In Stuttgart-Mitte gibt es den Wunsch, das Schwallbauwerk der Bahn innovativ zu begrünen. Allerdings ist dies nicht die einzige Idee für das Betongebilde an prominenter Stelle.
Als Frank Schweizer gesehen hat, dass das sogenannte Schwallbauwerk an der Willy-Brandt-Straße eingerüstet ist, schrillten bei ihm die Alarmglocken. „Ich will nicht sagen, dass ich panisch bin, aber ich bin besorgt“, sagt der Stuttgarter, der unter anderem beim Verein Casa Schützenplatz im Kernerviertel aktiv ist. Seine Sorge: dass an dem mehr als 15 Meter hohen Bauwerk, das im Zusammenhang mit Stuttgart 21 steht, Fakten geschaffen werden. Und dass die Idee, die für den Betonklotz vorliegt, vom Tisch ist. Deshalb sammeln die Kernerviertler jetzt Unterschriften, sagt er.
Eine Funktion des Schwallbauwerks, das seit etwas mehr als zwei Jahren an der Willy-Brandt-Straße steht: Es soll – wenn Stuttgart 21 in Betrieb ist – schwallartig Luft ableiten, die Züge in den darunter liegenden Tunneln vor sich herschieben.
Hauptwunsch für den Haushalt
Die Vision, für die Frank Schweizer nun Unterschriften sammelt, ist eine innovative Begrünung. „Wir wollen eine grüne Wand, die atmet und die Kühle bringt“, sagt er. Statt eines Betongebildes, das Hitze speichert und an die Umgebung abstrahlt. Mit dem Wunsch ist er nicht allein.
Der Bezirksbeirat Mitte hatte sich im Mai 2025 einstimmig für ein begrüntes Schwallbauwerk ausgesprochen. „Es war der Hauptwunsch des Bezirksbeirats für den Doppelhaushalt“, sagt Veronika Kienzle, die Bezirksvorsteherin von Stuttgart-Mitte.
Alexander Bieß, ein Forscher an der Hochschule Anhalt, hatte im September 2025 ein Konzept im Bezirksbeirat vorgestellt. Der Kontakt zu dem Experten für Fassadenbegrünung war über einen privaten Kanal von Frank Schweizer zustandegekommen. „Ich finde das Projekt extrem spannend“, sagt Bieß.
Ende 2025 hatte er seine ersten Überlegungen im Bezirksbeirat, aber auch beim Bundesverband für Gebäudebegrünung in Stuttgart vorgestellt. Bieß stellt sich eine Fassadenbegrünung auf der Basis von Moos-Substrat vor. Es brauche zunächst eine Machbarkeitsstudie, „wir würden das Projektmanagement und das Fördermittelmanagement übernehmen“, sagt er. „Es gibt da genügend Töpfe“.
Jeroo hat ein Wandbild entworfen
Nun ist es so, dass es eine konkurrierende Idee gibt. Der Stuttgarter Street-Art-Künstler Jeroo alias Christoph Ganter hat ein Wandbild fürs Schwallbauwerk entworfen. Darauf zu sehen: Pferde, die aus der Wand galoppieren. „Das Motiv soll die wirtschaftliche Power der Region repräsentieren und ein positives Zeichen setzen“, sagt er. Allerdings: „Ich fürchte, die Idee liegt auf Eis.“ Er habe in der Sache schon länger nichts mehr gehört.
Veronika Kienzle sagt, sie finde die Arbeiten von Jeroo nicht schlecht. Für das Schwallbauwerk, das sie „Betonkiste“ nennt, brauche es aber etwas anderes. „Wir müssen jetzt in der Innenstadt wirklich etwas für Klima tun.“ Dass dem deutlichen Wunsch des Bezirksbeirats kein Gehör geschenkt werde, enttäusche sie. „Wir haben alles gegeben.“
Die Stadt gibt sich in der Frage, was gestalterisch aus dem Schwallbauwerk wird, auf Anfrage unserer Redaktion schmallippig. „Der Vorschlag für eine innovative Begrünung und deren Umsetzbarkeit wird von uns derzeit geprüft“, sagt David Rau, der Sprecher des OB Frank Nopper. „Deswegen können wir hierzu noch keine Aussage treffen.“
Federführend ist die Deutsche Bahn. „Eine Fassadengestaltung am Schwallbauwerk Süd, beispielsweise in Form einer Begrünung, halten wir grundsätzlich für möglich“, sagt ein Bahn-Sprecher. „Sie muss jedoch die Erfordernisse für Betrieb, Wartung und Instandhaltung des Schwallbauwerks nachweislich dauerhaft erfüllen.“ Man befinde sich dazu „in fortlaufenden Abstimmungen“ mit Stadt und Land.
Und warum das Gerüst, das Frank Schweizer zwar nicht in Panik, wohl aber in Sorge versetzt hat? „Das Schwallbauwerk Süd ist im Rohbau fertiggestellt“, so der Bahn-Sprecher. „Derzeit erfolgt dessen Ausbau verbunden mit dem Einbau der technischen Gebäudeausstattung.“