Führungskrise in Leonberg Cohn will gehen: Dafür gibt es Respekt
Die Leonberger Gemeinderatsfraktionen begrüßen die frühzeitige Ankündigung des Oberbürgermeisters, nicht mehr zu kandidieren
Die Leonberger Gemeinderatsfraktionen begrüßen die frühzeitige Ankündigung des Oberbürgermeisters, nicht mehr zu kandidieren
Eine Mischung aus Respekt und Erleichterung – so lassen sich die Reaktionen aus dem politischen Leonberg auf das absehbare Ende der Ära Cohn am besten umschreiben. Der Oberbürgermeister hatte am Donnerstagabend auf der Homepage der Stadt Leonberg in einer „persönlichen Erklärung“ verkündet, dass er bei der OB-Wahl in einem Jahr nicht mehr antreten werde.
Martin Georg Cohns Beitrag war am späteren Abend plötzlich von der Website verschwunden, was zu einigen Irritationen geführt hatte, zumal unsere Zeitung die Nachricht bereits veröffentlicht hatte. Am Freitag war die Erklärung wieder online. Ein Sprecher der Stadtverwaltung begründete die temporäre Abschaltung mit einem internen Versehen. Man habe zunächst den Gemeinderat und die Presse offiziell informieren wollen. Tatsächlich erreichte die Erklärung des Oberbürgermeisters unsere Redaktion am Donnerstagabend per Mail um 23.02 Uhr.
Bemerkenswert ist, dass der OB seinen Verzicht auf eine weitere Amtszeit ausgesprochen früh erklärt hat. Die Wahl findet voraussichtlich parallel zur Bundestagswahl am 28. September des kommenden Jahres statt. Diese zeitige Information wird von den Ratsfraktionen überwiegend gelobt.
„Damit übernimmt er Verantwortung für die Stadt, und dafür zolle ich ihm meinen Respekt“, meint Oliver Zander, der Leonberger CDU-Chef. „Er schafft Klarheit und erleichtert die sich im vollen Gange befindende Nachfolge-Suche. Dabei spielt das Parteibuch für die CDU nicht die entscheidende Rolle. Wichtig ist vielmehr, dass wir alle, idealerweise parteiübergreifend, der Meinung sind, einen Kandidaten zu unterstützen, der sich 100 Prozent auf Leonberg einlässt und die gewaltigen Aufgaben mit vollem persönlichen Einsatz angeht.“
Kurz und knapp äußert sich Axel Röckle: „Ich habe die Erklärung des Oberbürgermeisters zur Kenntnis genommen“, sagt der Fraktionschef der Freien Wähler. „Wir konzentrieren uns auf die Zukunft.“
Cohns Entscheidung käme nicht überraschend, meint Bernd Murschel. „Ich betrachte sie mit großem Respekt. Die Situation an der Verwaltungsspitze, aber auch zwischen OB und den Fraktionen, ist so verfahren, dass nur ein Neustart die Lösung bringen kann.“
Auch eine Prinzessin werde nicht benötigt, meint der Fraktionschef der Grünen mit Blick auf die Heirat der Ersten Bürgermeisterin, die jetzt Josefa von Hohenzollern heißt. Statt einer „Ankündigungspolitik“ müsse jetzt eine „verlässliche Kommunalpolitik“ kommen. Das Image der Stadt Leonberg habe durch „die Querelen erheblich gelitten“.
Für den Fraktionsvorsitzenden der SPD, Ottmar Pfitzenmaier, ist das „Vertrauensverhältnis zwischen OB und Teilen des Gremiums schon länger als anderthalb Jahre nicht intakt.“ Auch dass Cohn nicht in den Kreistag gewählt wurde, sei „ein unübersehbarer Fingerzeig , was die Chancen auf eine Wiederwahl im nächsten Jahr betrifft.“ Cohns frühzeitige Verzichtserklärung schaffe Klarheit, für die Verwaltungsbelegschaft, wie auch für potenzielle Interessenten an der „höchst interessanten Aufgabe in unserer attraktiven Stadt“.
Pfitzenmaier vermisst jetzt noch „die überfällige Entscheidung des Regierungspräsidiums zur Zukunft der Ersten Bürgermeisterin: „Für Leonberg wäre es aus meiner Sicht förmlich ein Befreiungsschlag, wenn danach gleich beide Führungspositionen neu besetzt werden könnten“.
Die FDP erinnert daran, dass die Amtszeit des Oberbürgermeisters noch bis Ende November des kommenden Jahres dauert: „Wir werden ihn nicht vorzeitig aus der Verantwortung entlassen, indem wir schon auf mögliche Nachfolger schielen“, sagt der Fraktionsvorsitzende Horst Nebenführ. Vielmehr werde die FDP darauf achten, „dass er die wichtigen Projekte der Stadt in seinem letzten Jahr unterstützt. Da wären etwa die Wohngebiete Unterer Schützenrain und Berliner Straße, aber auch die Zukunft des Leo-Centers, wo er sich ja persönlich eingebracht hat. Hier sind noch viele offene Fragen und offene Projekte, und wir erwarten, dass diese in seiner restlichen Amtszeit nicht verschleppt, sondern der Lösung zugeführt werden. Eine „lame duck“ (lahme Ente) an der Spitze könne sich die Stadt nicht leisten.
Mit Blick auf Josefa von Hohenzollern, zuvor Schmid, sagt Nebenführ: „Ich wünsche mir, dass im Rechtsstreit an der Rathausspitze endlich klare Verhältnisse geschaffen werden und unsere Erste Bürgermeisterin wieder in die Verantwortung kommt.“
„Die Chance, gute Kandidatinnen und Kandidaten zu finden, steigt, wenn der Amtsinhaber nicht mehr antritt“, meint Frank Albrecht, Fraktionssprecher von SALZ, der Cohns frühe Erklärung „fair“ nennt. „Frau Prinzessin von Hohenzollern sehen wir ausdrücklich nicht in dieser Kategorie“, meint Albrecht mit Blick auf eine mögliche OB-Kandidatur der Ersten Bürgermeisterin. „Wir wünschen uns Kandidaten, die mit einem unvoreingenommenen Blick auf Leonberg schauen und gewillt sind, sich in die Strukturen der Stadt einzufühlen.“