Trotz Sparplänen bei VW Porsche hält an Jobgarantie fest – und Mercedes?

Vorsichtige Entwarnung bei Porsche Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Die Beschäftigten bei VW plagt die Zukunftsangst, nachdem dort Werksschließungen und Kündigungen geplant sind. Was das für die Belegschaft beim Tochterunternehmen Porsche, aber auch bei Mercedes bedeutet.

Porsche setzt auf „SOS“. Das ist in diesem Fall ein positives Signal für die Belegschaft am Stammwerk Zuffenhausen und den Standorten Weissach, Bietigheim-Bissingen und Sachsenheim sowie in Leipzig. „SOS“ steht bei Porsche nämlich als Abkürzung für „Standortsicherung“. Diese bis Juli 2030 geltende Vereinbarung zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung wird weiterhin Bestand haben. So lautet die Botschaft, die aus der Chefetage des Stuttgarter Sportwagenherstellers kommt. Die Standortsicherung gilt damit weiterhin. Außerdem sind nach Informationen dieser Zeitung auch die Porsche-Werke nicht von der Diskussion über Schließungen betroffen.

 

Diese Reaktion Porsches war nötig geworden, nachdem VW am Montag überraschend die ursprünglich bis 2029 geltende Vereinbarung mit dem Betriebsrat zur Arbeitsplatzsicherung der 110 000 Beschäftigten aufgekündigt hatte. Damit will die Geschäftsführung den Weg dafür öffnen, sowohl betriebsbedingte Kündigungen auszusprechen als auch Werke zu schließen. Die Sicherheitsvereinbarung gilt seit 1994 und wurde danach immer wieder verlängert.

Entwarnung bei Porsche und Mercedes

„Wir sind solidarisch mit den Kolleginnen und Kollegen aus allen Standorten im VW-Konzern. Die Beschäftigten innerhalb des Konzerns stehen auch zusammen, und das macht uns alle stark“, sagt der Porsche-Betriebsratsvorsitzende Harald Buck. „Auch wenn die wirtschaftliche Lage der deutschen Automobilindustrie insgesamt schwierig ist: Eine Kündigung unserer Beschäftigungssicherung bei Porsche ist nicht vorstellbar.“ Diese zu kündigen sei nicht nur ein betriebswirtschaftlicher Irrweg, sondern auch ein Angriff auf die Belegschaft.

Auch beim Stuttgarter Nachbar Mercedes müssen die Beschäftigten nicht befürchten, dass die VW-Pläne gleich als Einladung zur Nachahmung verstanden werden. „In einer Zeit der größten Transformation der Automobilbranche bietet Mercedes-Benz sichere Beschäftigung“, heißt in einer ganz aktuellen Erklärung des Unternehmens: „Für die Mitarbeitenden der Mercedes-Benz Group AG, der Mercedes-Benz AG sowie der Mercedes-Benz Intellectual Property GmbH & Co. KG gilt eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2029 („Zusi 2030“).“ Diese Vereinbarung schließe betriebsbedingte Beendigungskündigungen grundsätzlich bis zum 31. Dezember 2029 aus.

Dass für die Belegschaften von Porsche wie von Mercedes im großen Unterschied zu Volkswagen derzeit Entwarnung gegeben werden kann, liegt zunächst einmal an der traditionellen Ausrichtung der Marken: Das Geschäft mit Premiumfahrzeugen ist weiterhin rentabel, während sich der auf Masse ausgerichtete Volumenhersteller Volkswagen deutlich schwerer tut. Dazu kommt dann noch die von der Bundesregierung Ende des vergangenen Jahres ersatzlos gestrichene Umweltprämie für Elektroautos. Auch der weiterhin hohe Strompreis spielt mit. Außerdem die Tatsache, dass VW noch keinen E-Kleinwagen im Programm hat.

Nun wird das Sparprogramm in Wolfsburg drastisch verschärft, bis zu vier Milliarden Euro sollen bei der Kernmarke des Konzerns zusätzlich reingeholt werden. Der bekannt gewordene Weg zu diesem Ziel wird nun scharf kritisiert. „Dagegen werden wir uns erbittert zur Wehr setzen“, kündigt Betriebsratschefin Daniela Cavallo an. Mit ihr werde es keine VW-Standortschließungen geben. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil mahnt, dass Schließungen zu vermeiden seien. Gleichwohl hält der SPD-Politiker Maßnahmen zur Kostensenkung für unabdingbar. Das Land Niedersachsen besitzt 20,2 Prozent der VW-Anteile.

VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo kündigt Widerstand an. Foto: dpa/Fernando Martinez

Nach Ansicht von CDU-Chef Friedrich Merz sei es möglicherweise ein Fehler von Volkswagen gewesen, sich zu einseitig auf die E-Mobilität festgelegt zu haben. In Richtung der Ampelregierung nennt Merz das Sparprogramm einen Weckruf und sagt zusammenfassend: „Deutschland ist nicht mehr wettbewerbsfähig genug.“

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) wiederum schaltet sich so in die Diskussion ein: „Alle Beteiligten müssen ihrer Verantwortung für die Beschäftigten in den Standorten gerecht werden.“ Die Autoindustrie sei ein Eckpfeiler für den Standort Deutschland. „Das soll auch so bleiben.“

Blumes schwierige Doppelrolle

Die „Wirtschaftsweise“ Veronika Grimm warnt in diesem Zusammenhang vor staatlichen Rettungsversuchen für bedrohte Standorte. „Der Staat sollte sich da raushalten“, sagt die Ökonomieprofessorin, die zum Beraterkreis der Bundesregierung gehört, der „Rheinischen Post“. Es könne durchaus zu Werksschließungen kommen, meint sie, weil sich die Automobilindustrie in einem Strukturwandel befinde. Grimm sieht den Staat lediglich in der Rolle eines Begleiters in schwierigen Zeiten: „Aber direkt die Automobilindustrie zu retten, halte ich nicht für den richtigen Weg.“

Oliver Blume jedenfalls dürfte in diesen Tagen verdeutlicht bekommen, wie schwierig es ist, die Doppelrolle als VW-Konzern- und Porsche-Chef auszufüllen. Während er gegenüber der einen Seite schlechte Nachrichten verantworten muss, gilt es, die andere damit zu beruhigen, dass es bei Porsche nicht so schlimm kommt wie bei VW.

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