Heimliche Hochzeit der Stuttgarter Aktivistin Die Clublegende und ihr Professor: Mit über 80 haben sie Ja gesagt

Wirtin Laura Halding-Hoppenheit und der Bildhauer Peter Jacobi haben heimlich geheiratet. Foto: /Andreas Engelhard

Sie leben’s vor: Manchmal muss man sehr lange auf die große Liebe warten – doch es lohnt sich! Clublegende Laura Halding-Hoppenheit (80) und der Bildhauer Peter Jacobi (87) haben heimlich geheiratet. Nicht mal die Kinder wussten vorher Bescheid.

Stadtleben/Stadtkultur: Uwe Bogen (ubo)

In den 60ern haben sie sich in der Künstlerszene von Bukarest kennengelernt und sind sich viele Jahrzehnte später über Facebook wieder begegnet: Seit vier Jahren sind die gebürtige Rumänin Laura Halding-Hoppenheit und ihr Landsmann Peter Jacobi, der bis 1998 eine Professur an der Hochschule für Gestaltung Pforzheim inne hatte, ein Paar – und beide sind beruflich noch äußerst aktiv. Treten die Stuttgarter Aktivistin für Rechte von queeren Menschen (erstmals verrät sie ihr Alter: „Ich bin 80“) und der 87-jährige Künstler aus dem Enzkreis gemeinsam auf, spürt man ihr Glück, dann wird’s vielen warm ums Herz. „Liebe ist auch im Alter schön“, sagt die Stadträtin der Linke, „vielleicht sogar noch schöner.“

 

Eigentlich sollte OB Nopper die beiden trauen

Für diese Liebe hat Halding-Hoppenheit gekämpft. Eigentlich wollte sie auf einem Stuttgarter Standesamt heiraten – OB Frank Nopper (CDU) sollte die Zeremonie übernehmen. Doch ihre Geburtsurkunde aus Rumänien ließ sich nicht auffinden. Die Tochter der Stadträtin recherchierte in Bukarest – vergeblich. Weil das Paar in Stuttgart ohne dieses Dokument abgewiesen wurde, ging es nach Wurmberg im Enzkreis, wo Jacobi lebt. Das dortige Standesamt wusste sich zu helfen.

„Die Wurmberger haben beim Standesamt in Hamburg nachgefragt, wo ich vor vielen Jahren geheiratet habe“, berichtet die Wirtin. Weil dort die Heirat registriert ist, schlussfolgerte man im Enzkreis-Rathaus, müsste es also eine Geburtsurkunde geben. Damit war endlich der Beweis erbracht: Die Stuttgarter Stadträtin ist geboren!

Heimlich, still und leise

Nur zu zweit erschienen Halding-Hoppenheit und Jacobi am Dienstag vor der Standesbeamtin. Getraut wurden sie von der persönlichen Referentin des Wurmberger Bürgermeisters Jörg-Michael Teply. Für beide war es jeweils die dritte Hochzeit. Freunde und selbst die beiden Kinder der Braut erfuhren erst danach von diesem Schritt. „Irgendwann feiern wir mal mit allen“, sagt die Wirtin, „aber jetzt war’s erst mal nur ganz allein unser Ding.“

Wie wichtig ihre Heirat ist, haben beide vor einigen Wochen erlebt. Peter Jacobi war schwer gestürzt, hatte einen Halswirbel gebrochen. Auskünfte von Ärzten erhalten aber nur Familienangehörige. „In unserem Alter kann der Tag X schnell kommen“, sagt Laura Halding-Hoppenheit ganz ernst, „da kann man nicht mehr lange auf die Hochzeit warten.“ Und schon schiebt sie einen Spaß nach: „Jetzt bin ich nicht mehr die rumänische Mätresse, sondern die Frau vom Professor.“

Bei der CSD-Parade wird die Braut auf einem Motorrad chauffiert

Für Flitterwochen ist keine Zeit. Beide haben im Sommer viele Termine. Peter Jacobi ist mit Ausstellungen beschäftigt, schafft neue Werke, Laura Halding-Hoppenheit macht viel für den CSD in Stuttgart. Bei der Parade am 29. Juli wird sie traditionell auf einem Motorrad durch die Stadt an den jubelnden Menschen vorbei chauffiert. In Stuttgart betreibt die Wirtin die Bar Juwel im Bohnenviertel und sie bereitet gerade die Neueröffnung ihres Kings Clubs im Herbst vor.

Glückwünsche von Harald Glööckler

Einer der ersten, die gratuliert haben, ist Designer Harald Glööckler, mit dem sie schon lange befreundet ist. „Ich freue mich für die beiden von ganzen Herzen“, sagt er, „und wünsche ihnen alles Glück der Erde.“ Vor einiger Zeit hatte der SWR einen Film über Halding-Hoppenheit und Jacobi gedreht, darauf meldeten sich private Sender, die ebenfalls ihre Liebesgeschichte erzählen wollten. „Wir haben alle Interviewwünsche abgesagt“, erklärt die Wirtin, „Peter will lieber arbeiten.“

Dank ihrer Hochzeit, sagen beide, die ihre Nachnamen beibehalten, fühlen sie sich noch viel stärker und geben sich gegenseitig Halt. Und Halding-Hoppenheit ergänzt: „Jetzt sind wir stark genug, dass wir auf die 100 losgehen und diese Zahl auch noch erreichen.“

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