Krankenhaus Leonberg Große Kritik an Aus für Geburtshilfe: „Mütter sind überrascht und verunsichert“

Ein Bild aus besseren Zeiten: Die frühere Chefärztin Monica Diac (links) bespricht sich mit Hebammen in Leonberg. Foto: Archiv

Die Schließung des hebammengeführten Kreißsaals in Leonberg stößt bei der CDU-Frauen-Union auf großes Unverständnis. Sie befürchtet Auswirkungen auf den gesamten Klinikverbund.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

„Tief betroffen“ zeigt sich die Frauen-Union in Leonberg und im Kreis Böblingen über die kurzfristige und unerwartete frühe Schließung der Geburtshilfe im Krankenhaus Leonberg.

 

„Die Einrichtung galt im Landkreis als einzigartig: Der hebammengeführte Kreißsaal in Leonberg stand für eine besonders persönliche, natürliche und selbstbestimmte Geburtshilfe“, erklären die Kreisvorsitzende der Frauen-Union, Regina Dvorak‑Vucetic, und die Leonberger Stadtverbandsvorsitzende Jessica Kläber. „Familien schätzten die enge Begleitung durch erfahrene Hebammen sowie die familiäre Atmosphäre, ein Modell, das weit über die Region hinaus Anerkennung gefunden hat.“

Trotz eines rückläufigen Trends bei den Geburtenzahlen „blieb die Abteilung ein wichtiger Bestandteil der wohnortnahen Versorgung im westlichen Landkreis“, erklären die beiden Vertreterinnen der CDU-Frauen-Organisation. „Fachleute sehen die Ursachen für den Rückgang weniger in fehlender Nachfrage, sondern in strukturellen Anpassungen, Personalmangel und organisatorischen Veränderungen innerhalb des Klinikverbunds.“

Die Zahl der Geburten in Leonberg – höher als angegeben?

Der Landrat Roland Bernhard, der dem Aufsichtsrat des Klinikverbundes vorsitzt, hatte am 25. Februar das überraschende Aus für die Geburtshilfe auf Ende März unter anderem damit begründet, dass dort im vergangenen Jahr lediglich 457 Babys auf die Welt gekommen seien. Diese Zahl läge unter „der allgemein anerkannten Schwelle“ von 500, die „einen Qualitätsindikator“ markiere, weil „höhere Fallzahlen mit einer höheren Routine und Sicherheit gleichgesetzt werden“, wie Bernhard und Alexander Schmidtke, der Chef des Klinikverbundes, betonten.

Die Leonberger Frauen-Union-Chefin Jessica Kläber kritisiert das frühe Aus für die Geburtshilfe in Leonberg. Foto: Caroline Talmon-Gros/privat

Vom 1. April an soll es Geburten im Landkreis Böblingen nur noch in der Böblinger Geburtshilfe geben. In Fachkreisen wird indes erwartet, dass sich viele Mütter aus der Raumschaft Leonberg nach Stuttgart orientieren werden. Unabhängig davon ist aus Klinikkreisen zu hören, dass 2025 – entgegen der offiziellen Zahl – in Leonberg mehr als 470 Kinder auf die Welt gekommen wären. Auch aktuell steige die Zahl der Geburten.

Die Frauen-Organisation sieht die künftige Versorgung werdender Mütter sehr kritisch: „Die Schließung in Leonberg wirft zwangsläufig Fragen nach der finanziellen Tragfähigkeit und der personellen Ausstattung des Klinikverbunds auf“, sagt Regina Dvorak‑Vucetic. „Wenn Böblingen zusätzliche Geburten übernehmen soll, braucht es dafür ausreichend finanzielle Mittel und vor allem genügend qualifizierte Hebammen und Pflegepersonal. Eine sichere Geburtshilfe darf nicht an Ressourcen scheitern, hier sind Planungssicherheit und klare Verantwortung gefragt.“

Die Kreis‑Frauen-Union weist darauf hin, dass eine Standortschließung stets Folgen für den gesamten Klinikverbund und die regionale Gesundheitsversorgung habe. Neben organisatorischen Fragen gehe es dabei vor allem um die Sicherstellung einer modernen, wohnortnahen Geburtshilfe, die auch künftig allen Familien im Landkreis offenstehen müsse.

Gespräch über Möglichkeiten für werdende Mütter erst nach der Wahl

„Die plötzliche Schließung hat viele Betroffene überrascht und verunsichert. Werdende Mütter hatten sich bewusst für Leonberg entschieden, für eine verlässliche, umfassende Betreuung von Hebammen in vertrauter Umgebung und nach einem besonderen Konzept“, erklärt Jessica Kläber, die Chefin der Frauen-Union in Leonberg. „Jetzt gilt es, zügig Alternativen zu schaffen, die dieses Maß an Qualität und Geborgenheit auch künftig gewährleisten.“

Darüber will die Frauen-Union nun zeitnah mit den Verantwortlichen diskutieren. Damit das Thema nicht in den Landtagswahlkampf gerät, wollen beide CDU-Frauen, die in Wahlkreisen Böblingen und Leonberg als Kandidatinnen nominiert sind, das Gespräch aber erst nach dem Wahltag am 8. März suchen.

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