FDP-Chef Christian Dürr „Die Wirtschaft schreit nach Freiheit“
FDP-Chef Christian Dürr beobachtet die Bemühungen der schwarz-roten Koalition aus der außerparlamentarischen Opposition heraus. Mit einer klaren Kommunikation will er Einfluss nehmen.
FDP-Chef Christian Dürr beobachtet die Bemühungen der schwarz-roten Koalition aus der außerparlamentarischen Opposition heraus. Mit einer klaren Kommunikation will er Einfluss nehmen.
Zum traditionellen Dreikönigstreffen in Stuttgart präsentiert sich erstmals nach vielen Jahren ein anderer FDP-Vorsitzender als Christian Lindner: Dessen Nachfolger Christian Dürr greift die schwarz-rote Koalition im Bund an. Zudem übt er harte Kritik an der Kultusministerkonferenz und pocht darauf, dass alle Erstklässler gut Deutsch können müssen.
Herr Dürr, wo sehen Sie die FDP in fünf Jahren?
In Verantwortung. Diejenigen, die auf Veränderung von Friedrich Merz gehofft haben, sind bitter enttäuscht worden. Für die getäuschten Unionswähler ist das bitter – für hart arbeitende Menschen, die um ihre Arbeitsplätze bangen müssen, jedoch eine immer größere Belastung. Die Wirtschaft liegt am Boden, der Kanzler bittet bloß um Geduld. Es muss sich etwas ändern.
Die Lage der FDP sieht vor dem Dreikönigstreffen in Stuttgart alles andere als rosig aus. Mit welchem Vorschlag wollen Sie überzeugen?
Der Staat verzettelt sich, indem er sich in alles Mögliche einmischt, von dem er lieber die Finger ließe. Gleichzeitig versagt er in einer zentralen Aufgabe: der Bildung. Jedes Kind, das in die erste Klasse kommt, muss gut Deutsch können. Zwei Jahre vor der Grundschule muss ein Sprachtest gemacht werden. Kinder, die den nicht schaffen, müssen in der Kita an einem verpflichtenden Deutschunterricht teilnehmen.
Bundesbildungsministerin Karin Prien macht sich für solche Sprachtests stark. Vorgängerin Bettina Stark-Watzinger, FDP, hat das Problem nicht gelöst.
Die Länder sind zuständig, und Frau Prien hat nichts erreicht. Wenn das bürokratische Monstrum namens Kultusministerkonferenz noch irgendeine Berechtigung haben soll, muss es die Sache geregelt bekommen. Lehrer müssen in der Grundschule eineinhalb Jahre darauf verschwenden, dass alle die gleiche Sprache sprechen. Die Kultusminister, die dieses Problem nicht angehen, sollen sich in der Öffentlichkeit dafür rechtfertigen müssen.
Sie haben die Wirtschaftskrise angesprochen. Die FDP fordert Steuersenkungen. Wie wollen Sie die finanzieren?
Die Rechnung ist einfach: weniger Subventionen, weniger Steuern. Die Körperschaftsteuer muss schneller und stärker sinken als geplant. Auch die Einkommensteuer muss runter – für alle. Friedrich Merz hat den unsinnigen Klima- und Transformationsfonds um 100 Milliarden Euro aufgestockt, um die Zustimmung der Grünen für die Abschaffung der Schuldenbremse zu kaufen. Die Wirtschaft schreit nicht nach Subventionen. Sie schreit nach Freiheit.
Schwarz-Rot macht mehr Schulden, als Olaf Scholz je von der FDP gefordert hat. Hätten Sie in der Regierung kompromissbereiter sein sollen?
Nein. Die Menschen verstehen es nicht, wenn eine Partei sagt: „Wir machen etwas Falsches – aber wenigstens ist es nicht ganz so schlimm wie das, was eine andere Regierung machen würde.“ Das treibt Wähler nur in die Arme von Extremisten.
Der Vertrauensverlust in die FDP ist noch groß. Wie wollen Sie das ändern?
Mit einem konsequenten Politikangebot. Aber auch, indem ich unumwunden Fehler unserer Partei zugegeben habe. Auch die FDP hätte schneller reagieren müssen, als die Hilferufe der Wirtschaft über die schlechten Standortbedingungen immer lauter geworden sind.
Für die FDP ist die Landtagswahl in Baden-Württemberg eine entscheidende Wegmarke. Überlebt die Partei, wenn sie dort scheitert?
Es geht vor allem darum, wie wir ein Bundesland, das ursprünglich industriell stark war, wieder erfolgreich machen können. Es geht um radikale Reformen. Wir wollen ganze Verwaltungsebenen abschaffen. Ich habe an so einem Projekt als Landespolitiker in Niedersachsen selbst einmal mitgewirkt. Das funktioniert, wenn man es nur will.
Das Dreikönigstreffen ist viele Jahre von Christian Lindner geprägt worden. Haben Sie Angst, rhetorisch zu weit hinter ihm zurück zu bleiben?
Jeder bringt als Parteivorsitzender seinen eigenen Stil ein. Jetzt geht es aber darum, konkrete inhaltliche Reformvorschläge zu machen, um die Menschen für die notwendige Veränderung zu begeistern. Mir geht es jetzt um maximale Klarheit in den Inhalten. Damit will ich die FDP erfolgreich zurück auf die große Bühne bringen.
Aufstieg
Christian Dürr (48) wurde im Mai 2025 zum Bundesvorsitzenden der FDP gewählt, nachdem die Liberalen nicht mehr in den Bundestag gewählt worden waren. Zuvor war er von Dezember 2021 an Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion. 2017 war er Mitglied des Bundestags und stellvertretender Fraktionsvorsitzender geworden, zuständig für die Themenbereiche Haushalt und Finanzen. Davor gehörte er von 2003 an dem Niedersächsischen Landtag an, ab 2009 als FDP-Fraktionsvorsitzender.
Ökonom
Aufgewachsen ist Dürr in Delmenhorst. Nach dem Abitur leistete er 1997 Zivildienst beim DRK. 1998 startete er ein Studium der Wirtschaftswissenschaften und beendete es 2007 als Diplom-Ökonom. Dürr ist verheiratet und hat zwei Kinder.