Fünfte Bürgermeisterstelle Esslinger CDU rettet sich aus verkorkster Lage

Beinahe wäre Tim Hauser der Buhmann einer denkwürdigen Klüngelgeschichte geworden. Doch dann zog er die Notbremse. Foto: Roberto Bulgrin

Die Stadtverwaltung und vier große Fraktionen führten die Stadt in ein fast aussichtsloses Dilemma. Die CDU hatte jetzt den Mut, einen großen Fehler zu korrigieren.

Manchmal braucht es den Mut, einen Fehler zu korrigieren, bevor alles noch schlimmer und unumkehrbar wird. Die CDU hätte von einer teuren Aufstockung der Esslinger Bürgermeisterriege profitiert, denn sie hätte das Vorschlagsrecht dafür bekommen. Doch der Gegenwind in der Öffentlichkeit und auch im Gemeinderat war so heftig, dass Fraktionschef Tim Hauser die Notbremse zog und dem Vorhaben die Unterstützung entzog.

 

Es war schon ein recht dreistes Unterfangen, das die Verwaltungsspitze und die vier größten Fraktionen im Gemeinderat in die Wege geleitet hatten: Die vier großen Fraktionen, die den Gemeinderat dominieren, wollen alle einen „eigenen“ Bürgermeister haben, also einen, der von ihnen vorgeschlagen wird. SPD, Grüne und Freie Wähler haben schon einen, nur die CDU, inzwischen größte Fraktion, hatte keinen. Da niemand von den anderen in absehbarer Zeit einen Posten abgeben wollte, dachte man: schaffen wir halt noch einen weiteren. Das hätte dann auch für die Rathausführung den angenehmen Nebeneffekt haben können, dass sich die CDU in künftige Entscheidungen – etwa der Frage nach dem Standort für die Bücherei – hätte einbinden lassen. Die Bürgermeisterriege hätte in Esslingen durchregieren können, korrigierende Kräfte wären immer in der Minderheit gewesen.

Hier bleibt erst mal alles beim Alten: Ein Oberbürgermeister und drei Bürgermeister vertreten die Stadt Esslingen, keine vier. Foto: Roberto Bulgrin

Doch das Ansinnen entwickelte sich allerorten zum Stadtgespräch in Esslingen. Wäre es durchgezogen worden, hätte neben der Verwaltungsspitze vor allem die CDU den größten Schaden gehabt. Ihr Dezernat: ein Füllhorn für besonders eklige Probleme. Die Reform: Fraglich. Sollte sie ähnlich dürftig im Sande verlaufen wie das Einsetzen von Stabsstellen vor ein paar Jahren, würde auch dies an einem von der CDU abgesegneten Bürgermeister hängen bleiben.

All dem hat die CDU – auf Druck der kleineren Fraktionsgemeinschaften und der Ratsgruppe – jetzt ein Ende gesetzt, und so konnte sie sich mit einem Schlag aus der Rolle des potenziellen Buhmanns befreien und zum Ausputzer in letzter Not werden. Das hat eine gewisse Größe. Aus dem Gemeinderat kann sie nun gemeinsam mit allen anderen Fraktionen, Fraktionsgemeinschaften und der Ratsgruppe daran arbeiten, dass aus der Verwaltung, die ja indirekt einräumt, Defizite zu haben, tatsächlich das wird, was Oberbürgermeister Klopfer in seiner Grabesrede zur fünften Dezernentenstelle am Dienstag beschwor: „Unser oberstes Ziel bleibt, die Esslinger Stadtverwaltung so zukunftsfähig und so dienstleistungsorientiert wie möglich aufzustellen. Auf diese Weise wollen wir den Alltag der Esslinger Bürgerinnen und Bürger weiter spürbar verbessern.“

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