Gemeinderat genehmigt erstes Geld Stuttgart will mit Gartenschau an den Neckar
Zusammen mit Ludwigsburg, Esslingen und dem Verband Region Stuttgart geht die Landeshauptstadt eine Machbarkeitsstudie an. Der Weg zur Buga ist weit.
Zusammen mit Ludwigsburg, Esslingen und dem Verband Region Stuttgart geht die Landeshauptstadt eine Machbarkeitsstudie an. Der Weg zur Buga ist weit.
Die Landeshauptstadt nimmt die nächste Bundesgartenschau (Buga) in den Blick. Dazu muss sie allerdings zum Fernglas greifen. 50 Jahre nach der vorerst letzten Internationalen Gartenbauausstellung (IGA) und Bundesgartenschau – die war 1993 – soll es die nächste Buga geben, also 2043. Mit einem nahe liegenden Thema.
Es sei „höchste Zeit für eine weitere Bundesgartenschau“, sagte Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) am Mittwoch vor dem Verwaltungsausschuss des Gemeinderats. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat Stuttgart bisher vier dieser grünen Großveranstaltungen ausgerichtet. Die nächste soll sich in die Region weiten, Esslingen und Ludwigsburg wären wohl dabei, dazu der Verband Region Stuttgart (VRS). Nahe liegendes Thema soll der Neckar sein, den die Städte für die Bürgerinnen und Bürger durch die Aufwertung von Ufern und dem Umfeld erlebbar machen wollen. Nopper sprach in Anlehnung an das Grüne U der IGA 1993 – die Verbindung mehrerer Parklandschaften auf acht Kilometer Länge – vom „Blauen Band“, das die Städte in der Region verbinden solle. Der Neckar könne sich „für kommende Generationen vom reinen Industriefluss zum vitalen Landschaftserlebnis weiterentwickeln“.
Bis dahin wird allerdings noch einiges an Wasser den Neckar hinabfließen. Mit der Gewährung von 66 000 Euro haben die Bürgervertreter zunächst einstimmig Stuttgarts Beitrag zu einer gemeinsamen Machbarkeitsstudie freigegeben. Die Stadtbezirke Wangen und Hedelfingen hatten mit ihren Beiräten 2024 eine Initiative für eine Bewerbung um die Gartenschau gestartet. Den „finalen Impuls“ beanspruchte am Mittwoch Alexander Kotz (CDU) für seine Fraktion. Die Aufwertung des Neckars sei seit vielen Jahren ein Wunsch der Bürger – und der Oberbürgermeister, so Kotz: „OB Wolfgang Schuster wollte das bei der Olympia-Bewerbung Stuttgarts, OB Fritz Kuhn hat das fortgeführt.“ Die Aufgabe brauche einen „großen Vorlauf“. Flächen entlang des Neckars – Kotz sprach konkret Gelände der Energie Baden-Württemberg (EnBW) an, könnten für Wohnen und Arbeiten entwickelt werden.
Björn Peterhoff, Sprecher der Grünen, erinnerte an den „Masterplan Neckar“, der sei elf Jahre alt. Von den darin aufgeführten Projekten ist kaum eines umgesetzt. Nun soll es die Buga richten. Neben den EnBW-Flächen sprach Peterhoff die Einfahrbahn von Mercedes-Benz an, von der „nicht gesagt ist, dass sie immer weiter genutzt wird“, und die Neckarbrücke der Bahn, die durch das Projekt Stuttgart 21 frei werden könnte.
Auch SPD, Linke/SÖS-plus, AFD, Freie Wähler, FDP und Puls zeigten sich von der Buga-Idee begeistert. Johanna Tiarks (Linke) und Ina Schumann warnten allerdings davor, bestehende Planungen nun zu strecken. Man müsse auch die heutigen Projekte weiterverfolgen, so Schumann. „Die Teststrecke könnte weg“, sagte Tiarks. Natürlich wolle man bestehende Ideen nicht aufgeben, so Nopper.
Über die Vergabe der Buga-Lizenz entscheidet die Bundesgartenschau-Gesellschaft in Bonn, mit der die ausgewählten Städte dann eine Betriebsgesellschaft gründen müssen. Man erbringe als Buga GmbH eine Leistung, für die von den Städten eine auszuhandelnde Vergütung entrichtet werden müsse, so Buga-Sprecherin Ina Sperl. Die Garten- seien schon lange keine Blumenschauen mehr, im Mittelpunkt stehe die Schaffung von Infrastruktur für Naherholungsgebiete zur langfristigen Nutzung. Einen Wettbewerb um die Buga gibt es nicht, Stuttgart, Esslingen, Ludwigsburg und die Region Stuttgart sind für das Jahr 2043 die einzigen Bewerber. Vergeben sind die Gartenschauen für 2027 (Metropole Ruhr), 2029 (Welterberegion Oberes Mittelrheintal), 2031 (Wuppertal), 2033 (Dresden), 2035 (Dessau-Roßlau) und 2037 (Garzweiler). Für 2039 ist eine Machbarkeitsstudie aus Reutlingen in der Bearbeitung, für 2041 eine aus München.