Für rund 1300 Gebäude ist das Stuttgarter Liegenschaftsamt zuständig. Nicht alle stehen so im Blickpunkt wie das Rathaus. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Das Liegenschaftsamt ist extrem unterbesetzt, das hat die Stadt nun schriftlich. Abhilfe? – Kann dauern. Dabei könnte eigenes Personal effektiver sein als fremdes.
Konstantin Schwarz
26.02.2026 - 09:34 Uhr
Das Liegenschaftsamt der Landeshauptstadt ist für rund 1300 Gebäude und 7500 Grundstücke zuständig – und damit angesichts seiner Personalausstattung und IT-Ausrüstung deutlich überfordert. Diese Erkenntnis ist nicht ganz neu, aber aktuell durch ein 106 Seiten starkes Gutachten des Unternehmens Rödl&Partner bestätigt worden.
Um Besserung zu erreichen, haben die Experten einen enormen Personalbedarf von 161,7 Vollzeitstellen ermittelt, das sind rund 15 mehr als das Amt heute zählt. 57 Stellen seien der Mindestbedarf, so der Gutachter beim Vortrag vor dem Verwaltungsausschuss des Gemeinderates. Von den empfohlenen Stellen soll es aber nun nur einen Bruchteil geben, denn Stuttgart muss sparen.
Mit dem hoch defizitären Doppelhaushalt 2026/2027 hat der Gemeinderat 70 neue Stellen in einem Pool beschlossen, deren Verteilung noch nicht geregelt ist. Das Liegenschaftsamt soll 20 Stellen aus diesem Pool zugesprochen erhalten, um Leitungspositionen zu besetzten und neue Abteilungen wie die für Recht und Digitalisierung aufbauen zu können. Die Schaffung von weiteren 28 neuen Stellen (Hausmeister, mobile Dienste) soll geprüft und, sofern sie haushaltsneutral sind, also die Personalkosten wieder einspielen können, womöglich vor 2028 geschaffen werden.
Viele Stellen für den Gebäudeservice nötig
Die meisten Stellen, nämlich rund 116, wären für das Objektmanagement und den Gebäudeservice nötig, sagt der Gutachter. 15 Hausmeisterstellen und zwölf im „mobilen Dienst“, die bei einfacheren Schadensfällen schnell Abhilfe schaffen sollen, würden den Haushalt laut Gutachter nicht belasten, weil sie Leistungen externer Handwerker ersetzen könnten. Die müssen oft erst aufwendig ausgeschrieben werden.
Im Grundsatz sei man mit 20 neuen Stellen für das Amt einverstanden, so CDU-Fraktionschef Alexander Kotz, das sei „ein Paket“. Bei der Frage, ob eigenes Personal mehr abarbeite als externe Handwerker, im Saldo also billiger sei, zeigte er sich hoch misstrauisch. Die Aussagen dazu klängen „blumig“, die Zahlen seien „schön hingerechnet“, so Kotz. Er warnte davor, sich eine „derartige zusätzliche Baustelle ins Haus zu holen“ – und stellte damit eine Grundsatzfrage.
Mehr eigenes Personal nötig?
Ein „mobiler Dienst“ für den Gebäudeservice soll nach dem Gutachten kleinere Schäden an Gebäuden beheben. (Symbolbild) Foto: imago/Zoonar
Ein eigener mobiler Dienst sei „immens wichtig“, befand dagegen Petra Rühle, 40.000 Euro könnten damit pro Jahr und Stelle gespart werden. Wichtig sei auch, dass die Mittel für die Digitalisierung des Amtes ausreichten. Man begrüße es, wenn Aufgaben und Personal ins Amt zurückgeholt werden, sagte Dejan Perc für die SPD. Wichtig sei auch das Städtebauprojekt Rosenstein. Um die Flächen, die durch das Bahnprojekt Stuttgart 21 zur Bebauung frei werden, kümmert sich im Liegenschaftsamt bisher eine Person. Rödl&Partner sehen bei Rosenstein künftig Arbeit für elf Beschäftigte.
FDP sieht Mitschuld beim Gemeinderat
Unter dem früheren Finanzbürgermeister Michael Föll (CDU) sei das Liegenschaftsamt „kaputtgespart“ worden, sagte Johanna Tiarks (Linke). Mehr eigene Hausmeister und Handwerker, das unterstütze man. Die zunächst 20 neuen Stellen sollten extra geschaffen und nicht aus dem Pool entnommen werden, forderte sie. Rose von Stein (Freie Wähler) wollte wissen, ob überhaupt eigene Hausmeister zu gewinnen seien. „Jeder, der länger als fünf Jahre in diesem Gemeinderat sitzt, sollte sich fragen, wie das mit dem Liegenschaftsamt passieren konnte“, sagte Matthias Oechsner für die Liberalen. Der Rat habe der Malaise zugesehen, so seine Botschaft. Beim Thema Personal müsse man die finanzielle Situation der Stadt im Blick behalten, warnte Siegfried Fachet (AfD).
Stadt findet wieder leichter Personal
Der Personalratsvorsitzende Tomas Brause sieht die Warnungen der Beschäftigtenvertretung in Sachen Unterbesetzung durch das Gutachten bestätigt. Amtsleiter Rafael Sänger, der erst seit August 2024 in städtischen Diensten ist (das Gutachten war im Dezember 2023 in Auftrag gegeben worden), warb für die 28 noch zu prüfenden Stellen. Nur sieben Prozent des Bauunterhaltungsbudgets von 40 Millionen Euro würden mit eigenem Personal bewältigt, dabei sei der Effizienzgewinn durch eigene Leute „enorm“. Auf dem Arbeitsmarkt gebe es dafür „genügend Potenzial“, auch Elektriker würden sich inzwischen bei der Stadt bewerben, die Bewerberlage habe sich „deutlich verbessert“. Die Digitalisierung sieht Sänger als ein Projekt „für ein Jahrzehnt“. Was sie koste, könne man noch nicht sagen. Wichtig sei jetzt, die neue Struktur mit vier neuen Abteilungen aufbauen zu können. Dafür sind die ersten 20 Stellen nötig.