Insgesamt 500 Milliarden Euro umfasst das vom Bund bereit gestellte Sondervermögen für die Infrastruktur. Das ist auch bitter nötig. Allein in Baden-Württemberg rechnet die Straßenbauverwaltung mit einem Sanierungsbedarf an Brücken und Landstraßen von rund 1,8 Milliarden Euro. Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Bündnis 90/Grüne) hat ein Brückenerhaltungsprogramm ins Leben gerufen. In einer erste Stufe sollen bis 2030 landesweit rund 180 Bauwerke in Stand gesetzt werden – davon alleine 60 im Regierungsbezirk Stuttgart. Genau das ruft den Regionalverband auf den Plan. Er befürchtet, dass die Bauoffensive zusammen mit den nach wie vor nötigen Sperrungen im öffentlichen Nahverkehr in Zuge von Stuttgart 21 einen Verkehrskollaps verursacht.
Brückensanierungen sollen ab 2026 beginnen
Am Sanierungsprogramm für die Brücken im Land führe kein Weg vorbei, deren Zustand der Brücken habe sich in den vergangenen 15 Jahren kontinuierlich verschlechtert, heiß es im Verkehrsausschuss der Region. Neben der ersten Sanierungsphase von 2025 bis 2030, stehen in einem zweiten Zeitraum von 2031 bis 2036 weitere rund 450 Brücken auf der Agenda. In einer ersten Maßnahme sollen für rund 150 Millionen Euro 31 Bauwerke kurzfristig in Stand gesetzt werden, davon 15 im Regierungsbezirk Stuttgart. Darunter auch die B-10-Brücke in Stammheim, die B-27-Brücke in Zuffenhausen oder die Körschtalbrücken der B27 in Möhringen.
Zwar soll der Schwerpunkt der Brückensanierung erst von 2028 an beginnen, aber auch davor wird es bereits größere Brückenbaustellen geben. Unter anderem finden von Montag, 17. bis Freitag, 21. November, Probebohrungen für den geplanten Neubau der Körschtalbrücken in Möhringen statt. Der Verkehr sei dabei laut RP aber nicht betroffen.
Das absehbare Bauprogramm lässt bei den Regionalräten die Alarmglocken schrillen. Im Ausschuss verwiesen sie auf die zahlreichen Baustellen, die bereits heute die Pendler auf der Schiene ausbremsen. Zwar soll der neue Tiefbahnhof für Stuttgart 21 Ende 2026 teilweise in Betrieb gehen. Doch auch im Anschluss daran sind für den Ausbau der digitalen Leit- und Sicherheitstechnik weitere Sperrungen im S-Bahn-Netz Stuttgart nötig. Besonders problematisch sei, wenn „beide Fortbewegungsmöglichkeiten nicht richtig funktionieren“, warnte Frank Buß (Freie Wähler). Ein verlässliches Angebot des öffentlichen Nahverkehrs müsse daher gewährleistet sein. Deshalb sei eine klare Absprache der Straßenbaubehörden mir der Deutschen Bahn zwingend erforderlich, ergänzte Elmar Steinbacher (CDU). „Es bringt nichts wenn die Busse des Schienenersatzverkehrs im Stau stecken“. Es sei dann lediglich eine Frage der Zeit, bis der gesamte Verkehr rund um Stuttgart zusammenbreche.
Pendler aus dem Rems-Murr-Kreis bereits jetzt betroffen
Bereits jetzt sieht Thomas Leipnitz (SPD) erste Versäumnisse. Er befürchtet in den kommenden Wochen einen Verkehrskollaps durch Pendler aus dem Rems-Murr-Kreis. Denn vom 1. bis 21. Dezember ist die S-Bahn-Strecke zwischen Waiblingen und Bad Cannstatt gesperrt, gleichzeitig beginnen die Vorarbeiten für die Sanierung des Abwasserkanals unter der B14 zwischen Mineralbädern und Neckartor. „Es bleibt abzuwarten, wie die Menschen noch nach Stuttgart kommen sollen“, sagt der Regionalrat.