Nach langem Leerstand herrscht im Gasthaus Ritter wieder Betrieb: „Für Degerloch ist es eine gute Lösung“, freut sich der Bezirksvorsteher Colyn Heinze über die neue Filiale von L’Osteria. Der Einzug der Münchner Kette zeigt den Wandel in der Gastronomie.
Es wurde offensichtlich an nichts gespart: Fischgrätparkett liegt auf dem Boden, Palmentapeten und bemalte Fliesen schmücken die Wände, die Tische sind aus Marmor, die Stühle gepolstert. Die neue Filiale von L’Osteria in Degerloch sieht nicht wie Systemgastronomie aus. Genau deshalb hat das ehemalige Gasthaus Ritter im Stuttgarter Stadtteil Degerloch so gut ins Konzept der Münchener Kette gepasst. „Jedes unserer Restaurants ist einzigartig“, erklärt Marco Di Bono, „das lassen wir uns Geld kosten.“ In das Fachwerkhaus hat das Unternehmen laut dem Direktor Süd rund 2,4 Millionen Euro investiert. Seit 20. Dezember werden dort nun Pizza und Pasta serviert. „Für Degerloch ist es eine gute Lösung“, freut sich Bezirksvorsteher Colyn Heinze über die neue Gastronomie im Ort.
Historisch aufgeladenes Gasthaus Ritter
Über die Zukunft des historischen Gasthauses hatten sich viele Bürger Sorgen gemacht. Es stand mehr als zwei Jahre lang komplett leer. Unter anderem musste ein Wasserschaden saniert werden, außerdem wurden bei dem Umbau auch zwei getrennte Lokale in eines zusammengeführt. Nach dem Auszug vom Hendl House und der Bierkneipe kamen immer wieder Gerüchte auf, dass das Gebäude in Wohnraum und Büros umgebaut werden sollte. Colyn Heinze berichtet von „unzähligen Zuschriften“ zum Gasthaus Ritter. Immerhin wird das Fachwerkhaus seit dem 14. Jahrhundert als Gaststätte genutzt, und „ist historisch aufgeladen“: Johann Wolfgang von Goethe soll dort schon abgestiegen sein und im April 1945 wurde die Stadt in den Räumen an die französischen Streitkräfte übergeben. Der Bezirksvorsteher spricht von „einer Torwirkung“ für Degerloch und rechnet durch das wieder eröffnete Lokal mit mehr Frequenz für Handel und Gastronomie in dem Stadtteil.
Eine neue Filiale von L’Osteria ist in das Gasthaus Ritter eingezogen. /Kathrin Haasis
Für L’Osteria ist das Gasthaus die 195. Filiale, bis 2030 sollen es 500 Restaurants werden. In Stuttgart ist der Systemgastronom seit 2019 am Start mit nun drei Lokalen, in der Innenstadt sucht Marco Di Bono nach einer weiteren Location. In Esslingen, Ludwigsburg und seit 2024 auch in Göppingen gibt es ebenfalls Pizza und Pasta. „Die Expansion ist nicht so leicht, wie es aussieht“, sagt der Manager, der in der Nähe des Flughafens gerne noch ein frei stehendes Restaurant bauen würde, was sich aber schwierig gestaltet. Das Erfolgsgeheimnis seien die 45 Zentimeter großen Pizzen, die sich mit unterschiedlich belegten Hälften bestellen lassen und zwischen 11,50 und 18 Euro kosten. Und die frische Pasta (elf bis 17 Euro pro Portion) stamme aus der eigenen Manufaktur. „Wir sind der kleine Italiener um die Ecke, aber mit den Vorteilen einer Kette“, sagt er, denn groß Einkaufsmengen führen zu günstigeren Preisen.
Die Degerlocher L’Osteria ist mit 140 Sitzplätzen innen und der geplanten Terrasse mit knapp 70 Stühlen zwar eine der kleinsten Einheiten des Unternehmens, dennoch ist Marco Di Bono „sehr happy und zufrieden“ mit dem neuen Standort, der das Portfolio in Stuttgart gut ergänze. „Das Haus ist sehr besonders“, schwärmt er, und Degerloch sei wie eine eigene Kleinstadt. Geleitet wird das Restaurant von Jennifer Meyer, die seit fast sechs Jahren bei L’Osteria tätig ist. In der Filiale sind 35 Mitarbeiter beschäftigt. Sie hat täglich geöffnet.