Landtagswahl in Thüringen Björn Höckes stilloser Angriff auf Stihl
Der Thüringer AfD-Chef wünscht dem Motorsägenhersteller aus Waiblingen und anderen Mittelständlern wirtschaftliche Probleme an den Hals – weil sie nicht „die Klappe halten“.
Der Thüringer AfD-Chef wünscht dem Motorsägenhersteller aus Waiblingen und anderen Mittelständlern wirtschaftliche Probleme an den Hals – weil sie nicht „die Klappe halten“.
Bevor sich Thüringens AfD-Vormann Björn Höcke – angeblich aus „gesundheitlichen Gründen“, wie es heißt – am Mittwoch offiziell aus dem Landtagswahlkampf verabschiedet hat, hat er auf dem Markt in Sömmerda noch einmal die rhetorische Kettensäge angeworfen. Was sich deutsche Familienunternehmen gerade leisteten, sei „pure Heuchelei“, erregte sich Höcke. In einem im Internet verbreiteten Video ist zu hören, wie er namentlich die Firma Stihl attackiert. Vor einem halben Jahr habe er eine Kettensäge des Herstellers gekauft, „aber das würde ich heute auch nicht mehr tun“, sagte Höcke.
Es ist nicht etwa Unzufriedenheit mit dem Produkt, das ihn zu diesem Bekenntnis gebracht hat. Was Höcke ärgert, ist die Beteiligung des in Waiblingen ansässigen Weltmarktführers für Motorsägen an der Kampagne „Made in Germany – made by Vielfalt“. Unter der Regie der Firma Vorwerk, bekannt durch Staubsauger und Küchenmaschinen, sprechen sich dabei 40 große deutsche Familienunternehmen vor den Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen für mehr Offenheit und Toleranz in der Gesellschaft aus.
An der „Made by Vielfalt“-Aktion beteiligen sich aus Baden-Württemberg auch Trigema aus Burladingen, die Stuttgarter Klett-Gruppe und neben Stihl beispielsweise auch der Dübelhersteller Fischer.
Die AfD wird in der Kampagne nicht ausdrücklich erwähnt, aber Höcke fühlt sich offenbar nicht zu Unrecht angesprochen. Statt Arbeitsplätze ins Ausland zu verlegen, sollten die Unternehmen den Standort in Deutschland sichern und „die Klappe halten“, wenn es um Politik gehe, rief Höcke. Was er dann noch sagte, lässt erkennen, wie wichtig ihm der Standort Deutschland wirklich ist: „Ich hoffe, dass diese Unternehmen in schwere, schwere wirtschaftliche Turbulenzen geraten.“
Die Firma Stihl unterstrich auf Anfrage unserer Zeitung ihre Beteiligung an der Kampagne. Allein im Stammhaus beschäftige man Mitarbeiter aus 50 Nationen und verurteile „aufs Schärfste jegliche Formen von politischem Extremismus, Rassismus und Antisemitismus“. Das Unternehmen begrüße „es ausdrücklich, dass sich immer mehr Bürgerinnen und Bürger sowie Organisationen gegen diese Form der Politik und Demagogie aussprechen“, sagte Philipp Kreil, zuständig für die Kommunikation des Unternehmensbeirats. Investitionen im Ausland dienten immer dem Ziel, indirekt auch die Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern. Ansonsten bitte er um Verständnis, dass man man sich nicht zu derartigen Kommentaren äußern wolle. Das sei nicht der Stil von Stihl.
Vor der Europawahl hatte schon Reinhold Würth, Chef des Künzelsauer Schraubenherstellers, vor der AfD gewarnt.
Auch wenn Höcke in Sömmerda „noch nicht zum Boykott“ aufrufen wollte: für AfD-Anhänger könnten parteikonforme Baumarktbesuche schwierig werden.