Gastronomie in Bad Cannstatt Institution gerettet, Nachfolger für die Weinstube Zaiß gefunden

Eine bekannte Weinstube und ein bekannter Wirt: Holger Waiblinger übernimmt die Weinstube Zaiß in Bad Cannstatt. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Eigentlich wollte Holger Waiblinger in Rente gehen. Aber die Gastronomie ist für ihn „eine richtige Berufung“. Nun erweckt er die Weinstube Zaiß aus dem Dornröschenschlaf.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)

„Lasset mich in Ruhe“, sagte Holger Waiblinger zwar immer wieder. Aber für die Weinstube Zaiß in Stuttgart-Bad Cannstatt kam einfach kein anderer Nachfolger in Frage. Fast drei Jahre lang war die Gaststätte geschlossen gewesen, altershalber hatte Margret Zaiß den Familienbetrieb im Frühjahr 2023 aufgegeben. Es gab Bewerber, nur keiner passte richtig. Schwäbisch sollte die Küche bleiben – und die Weinstube, wie sie ist.

 

„Auf einmal kam er, das hat uns sehr gefreut“, sagt die 76-Jährige über Holger Waiblinger. Seine langjährigsten Mitarbeiter vom Haus am See hatten ihn von dem Schritt überzeugt – anstatt Rentner zu werden. Das Lokal am Max-Eyth-See führte der Gastronom 22 Jahre lang. Abgesehen davon ist er als gebürtiger Cannstatter und Mitglied vom Verein Kübelesmarkt für den neuen Job bestens qualifiziert – und prädestiniert.

Eine Weinstube mit günstigen Preisen

Für die Traditionsveranstaltungen an Fasching sperrte Margret Zaiß ihre Weinstube hin und wieder auf. Dass sie vom 7. Januar an wieder regelmäßig mittwochs bis samstags von 12 Uhr an bis 22 Uhr und am Samstag bis 23 Uhr geöffnet ist, wird viele Cannstatter freuen.

Holger Waiblinger bietet einen Mittagstisch für 10,50 Euro an, denn in einer Weinstube sollte es seiner Meinung nach günstig bleiben. „Natürlich schwäbische Küche, ganz klar,“ haben seine Köche im Programm. Sie stehen durchgehend am Herd, bereiten Gaisburger Marsch (8,80 Euro) zu, Saure Nierle (16,70 Euro) und Kutteln in Trollingersößle (15,70 Euro), Linsen mit Spätzle (14,50 Euro mit Saiten) und Zwiebelrostbraten für 24,50 Euro.

Butterbrot, Maultaschen, Schnitzel mit Pommes, Flammkuchen sowie Kaffee und Kuchen, Wein und Bier vom Fass stehen außerdem auf der Speisekarte der „neuen“ Weinstube Zaiß sowie jeden Samstag eine Torte von der Bäckerei Sailer. Weine von der Zaißerei werden ausgeschenkt, für weitere regionale Spitzenweine hat sich der Wirt einen Weinklimaschrank angeschafft.

In der Weinstube Zaiß ist fast alles gleich geblieben, wie es war – bis auf die Holzvertäfelung, eine neue Kücheneichrichtung und sanierte Toiletten. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Rustikale Einrichtung

Die Stammgäste werden sich in dem Lokal gleich wieder heimisch fühlen: Sogar Margret Zaiß kommt ab und zu von ihrer Wohnung im oberen Stockwerk herunter, um alte Bekannte zu begrüßen, kündigt sie an. Die Einrichtung ist rustikal geblieben, die gleichen Keramiklampen hängen noch über den Eichentischen.

Nur eine Wand hat Holger Waiblinger neu mit Holz vertäfeln lassen, das Nebenzimmer heißt neuerdings Wengerterstube, ist heller und mit einer Fototapete von einem Weinberg dekoriert. Die Musikanlage hat er erneuert, die Küche komplett neu eingerichtet, die Verpächter haben die Toiletten saniert, beide eine ordentliche Summe investiert.

„Ganz Cannstatt hat darauf gewartet, dass die Weinstube wieder aufgeht“, sagt Holger Waiblinger. Er rechnet mit einem Ansturm in den nächsten Tagen, weil die Gaststätte am Erbsenbrunnen eine Institution und er ein bekannter Wirt sei. Für ihn ist die Gastronomie „eine richtige Berufung“. Werkzeugmacher lernte er ursprünglich, arbeitete jedoch schon als 17-Jähriger in der Branche. Die Weinstube Zaiß hat mit ihren 60 Plätzen innen und 40 draußen für ihn nun genau die richtige Größe. „Ich mache es so lange, wie es mir Spaß macht und wie ich kann“, sagt der 60-Jährige.

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