Gemeinderatswahl in Filderstadt Der alte Stimmenkönig ist der neue
Die Freien Wähler haben die Kommunalwahl in Filderstadt auf ganzer Linie gewonnen, andere Parteien wurden abgestraft. Was verschiebt sich im Gemeinderat?
Die Freien Wähler haben die Kommunalwahl in Filderstadt auf ganzer Linie gewonnen, andere Parteien wurden abgestraft. Was verschiebt sich im Gemeinderat?
Rund 400 städtische Beschäftigte haben am Montag die Filderstädter Stimmen zur Kommunalwahl ausgezählt, der Wahlausschuss hat am Abend noch minimal korrigiert. Sieger sind die Freien Wähler. Sie haben nicht nur 34,98 Prozent der Stimmen geholt – ein Plus von 5,57 Prozentpunkten gegenüber 2019 –, sie stellen auch den Stimmenkönig: 19 717 Kreuzchen hat Richard Briem bekommen. Der 72-jährige Autohaus-Chef ist damit zum dritten Mal Stimmenkönig. „Fleiß, Einsatz und Engagement werden belohnt“, sagt er. Man habe gute Konzepte und gute Leute auf der Liste gehabt. Zudem, vermutet der Fraktionsvorsitzende Stefan Hermann, hätten die Menschen die Freien Wähler gewählt, gerade weil sie keine Partei sind. Das hat ihnen im Gemeinderat zwei Plätze mehr eingebracht. Elf von 32 sind es nun. Stefan Hermann sagt: „Die Verantwortung wird noch größer.“
Freude hier, Frust dort. Walter Bauer (SPD) ist die Enttäuschung deutlich anzumerken. Die Sozialdemokraten haben nur 13,1 Prozent der Stimmen geholt (minus 1,79) und einen ihrer fünf Sitze im Gremium verloren – dabei hatte er sich einen Zuwachs erhofft. „Die Probleme, die es gab, haben uns gewaltig geschadet“, sagt er. Damit meint er die Verbindungen zu den rechtsextremen Grauen Wölfen. Drei Kandidatinnen und Kandidaten mit Verbindungen dorthin standen auf der SPD-Wahlliste, im Streit um Distanzierung oder nicht hat sich die Kandidatin Ines Schmidt mit dem Ortsverein überworfen. Das „hat uns gewaltig geschadet“, sagt Walter Bauer. Vor allem er selbst aber hat Stimmen eingebüßt, mehr als 2800. Die umstrittenen türkischstämmigen Kandidaten haben indes zwar keine Mandate errungen, aber dennoch jeweils zwischen 1240 und 1631 Stimmen ergattert.
Die meisten Stimmen eingebüßt haben die Grünen: Sie kommen auf 18,15 Prozent (minus 3,82). Damit verlieren sie einen Sitz beziehungsweise zwei, weil sich nach der Wahl 2019 ein Stadtrat der Linken ihrer Fraktion angeschlossen hatte. „Der allgemeine Trend macht auch vor Filderstadt nicht halt“, sagt Catherine Kalarrytou, die Vorsitzende, das Interesse am Klima sei anderen Themen gewichen. Dennoch: Die Europawahl habe Schlimmeres befürchten lassen.
Zufrieden ist Osman Dönmez, der Vorsitzende des FDP-Ortsvereins. Mit 8,03 Prozent der Stimmen haben die Liberalen nahezu gleich viele Stimmen erhalten wie 2019 - und dies, obwohl das Zugpferd, der Landtagsabgeordnete Dennis Birnstock, nicht mehr angetreten war. Es bleibt bei drei Sitzen im Gemeinderat. „Wir haben die Fraktionsstärke gehalten, das war unser Ziel“, sagt Dönmez.
Bei der CDU ist ein Mandat dazugekommen, nun sind es acht. 25,74 Prozent der Stimmen hat die Partei erhalten (plus 3,71), 20 000 Stimmen mehr als 2019. „Ich habe das Gefühl, dass die Leute wieder nach mehr Bodenständigkeit und Werten streben“, sagt Ulrich Steck, der Fraktionsvorsitzende. Auch die Ampelverdrossenheit macht er für das gute Ergebnis verantwortlich. Außerdem sei wohl honoriert worden, dass die Christdemokraten neue Wege beschritten hätten. So habe man auch sehr jungen Leuten gute Plätze auf der Wahlliste einräumen.
Am 9. Juni wurden auch der Kreistags und die Regionalversammlung gewählt. Auch Filderstädter sind dabei. Richard Briem und Carsten Wagner (Freie Wähler), Willy Stoll und Joshua Alber (CDU), Rainer Moritz (Grüne), Walter Bauer (SPD), Jutta Clement-Schmid (FDP) und Markus Munz (AfD) ziehen in den Kreistag ein. Andreas Koch (CDU), Hedy Barth-Rößler (Freie Wähler), Ines Schmidt (SPD) sowie Osman Dönmez (FDP) haben es in die Regionalversammlung geschafft. Die konstituierende Sitzung des neuen Gemeinderats ist am 22. Juli.