionen Euro Zuschuss stellen für den städtischen Haushalt aktuell eine kaum zu nehmende Hürde dar. Fuhrmann setzt daher auf den Einstieg eines internationalen Investors. Vor wenigen Wochen reiste er nach Manchester, wo ein Konsortium unter der Führung der Oak View Group (OVG, Hauptsitz: Denver, Colorado) neben dem Etihad-Stadion die Coop-Live-Arena baute und im Mai 2024 für bis zu 23 500 Zuschauer in Betrieb nahm. Kostenpunkt: rund 520 Millionen Euro. Es ist die größte Veranstaltungshalle im Vereinigten Königreich.
Der Betrag schreckt den Finanzbürgermeister nicht, er verweist darauf, dass in Stuttgart, anders als in Manchester, im Neckarpark keine Kosten für den Kauf des Grundstücks anfallen würden. Und er schwärmt vom Neubau in Manchester, in dem viel Gastronomie und ein Supermarkt Besucher länger in der Halle halte. Die Architektur der Coop-Arena stammt von Populous, einem Büro in Kansas City, dessen Fokus vor allem auf der Planung von Sportstätten liegt. Der Londoner Ableger von Populous Architects plant auch die neue Konzertarena in Freising beim Flughafen München.
Die Oak View Group betreibt und baut diverse Hallen, sie könne sie auch wirtschaftlich bespielen, denn sie habe Verträge mit Künstlern. „Ich habe diesem Investor bei meinem Besuch in Manchester nicht den roten Teppich ausgerollt, man muss sehen, ob wir zusammenkommen könnten“, sagt Fuhrmann. Oak View habe sich gesprächsbereit gezeigt, auch was den Betrieb angehe, er habe eine Einladung nach Stuttgart ausgesprochen. Eine Anfrage unserer Zeitung wurde von OVG nicht beantwortet.
Der Bürgermeister stellt auf Nachfrage klar, dass der Hallenneubau für den Doppelhaushalt 2026/2027 „kein Thema“ sein werde, wohl aber für die fünfjährige Mittelfristplanung. Bei der Vorstellung der Machbarkeitsstudie wies in.Stuttgart darauf hin, dass in den nächsten zehn Jahren 90 Millionen Euro in die alte Schleyerhalle investiert werden müssten, wolle man sie weiter betreiben. Attraktiver würde sie damit nicht. Die Buchungslage der Schleyerhalle werde sich verschlechtern, heißt es im Gemeinderat. Eine möglich Privatisierung der neuen Halle werfe die Frage auf, ob es dann noch ein vielfältiges Programm gebe. Die Debatte um die Zukunft der Halle müsse jetzt geführt werden, auch wenn der Zeitpunkt wegen der Haushaltslage äußerst ungünstig sei.