Kaufhof im Visier Einzug erst 2034: OB Nopper deutet Ende für Büro-Projekt am Bahnhof an

Modernes Verwaltungszentrum statt Kaufhaus: so stellt sich das die Rathausspitze vor. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

1200 Verwaltungsangestellte können wohl schneller im Kaufhof-Gebäude unterkommen. Dort ist aber das Haus der Kulturen vorgesehen. OB und Personalrat informieren die Belegschaft.

Der Stuttgarter Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) hat mit dem Vorsitzenden des Gesamtpersonalrats, Tomas Brause, in einem Rundschreiben an die Belegschaft bestätigt, was man sich bisher im Rathaus nur hinter vorgehaltener Hand erzählt hat. „Nach dem Stand der Dinge“ sei ein Standortwechsel notwendig, um das Projekt Front Office Hub für 1200 Beschäftigte „möglichst zeitnah zu realisieren“. Dabei handelt es sich um ein laut Stadt „modernes, bürger- und mitarbeiterfreundliches Verwaltungszentrum“, das die Raumnot beseitigen soll. Ein Betriebsrestaurant und eine Kita waren vorgesehen, auch Personalwohnungen sollten geschaffen werden.

 

Galeria-Kaufhof-Gebäude im Blick

Nopper ist nun nicht mehr nur intern auf Distanz zum Vorhaben gegangen, das Grundstück an der alten Bahndirektion (Ecke Jäger-/Heilbronner Straße) in bester Innenstadtlage zu erwerben und zu bebauen. Mit Brause hat er gleichzeitig angekündigt, nun den Blick auf innerstädtische Areale zu richten, die im Eigentum der Stadt seien und auf denen eine schnelle Realisierung möglich sei. Hierzu gehöre etwa auch das vormalige Galeria-Kaufhof-Areal an der Ecke Stein-/Eberhardstraße.

Viel zu lange Bauzeit vermutet

Das bisherige Projekt am Kurt-Georg-Kiesinger-Platz sah die Sanierung und den Umbau der sechsstöckigen Bahndirektion (8000 Quadratmeter Nutzfläche) vor. An der Heilbronner Straße war ein Neubau mit sechs bis zehn Etagen (14 500 Quadratmeter) geplant. Ein zweiter Neubau mit sieben Geschossen war an der Jägerstraße vorgesehen (11 500 Quadratmeter). Optional hätte ein Wohn- und Geschäftsgebäude realisiert werden (13 500 Quadratmeter) können.

Für dieses Projekt haben Rathausspitze und die P + B Group, Eigentümerin des Areals zwischen der Heilbronner Straße, Kriegsberg-, Ossietzky- und Jägerstraße, eine Absichtserklärung unterschreiben. Der „Front Office Hub“ sollte wegen akuten Mangels an Büroflächen ein Befreiungsschlag sein. Seit 2022 befanden sich das Liegenschaftsamt und die Eigentümerin in Verkaufsverhandlungen, ursprünglich war ein Bezug 2026/2027 vorgesehen. Dieser Zeitplan hat sich laut dem Rundschreiben aber „durch neue Entwicklungen völlig überholt“.

Stuttgart 21 als Hemmnis

Mittlerweile müsse sogar geprüft werden, ob ein „eisenbahnrechtliches Planfeststellungsänderungsverfahren“ für die Genehmigungsfähigkeit des Projekts erforderlich sei, das teils auf S-21-Tunnels realisiert werden sollte. Sofern dies der Fall sein sollte, könnten die Ämter mit Bürgerkontakt frühestens 2034 einziehen. Deshalb werde nun nach Alternativen geschaut.

Neben dem Kaufhofgebäude ist auch das dazugehörige Parkhaus in der Steinstraße sowie ein bisher für Interimsnutzungen vorgehaltenes Gebäude in der Schmale Straße im Fokus. Allerdings beschloss eine Gemeinderatsmehrheit im vergangenen Jahr, im ehemaligen Kaufhaus das Haus der Kulturen einzurichten sowie Räume für die Freie Tanz- und Theaterszene unterzubringen. Es ist nicht zu erwarten, dass diese Entscheidung problemlos gekippt werden kann.

Treffpunkt Rotebühlplatz als Überlaufbecken

Am Ende dürfte der Rat aber doch den Interessen der städtischen Belegschaft nach modernen und attraktiven Arbeitsplätzen sowie die Forderungen der Bürger nach einem zentralen Serviceangebot Vorrang einräumen. Die kulturelle Nutzung müsste hintanstehen. Dies auch, weil dafür bereits Ersatz gefunden scheint: der Treffpunkt Rotebühlplatz. Dort könnte die Freie Tanz- und Theaterszene unterkommen und auch ein „Schaufenster der Bauinnovation“.

Bekanntlich sucht die Architektenkammer Baden-Württemberg seit Jahren einen öffentlichen Ort, an dem zukunftsfähige und innovative Architekturlösungen gezeigt und diskutiert werden können. Das gilt auch für ein „Haus des bürgerschaftlichen Engagements“ der Bürgerstiftung.

Alternative Allianz-Quartier

Der Treffpunkt Rotebühlplatz muss allerdings erst saniert werden. Das dauert mindestens fünf Jahre. Die dort heimische Volkshochschule und die Musikschule müssten weichen und würden wohl nicht mehr zurückkehren. Als Interimsstandort steht für sie das Uhland Carré, ehemaliger Standort der Allianz-Versicherung, zur Debatte. Deutlich früher erhalten die Beschäftigten des Stadtplanungsamts, des Sozialamts und der Ausländerbehörde neue Büros. Sie ziehen 2026 ins Bollwerk am Rotebühlplatz.

Die KfZ-Zulassungsstelle und die Führerscheinstelle eröffnen im nächsten Jahr im Löwentorbogen 11 in Bad Cannstatt. Das ist aber noch nicht fixiert. Dass die Ausländerbehörde nach Fertigstellung des Front Office Hub umziehen müsse, ist etwa am vergangenen Mittwoch im Internationalen Ausschuss auf völliges Unverständnis gestoßen.

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