Marode Brücken Einsturz-Panik hilft nicht weiter

Das Bild der Carola-Brücke in Dresden hat mehr bewirkt als Dutzende von Studien. Foto: Robert Michael/dpa/Robert Michael

Endlich bekommen marode Brücken genügend Aufmerksamkeit – doch schnelle Lösungen gibt es nicht, sagt unser Autor.

Stadtentwicklung & Infrastruktur: Andreas Geldner (age)

Was doch Bilder für einen Unterschied machen. Es hat in Dresden erst eine Brücke einstürzen müssen, bevor ein drängendes Infrastrukturproblem in Deutschland genügend Aufmerksamkeit bekommen hat. Und so hat es jetzt die sonst nur Spezialisten bekannte „Bundesgütegemeinschaft für die Instandsetzung von Betonbauwerken“ geschafft, ein paar Schlagzeilen zu machen. Allein an den Autobahnen in Baden-Württemberg sind laut ihrer Daten 16 Brücken akut sanierungsbedürftig, darunter so spektakuläre Bauten wie Deutschlands höchste Autobahnbrücke an der A 6 über das Kochertal. Noch eine andere Zahl macht die ganze Dimension des Problems deutlich: Insgesamt gibt es laut Bundesanstalt für Straßenwesen 5952 Straßenbrücken im Südwesten, die alle in Schuss bleiben müssen.

 

Brückensanierung braucht langen Atem

Brückensanierung ist deshalb nichts für Panik und Aktionismus. Finanzmittel dürften hier eben nicht nur im Rhythmus der staatlichen Haushaltsplanung reserviert werden, sondern über Jahrzehnte. Sie müssten in einem Infrastrukturfonds gebunden sein, der sich dem Auf und Ab der Kassenlage entzieht, und bei dem der langfristige Sanierungsbedarf schon eingepreist ist.

Nur die aktuellen staatlichen Sanierungsetats massiv aufzustocken, hilft nichts. Brückensanierung ist ein hoch spezialisiertes Geschäft, für das die Baufirmen die nötigen Maschinen und Spezialisten nicht aus dem Ärmel schütteln können. Auch die staatlichen Ämter haben oft nicht das Personal, um schnell voranzuschreiten, da kann noch so viel Geld aktuell im Haushalt stehen. Jetzt Strukturreformen bei der Infrastrukturfinanzierung anpacken – das ist der einzige Weg, der nachhaltig Erfolg verspricht.

Weitere Themen