Der Energiekonzern EnBW soll und will die geplante Kapitalerhöhung von drei Milliarden Euro durch eigene Sparbemühungen unterstützen. Entsprechende Erwartungen haben nach Informationen unserer Zeitung die beiden Großaktionäre, das Land Baden-Württemberg und besonders der Landkreiseverbund Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW). Die EnBW kündigte in diesem Zusammenhang an, zu prüfen, wie ein bereits länger laufendes Programm zur Effizienzsteigerung „ergänzt und erweitert“ werden könnte. Kein Thema soll dabei aber eine Verlängerung der tariflich vereinbarten Wochenarbeitszeit von 36 Stunden sein.
Mitte September war bekannt geworden, dass der Energiekonzern seine Eigner um zusätzliches Kapital bittet. Damit will er insbesondere die enormen Investitionen in die Energiewende finanzieren. Bis 2030 sollen unter anderem für den Ausbau der Netze, den Bau neuer Gaskraftwerke sowie Wind- und Solaranlagen bis zu 50 Milliarden Euro ausgegeben werden. Das Land und die OEW, die eine entsprechende Kreditaufnahme durch Garantien absichern müssten, haben ihre grundsätzliche Unterstützung signalisiert. Während die Regierungsfraktionen Grüne und CDU in ihren Klausurtagungen von EnBW-Chef Georg Stamatelopoulos und Finanzvorstand Thomas Kusterer informiert wurden, liefen in den vergangenen Woche Gespräche in den neu konstituierten Kreistagen der neun OEW-Landkreise.
Bayaz: Engagement ohne Vorbedingungen
Offiziell wird die für 2025 geplante Milliardenspritze nicht mit einem Eigenbeitrag des Unternehmens verbunden. „Für ein verstärktes Engagement des Aktionärs Land gibt es keine Vorbedingungen“, sagte ein Sprecher von Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne), der auch im Aufsichtsrat sitzt. Der erhöhte Kapitalbedarf aufgrund der anstehenden Herausforderungen sei „von konzerninternen Themen zu trennen“. Ein OEW-Sprecher betonte, man begleite die Wachstumsstrategie positiv: „Die OEW haben volles Vertrauen, dass das Unternehmen vor einer möglichen Kapitalerhöhung alle Möglichkeiten der Eigenfinanzierung konsequent prüft und nutzt.“
Der EnBW ist laut einer Sprecherin bewusst, dass eine mögliche Kapitalerhöhung „von einem vorsichtigen und effizienten Wirtschaften begleitet wird“. Für den Vorstand und das Unternehmen sei es „eine Selbstverständlichkeit“, zuvor „alle Effizienzpotenziale zu prüfen und, soweit sinnvoll, zu nutzen“. Diese Haltung sei den Anteilseignern bekannt. Konkret verwies die EnBW auf das bereits von dem Vorstandschef Frank Mastiaux gestartete Programm „Performance im Wachstum“. Dadurch seien nachweisbare und nachhaltige Effizienzgewinne „in Höhe eines deutlich dreistelligen Millionenbetrages pro Jahr“ erzielt worden. Diese wirkten sich direkt positiv auf die Ertragskraft des Konzerns aus. Derzeit werde geprüft, „inwieweit die Maßnahmen dieses Programms noch ergänzt und erweitert“ und damit die Effizienzgewinne weiter erhöht werden könnten.
Wird die 36-Stunden-Woche zum Thema?
Nach Informationen unserer Zeitung könnte auch die Arbeitszeit der Beschäftigten – seit Jahren laut Tarifvertrag 36 Stunden – zum Thema werden. Möglich sei eine Erhöhung auf 38 Stunden, hieß es aus dem weiteren EnBW-Umfeld. Das Unternehmen und der Betriebsrat dementierten dies jedoch übereinstimmend: „Eine Diskussion über Arbeitszeiten und andere tarifliche Regelungen fand und findet im Zusammenhang mit einer möglichen Kapitalerhöhung nicht statt.“ Darüber hinaus würden sich die Tarifpartner nicht zu laufenden Gesprächen und deren Inhalten äußern. Von Seiten der Gewerkschaft Verdi hieß es, im Zusammenhang mit der Kapitalerhöhung sei noch niemand „an Verdi als Tarifpartner herangetreten“.
Die interne Diskussion über eine Kapitalerhöhung dauert bei der EnBW übrigens schon wesentlich länger als öffentlich bekannt. Sie begann bereits in der Amtszeit des Vorstandschefs Frank Mastiaux und wurde nach StZ-Informationen vom Finanzvorstand Thomas Kusterer angestoßen. Hintergrund waren damals unter anderem Kapitalerhöhungen bei anderen Energiekonzernen und der bereits absehbare hohe Investitionsbedarf. Die Überlegungen konkretisierten sich aber noch nicht, vor allem die OEW soll lange auf der Bremse gestanden sein.
Schell scheitert mit seiner Strategie
Auch Mastiauxs Nachfolger Andreas Schell wurde früh bedeutet, dass eine Kapitalerhöhung noch nicht in Frage komme. Mit Blick auf den hohen Geldbedarf entwickelte Schell die Strategie, das gesamte Gasgeschäft zu verkaufen und die EnBW zum reinen Stromkonzern umzubauen. Damit scheiterte er jedoch in mehreren Anläufen im Aufsichtsrat – was am Ende zu seinem vorzeitigen Abschied nach nur gut einem Jahr führte. Sein Nachfolger Stamatelopoulos fand mit dem Wunsch nach einer Kapitalerhöhung schließlich Gehör – offenbar auch deshalb, weil ihm die Großaktionäre weit mehr als Schell zutrauen, das zusätzliche Geld sinnvoll einzusetzen.