Grünen-Spitzenkandidat Wie Özdemir sich auf dieses Gruppenfoto drängelte
Eigentlich hatte Cem Özdemir mit dem Thema – der Start-up-Förderung – gar nichts zu tun. Wie kam er trotzdem prominent auf ein PR-Foto der Landesregierung?
Eigentlich hatte Cem Özdemir mit dem Thema – der Start-up-Förderung – gar nichts zu tun. Wie kam er trotzdem prominent auf ein PR-Foto der Landesregierung?
Das Foto sieht so aus, als wäre Cem Özdemir schon eine Art Co-Ministerpräsident neben Winfried Kretschmann. Der Amtsinhaber und sein grüner Nachfolge-Kandidat stehen im Zentrum des Gruppenbildes. Sie umrahmen die Hauptfigur, den Geschäftsführer einer baden-württembergischen Start-up-Plattform, der gerade eine Millionenförderung des Bundes zugesprochen wurde.
Verbreitet wurde das Foto per Pressemitteilung der Ministerien für Wirtschaft und Wissenschaft. Was aber hat der Wahlkämpfer Özdemir darauf verloren? Bei der Frage nach einem inhaltlichen Bezug zum Thema mussten beide Ressorts passen: Davon sei nichts bekannt. Federführend für das Bild sei die Landesvertretung in Berlin gewesen, wo es vor der Stallwächterparty entstand. Dort hatte auch Özdemir dem Start-up-Konsortium zum Millionensegen gratuliert. Als gewiefter Politprofi platzierte er sich ganz vorne in der Mitte, als zum Foto gebeten wurde. Für CDU-Vizepremier Thomas Strobl blieb nur ein Randplatz, der ebenfalls in Berlin präsente CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel fehlte ganz.
Wie steht es da mit der Neutralität der Landesregierung, zumindest aber mit gleichen Chancen für die beiden Kontrahenten? In CDU-Kreisen war man nicht amüsiert, wie Özdemir die Gelegenheit zur Selbstdarstellung nutzen konnte. Doch einen kritischen Kommentar verkniff man sich, weil er auch die eigenen Leute getroffen hätte. Ebenso wenig wie Strobl protestierte offenbar Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) gegen das Vordrängeln des Grünen-Spitzenkandidaten. Und die Pressemitteilung wurde nicht nur vom grün geführten Wissenschaftsressort verbreitet, sondern auch vom Haus der CDU-Frau. Das zeuge nicht gerade von Professionalität, hieß es, bleibe aber hoffentlich ein Einzelfall.