Gemeinderat Esslingen Esslinger Stadtticket kommt zurück! – „Die Abschaffung war ein Fehler“

Künftig soll es wieder ein Stadtticket geben. Nach der nächsten VVS-Tariferhöhung dürfte es wohl 3,80 Euro kosten. Foto: Ines Rudel

Die Abschaffung des Esslinger Stadttickets war heiß umstritten – nun ist die Wiedereinführung der subventionierten Tagesfahrkarte beschlossen.

Reporter: Alexander Maier (adi)

Das Esslinger Stadtticket galt als Erfolgsgeschichte. Umso größer war bei vielen Fahrgästen die Enttäuschung, als der Gemeinderat das günstige Tagesticket zum Mai 2023 wieder einstellte. Seither wurde der damalige Sparbeschluss immer wieder kritisiert – viele fanden ihn nicht nur aus ökologischen und verkehrlichen, sondern auch aus sozialen Gründen falsch. Nun hat der Gemeinderat die damalige Entscheidung korrigiert: Das Stadtticket wird wieder eingeführt – allerdings erst zum 1. September 2025, weil der Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) diesen zeitlichen Vorlauf braucht. Kosten wird es dann vermutlich 3,80 Euro.

 

Esslinger Gemeinderat ließ beim Stadtticket nicht locker

Für zunächst drei, später dann 3,50 Euro konnten Fahrgäste mit dem Stadtticket einen Tag lang beliebig oft Busse und Bahnen im Esslinger Stadtgebiet nutzen. Doch angesichts düsterer Finanzprognosen fiel das Stadtticket dem Rotstift zum Opfer. Seit jedoch klar war, dass sich die kommunale Kassenlage deutlich freundlicher gestaltete als vorhergesagt, riss die Kritik nicht ab. Eine interfraktionelle Arbeitsgruppe konnte sich auf keinen gemeinsamen Finanzierungsvorschlag einigen, doch in den Beratungen zum Nachtragshaushalt 2024/2025 hatten CDU, Grüne, SPD und Freie Wähler mit einem interfraktionellen Antrag sowie Linke/FÜR und WIR/Sportplätze erhalten erneut beantragt, das Stadtticket wieder einzuführen. Nun sorgte der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung des Jahres endgültig für klare Verhältnisse und beschloss bei sieben Gegenstimmen die Wiedereinführung.

Tim Hauser (CDU) begrüßte diesen Schritt: Das Stadtticket sei ein konkurrenzloses Angebot für Gelegenheitsfahrer. Um dieses Angebot dauerhaft zu sichern, forderte Hauser, die Finanzierung auch in den kommenden Doppelhaushalten vorzusehen – eine breite Ratsmehrheit unterstützte diesen Vorschlag. Zustimmung gab’s auch von Carmen Tittel (Grüne), die bekannte: „Wenn wir damals gewusst hätten, wie sich die Finanzen der Stadt entwickeln, hätten wir der Abschaffung nie zugestimmt.“ Nicolas Fink (SPD) fand Hausers Vorstoß zur längerfristigen Sicherung der Finanzierung richtig: „Die Abschaffung war ein Fehler, und man sollte keinen Fehler zweimal machen. Es war gut, dass der Gemeinderat gemeinsam am Ball geblieben ist.“

Stadtticket: Geteilte Meinungen – klares Votum

Annette Silberhorn-Hemminger (Freie Wähler) sah den städtischen Zuschuss zum Stadtticket – fürs Restjahr 2025 rund 255 000 Euro, für die folgenden Jahre jeweils geschätzte 760 000 Euro – gut angelegt: „Damit sprechen wir auch eine Zielgruppe an, die wir für den öffentlichen Nahverkehr noch gewinnen wollen.“ Kritik kam von Rena Farquhar (FDP): „Es wäre ein Trugschluss zu glauben, die gesamtwirtschaftliche Entwicklung ginge an uns vorbei. In solchen Zeiten wollen wir strukturelle Mehrausgaben beschließen?“ Deshalb sprach sie sich gegen das Comeback des Stadttickets aus.

In Esslingen will man mit dem Stadtticket neue Zielgruppen für den ÖPNV gewinnen. Foto: Roberto Bulgrin/bulgrin

Für Martin Auerbach (Linke/FÜR) war die Wiedereinführung selbstverständlich: „Wir waren immer gegen die Abschaffung. Hätte man auf uns gehört, hätten wir uns viel Kritik erspart.“ Dagegen lehnte die AfD die Wiedereinführung ab. Stephan Köthe sah keinen Handlungsbedarf, da der VVS mit dem Einzeltagesticket für 6,60 Euro eine gute Alternative biete. Ein städtischer Zuschuss zum Stadtticket bedeute eine zusätzliche Subventionierung des öffentlichen Nahverkehrs. Köthe forderte, vor einer Entscheidung erst die Entwicklung der städtischen Finanzen zu betrachten. Sein Vertagungsantrag fand bei den anderen Fraktionen keine Unterstützung. Für Hermann Beck (WIR/Sportplätze erhalten) war die Wiedereinführung des Stadttickets dagegen alternativlos: „Die Abschaffung war ein Fehler. Dass wir den rückgängig machen, ist auch ein Sieg der Demokratie.“

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