Letzte Gleise bei Stuttgart 21 verlegt „Das wird einer der schönsten Bahnhöfe der Welt – oder zumindest der spektakulärste“

Heiße Angelegenheit: Die letzten Schienenstücke im Bahnhof von Stuttgart 21 werden verschweißt. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Die Deutsche Bahn zeigt sich optimistisch, den Zeitplan für Stuttgart 21 einzuhalten. Der letzte Schienenschluss ist erfolgt, doch es bleibt viel zu tun bis zur Eröffnung 2026.

Stadtentwicklung/Infrastruktur : Christian Milankovic (mil)

Die Deutsche Bahn ist – so deutlich wie selten zuvor – zuversichtlich, den aktuell geltenden Zeitplan für Stuttgart 21 einzuhalten. Der Grund für den Optimismus: am Dienstag sind die letzten Meter Gleise verschweißt worden. Für den S-21-Chef Olaf Drescher war das „ein ganz großer Moment“.

 

Beim letzten Schienenschluss lodern die Flammen

Am Ende des Gleisbaus von Stuttgart 21 geht es noch mal heiß zu: auf gut 1000 Grad müssen die beiden Schienenenden erhitzt werden, ehe geschmolzenes Material aus einem Kübel und allerlei Flammenentwicklung in die Lücke zwischen den beiden Stahlstücken fließen.

Der Vorgang hat sich in den vergangenen Jahren auf der Stuttgart-21-Baustelle zig Mal wiederholt, seit die Gleisbauer im Oktober 2021 ihre Arbeit im neuen Schienenknoten der Landeshauptstadt aufgenommen haben. Der Startschuss fiel damals im Tunnel Feuerbach. Der Abschluss hat nun im Durchgangsbahnhof stattgefunden. „Ich bin jetzt seit 48 Jahren Eisenbahner, aber das ist ein ganz besonderes Ereignis“, so Drescher. Etwas mehr als 100 Kilometer Gleise sind nun im Tunnelgewirr von Stuttgart 21 im Talkessel, an den vier Bahnsteigen des Durchgangsbahnhofs sowie entlang der Autobahn 8 auf den Fildern verlegt. Dort steht auch schon die Oberleitung unter Spannung.

S-21-Chef sieht noch „Herkulesaufgaben“

Beim künftigen Gleis 5 des Durchgangsbahnhofs haben die Spezialisten der Gleisbaufirma vor zahlreichen Medienvertretern den letzten Schienenschluss hergestellt. Damit liegen laut Drescher alle Gleise zwischen Feuerbach, wo die neue Stuttgart-21-Infrastruktur im Norden beginnt, und Wendlingen (Landkreis Esslingen), wo sie in die bereits seit 2022 in Betrieb befindliche Neubaustrecke mach Ulm übergeht. „Wir können nun aus allen Richtungen auf alle acht Gleise des Bahnhofs fahren“, sagte Drescher.

Trotz des wichtigen Etappenziels bleibe noch viel zu tun. Drescher sprach von „Herkulesaufgaben“, deren Bewältigung den Bahnfahrgästen nicht verborgen bleiben werde. Man nehme einen alten Bahnhof komplett außer Betrieb und müsse an zahlreichen Stellen in der Stadt die bisherige mit der künftigen Infrastruktur verbinden. Immer wieder wird es deswegen in den kommenden Monaten zu Streckensperrungen kommen, müssen Fahrgäste statt in den Zug in den Ersatzbus steigen. Der Regionalverband, der als Organisator des S-Bahnbetriebs besonders unter den Eingriffen ins Schienennetz leidet, hatte zuletzt angemahnt, dass sich die Bahn mehr ins Abfedern der Härten für die Fahrgäste einbringen soll.

Eröffnungstermin sorgt für Druck

Ob Drescher diese Wortmeldung im Ohr hatte als er am Dienstag auf der Bahnhofsbaustelle laut darüber nachdachte, dass die „wohlwollende Mitwirkung unserer Stakeholder nicht immer so unvoreingenommen vorhanden war“? Der näher rückende Eröffnungstermin im Dezember 2026, den die Bahn nach häufigen Verschiebungen in den vergangenen Jahren einhalten will, sorgt für Anspannung bei Planern, Projektpartnern und Arbeitern auf den Baustellen.

Drescher ist sich sicher, dass sich die Bahn an den selbst gesteckten Zeitplan halten wird. „Wir sind im Endspurt, der darauf abzielt, dass wir im Dezember 2026 die feierliche Eröffnung begehen können“, sagt er.

Deswegen wird an vielen verschiedenen Stellen im Bahnhof parallel gearbeitet. An einigen Stellen hängt die Halterung der Oberleitung vom geschwungenen Dach der Bahnsteighalle herunter. Auf einem Gleis ist ein Zug abgestellt, auf dessen Güterwaggons Treppen und Rolltreppen auf ihren Einbau warten. Auf den Stegen, von denen aus Fahrgäste zu den Gleisen gelangen, wird am Bodenbelag gearbeitet, und an einigen Bahnsteigen sind die Bahnsteigkanten montiert.

S-21-Chef kündigt ausgiebige Testfahrten an

Ende des Jahres, so kündigt es Drescher an, werde auch die Oberleitung im Bahnhof unter Strom stehen, und erste Testzüge können das Bauwerk passieren – gelotst von der digitalen Sicherungstechnik ETCS, deren Einbau in einem Schienenknoten dieser Größenordnung der Bahn zuletzt reichlich Kopfzerbrechen bereitet hat. Das erste Halbjahr 2026 soll im Zeichen von „ausgiebigen Versuchsfahrten“ stehen, wie Drescher sagt. Es gelte zum einen zu prüfen, wie die umgerüsteten Fahrzeuge mit der neuen Technik zurechtkommen, und zum anderen müssten sich die Lokführer mit den neuen Gegebenheiten vertraut machen.

Drescher ist überzeugt, dass das klappt und sich der Aufwand am Ende auch als gerechtfertigt erweist. „Ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster wenn ich sage: Das wird einer der schönsten Bahnhöfe der Welt – oder zumindest der spektakulärste.“

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