Das Areal der früheren Sektkellerei Rilling am Neckar galt als möglicher Standort für ein neues Konzerthaus. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt
Ein Konzertsaal mittlerer Größe fehlt in der Landeshauptstadt. Ein privater Investor bot Ende 2023 den Bau an, doch die Stadt will die damit verbundenen Kosten nicht tragen.
Konstantin Schwarz
10.09.2025 - 10:59 Uhr
Die vom Finanzreferat unter der Leitung von Bürgermeister Thomas Fuhrmann (CDU) für die nächsten Jahre ausgegebene strikte Spardisziplin zeigt erste konkrete Auswirkungen. In die von den Ämtern erstellte Investitionsliste, die den Doppelhaushalt 2026/2027 und die Mittelfristplanung bis 2030 umfasst, ist das Neubauprojekt Konzertforum in Bad Cannstatt nicht aufgenommen worden. „Dieser Neubau passt nicht in die Zeit“, so Fuhrmann gegenüber unserer Zeitung. Ob das das letzte Wort in dieser Sache ist? Die Entscheidung über alle Investitionen trifft der Gemeinderat in der dritten Lesung des Haushalts am 19. Dezember.
Die Landeshauptstadt ist zwar seit 2018 schuldenfrei, sie kann aber ihren laufenden Haushalt seit 2024 nicht ausgleichen und rechnet für 2025 mit einem Minus in Höhe von rund 890 Millionen Euro. Der Fehlbetrag wird über vorhandene Rücklagen gedeckt – noch. Für 2026 rechnet Fuhrmann mit der Aufnahme neuer Kredite. Grund der Misere ist die Wirtschaftslage, die zu einem starken Einnahmerückgang führt – vor allem bei der Gewerbesteuer. Hinzu kommen stark steigende Kosten zum Beispiel beim Personal und für Bauvorhaben.
Vor zwei Jahren hatten das Stuttgarter Kammerorchester (SKO) und die Trias GmbH, ein privater Investor und Käufer des Areals der früheren Sektkellerei Rilling, den Gemeinderat mit Plänen für den Neubau einer 1200 Zuhörer fassenden Konzerthalle am Neckar überrascht. Zwischen Brücken- und Neckartalstraße solle auf dem Rilling-Areal ein Konzertforum entstehen. SKO-Intendant Markus Korselt sprach davon, dafür bis zu 25 Millionen Euro privates Fördergeld akquirieren zu können. Einziehen sollten in den Neubau auch die Stuttgarter Philharmoniker, deren Heimstatt Gustav-Siegle-Haus saniert werden muss, und die Bachakademie. Die Trias GmbH wolle auf dem Gelände für die Stadt schlüsselfertig bauen, außerdem sollte auf eigene Rechnung ein Hotel erstellt werden.
Hohe Risiken für die Stadt Stuttgart
Im Juni 2024 hatte der Gemeinderat einen Grundsatzbeschluss gefasst. Der Bau wurde „grundsätzlich befürwortet“, stehe aber „unter dem Vorbehalt der Finanzierbarkeit“. In der Folge wurde klar, dass das Angebot der Trias GmbH für Planung und Bau aus Wettbewerbsgründen nicht realisiert werden kann. Die Stadt hätte im Trias-Modell das Risiko einer Kostensteigerung getragen. Zuletzt waren 120 Millionen Euro Investitionskosten genannt worden.
Sparkommissar: Thomas Fuhrmann Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
In einer Markterkundung meldeten sich beim Liegenschaftsamt insgesamt sechs weitere Grundstückseigentümer, die ihre Flächen für den Bau einer Konzerthalle als geeignet ansahen. Das Liegenschaftsamt selbst brachte darüber hinaus vier stadteigene Flächen ins Spiel. Neben dem Rilling-Gelände (5700 Quadratmeter) wurden zuletzt die Grundstücke des ehemaligen Stadtbads in Bad Cannstatt (Hofener Straße, 6800 Quadratmeter, städtisch), der Wizemann-Campus (Pragstraße, 4400 Quadratmeter, privat), sowie ein Areal im Neckarpark (Leonore-Volz-Straße, 8500 Quadratmeter, privat) präferiert. Die Trias war dem Vernehmen nach bereit, das Rilling-Areal an die Stadt zu verkaufen. Bevor die Konzerthaus-Idee aufkam, war in dem Sanierungsgebiet vor allem Wohnungsbau geplant.
Staatsoper in Stuttgart doppelt so teuer?
Der Kulturetat soll nach der bisherigen Liste bis 2030 rund 10,15 Prozent aller städtischen Investitionen erhalten, insgesamt wären das 395 Millionen Euro. Der Löwenanteil ist für das Interimsgebäude für die Staatsoper vorgesehen. Es soll im Stuttgarter Norden neben den Wagenhallen entstehen, und zwar modular, sodass es später verkauft werden kann. Das Opern-Interim soll 195 Millionen Euro kosten, dazu kommt der Neubau von Werkstätten für die Staatsoper für 12,1 Millionen.
Petra Olschowski (Grüne), Ministerin für Wissenschaft und Kunst, hatte nach einer Sitzung des Verwaltungsrats der Württembergischen Staatstheater (sie werden zur Hälfte vom Land getragen) eine gravierende Umplanung für das Opern-Interim angekündigt. Es müsse „bezahlbar bleiben, also kleiner und einfacher werden“, so Olschowski Mitte Juli. Gebaut wird es frühestens von 2028 an. Das Opernhaus am Eckensee würde dann von 2033 bis 2042 saniert. Die städtischen Vorlaufkosten bis 2030 liegen bei 18,6 Millionen Euro. Insgesamt könnten sich die Kosten für den Komplex Oper von grob kalkulierten 900 Millionen auf 1,8 Milliarden Euro verdoppeln. Es wird daher erwartet, dass das Thema nach der Landtagswahl am 8. März 2026 auf den Prüfstand gestellt wird.
Weitere großer Posten bei den städtischen Kulturinvestitionen sind die Sanierung der Villa Berg, die bis 2030 mit 91,5 Millionen Euro kalkuliert ist (hier läuft eine Abspeckrunde) und das Haus für Film und Medien für 60,7 Millionen Euro. Offenbar kein Thema mehr für die Kulturverwaltung ist der Ergänzungsbau für das Theaterhaus, für den bis 2027 nur noch rund 8,7 Millionen Euro vorgesehen sind. Das reicht wohl für die weitere Planung des Hauses. Einziehen sollte das benachbarte Friedrichsbau-Varieté. Für diesen Neubau waren zuletzt rund 110 Millionen Euro genannt worden.