„Sportliches Ziel“ bis 2035: Frank Nopper wirkt trotzdem nicht, als wäre er bei Klimafragen Teil der Partie. Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn
Man erreiche das Klimaziel nur gemeinsam, sagt der Stuttgarter OB Frank Nopper. Bleibt die Frage, warum er seine Energie darauf verwendet, den Wandel zu bremsen, anstatt ihn voranzutreiben, kommentiert unsere Autorin.
Das Klimaziel nannte der OBFrank Nopper (CDU) einmal „sportlich“. Stuttgart will bis 2035 emissionsfrei sein. Eine Studie zeigt, dass nun Schluss sein muss mit Floskeln. Weil die Stadt sonst daran scheitert, ihren Teil dazu beizutragen – wegen interner Querelen und ineffizienter Abläufe.
Frank Nopper hat, für manche durchaus überraschend, das von 2050 auf 2035 vorgezogene Ziel mitgetragen. Doch zum Kopf der Bewegung wurde er nie, wollte er wohl nie werden. Die persönlichen Konflikte in der Verwaltung beim Klimathema bringen ihn nun in Zugzwang, sich zu positionieren.
Führungsschwäche nicht nur beim OB
Die Ergebnisse der Studie sowie etliche Gespräche offenbaren auch Führungsschwäche. Nicht nur beim OB, doch er ist der Einzige, der qua Organigramm in dieser Angelegenheit noch gestaltend schlichten kann. Beim Klimathema ist der Chef jetzt sowieso gefordert. Fast alle der acht Maßnahmen, die die Studienautoren von Drees & Sommer zur Verbesserung vorschlagen, liegen in seinem Verantwortungsbereich.
Verantwortung haben und Verantwortung übernehmen, ist zweierlei. Wenn man Frank Nopper zugutehält, dass er das Klimaziel nicht mutwillig an die Wand fahren will, bleiben ihm nun grob zwei Möglichkeiten. Entweder er macht weiter wie bisher, delegiert die Umsetzung, wagt sich weiterhin nicht in die Partie. Mit dem Szenario rechnen hinter vorgehaltener Hand viele. Ihm soll die Studie ja nicht einmal persönlich vorgestellt worden sein. Als sie nun im Ausschuss Thema war, war Nopper schon nicht mehr anwesend.
Stuttgart soll bis 2035 emissionsfrei sein. Ob das klappt, ist eine momentan offene Frage. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Für Stuttgart wäre es wünschenswert, Nopper fände endlich in die Rolle eines Oberbürgermeisters. Und zu der gehört, die Klimaerwärmung ernst zu nehmen und zu reagieren.
Das Heizungsgesetz wird in Berlin gemacht, umgesetzt wird die Wärmewende in Bad Cannstatt oder Sillenbuch. Kommunalverwaltungen sind das letzte Glied in der Kette. Sie schaffen die Infrastruktur, sie sind am nächsten an denen, die in Dämmung, Heizung und PV-Anlagen investieren sollen.
Energiewende als Investition darstellen
Die allermeisten Gebäude in Stuttgart gehören nicht der Stadt. Es geht also darum, Tausende Privatleute und Unternehmer zu motivieren. Wie wäre es, die Energiewende nicht nur als Kostenfaktor darzustellen, sondern als Investition?
Keiner verlangt, dass Nopper zum radelnden Veganer wird. Doch wenn der OB sagt, das „sportliche“ Klimaziel erreiche man nur gemeinsam: Warum sitzt er noch in der Kabine? Warum klammert er sich an gefühlt jeden Parkplatz oder blendet in der Klimageneraldebatte 2024 die Klimaanpassung komplett aus? Statt seine Energie darauf zu verwenden, den Wandel zu bremsen, sollte Nopper Ideen entwickeln, wie er und „sein“ Stuttgart diesen Wandel formen.
Wenn der OB aber partout nicht in den Sturm will, wäre ein Klimabürgermeister eine gute Idee. Er wäre Gesicht, Treiber und Verantwortlicher der Bewegung. Er wäre das, was Stuttgart fehlt.