Kabelspezialist aus Stuttgart Boom in Asien, Sparzwang daheim: Lapp-Kabel baut Jobs ab

, aktualisiert am 12.02.2026 - 15:31 Uhr
Kabelproduktion bei Lapp, weltweit investiert das Familienunternehmen in Produktionskapazitäten und Technologien. Foto: Lapp

Der Stuttgarter Kabelspezialist spart. Man werde den Abbau einzelner Arbeitsplätze in Deutschland kaum vermeiden können, sagt Firmenchef Matthias Lapp.

Wirtschaft: Imelda Flaig (imf)

Die Stuttgarter Lapp-Gruppe ist wieder auf Wachstumskurs. Während Europa schwächelt, konnte der Kabelspezialist im vergangenen Geschäftsjahr 2025 insbesondere in Asien zulegen und so das Vorjahresminus ausgleichen. Für 2026 gibt sich Familienunternehmer Matthias Lapp vorsichtig optimistisch, in Deutschland stehen dennoch Arbeitsplätze auf dem Spiel.

 

„Erneuerbare Energien, Batteriespeichersysteme, Datencenter oder die Intralogistik benötigen mehr Energie, mehr Daten, mehr Verbindungen. Unsere Kunden sind in den Branchen der Zukunft aktiv. Das macht mir Hoffnung“, sagt der Lapp-Chef, der das Unternehmen in dritter Generation führt. Insbesondere in Deutschland will Lapp aber Kosten und Strukturen optimieren.

Rotstift bei Personalkosten und Dienstreisen

Das schlägt auch auf die Arbeitsplätze durch. „In Zeiten wie diesen kann kaum ein Unternehmen Arbeitsplatzgarantien geben. So schwer es mir als Familienunternehmer fällt, das zu sagen: Wir werden den Abbau einzelner Arbeitsplätze in Deutschland leider kaum vermeiden können“, sagte Lapp. Sollte es dazu kommen, werde das sozialverträglich geschehen. Den Rotstift setzt das Unternehmen aber nicht nur bei Personalkosten an, sondern auch bei internen Veranstaltungen, Dienstreisen und externen Dienstleistern. 2025 hatte Lapp bereits die Weihnachtsfeier aus Kostengründen gestrichen.

In der Region Stuttgart hat Lapp rund 1400 Mitarbeitende, weltweit sind es rund 5700 Beschäftigte. Die Zahl sei in Deutschland stabil.

Vorstand der Lapp-Gruppe: Jan Ciliax (Finanzen), Firmenchef Matthias Lapp (Zweiter von links), Hubertus Breier (Technologie) und Christoph Hiller (Vertrieb) Foto: Lapp

Kritik übte der Lapp-Chef an der Bundesregierung und forderte sie zu schnellerem Handeln auf. „Die Reformen der Bundesregierung blieben bisher hinter den Erwartungen zurück“, sagte Lapp. „Jetzt gilt es, parteipolitische Individualinteressen beiseitezulegen und Ergebnisse zu liefern. Vor uns liegen Jahre der Transformation, für die es Pragmatismus, Innovationsoffenheit und Mut braucht.“

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2024/2025, das am 30. September endete, konnte Lapp den Umsatz um rund sechs Prozent auf 1,93 Milliarden Euro steigern und damit den Umsatzrückgang des Vorjahres ausgleichen. Gut lief es vor allem in Branchen wie Intralogistik, Batteriespeicher, Infrastruktur und der Lebensmittelproduktion. In Europa und Deutschland blieben die Rahmenbedingungen aber herausfordernd, teilte der Mittelständler mit und begründete dies mit steigenden Kosten und Bürokratieaufwand bei gleichzeitig weiterhin schwacher Konjunktur. „Wir werden mit wachsamem Auge agieren und insbesondere in Deutschland Kosten, Prozesse und Strukturen optimieren“, sagte Lapp-Chef Matthias Lapp.

Gut lief es in Asien und Amerika, wo Lapp zweistellige Zuwächse verzeichnete. Die Zukäufe in China und Brasilien zahlten sich aus, denn dadurch konnten die Stuttgarter ihre Marktposition in Asien und Südamerika festigen. Im chinesischen Dongguan City in der Nähe von Shenzhen hat Lapp 2025 einen Spezialisten für Rundsteckverbinder übernommen, im brasilianischen São Paulo ein Unternehmen für Verbindungstechnik. Eine konsequente Internationalisierung mache Lapp unabhängiger von lokalen ökonomischen Entwicklungen, man entwickele, produziere und verkaufe dort, wo die Kunden seien, sagte der Lapp-Chef.

Europa macht weiterhin den größten Anteil am Gesamtumsatz aus, hier wuchs Lapp im „unteren einstelligen Bereich“. „Doch zufrieden sind wir damit nicht, insbesondere mit unser Profitabilität“, sagte Matthias Lapp. Künftig will sich das Unternehmen noch stärker als Lösungsanbieter aus einer Hand profilieren, denn im zukunftsträchtigen Harnessing-Geschäft – also dem Verkauf von Ingenieursleistungen und individuell gefertigten Kabellösungen – sieht Lapp einen Lichtblick in Europa.

Im vergangenen Jahr hat das Familienunternehmen rund 56 Millionen Euro (Vorjahr: 66 Millionen Euro) in Lieferketten und neue Technologien investiert. In Indien (Dharuhea) etwa wurde ein neues Werk für Verbindungszubehör eröffnet, in Werken in China (Shanghai) und den USA (New Jersey) die Produktion erweitert.

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