In den Medien wird aktuell über eine Anhebung der Mehrwertsteuer diskutiert. Doch welche Folgen hätte so eine Erhöhung?
Im aktuellen politischen Diskurs steht wieder einmal die Frage im Raum, wie die Bundesregierung ein drohendes Haushaltsdefizit in Milliardenhöhe stopfen kann. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, äußerte gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, er rechne damit, dass Union und SPD sich aus politischer Bequemlichkeit auf eine Erhöhung der Mehrwertsteuer von derzeit 19 auf 21 Prozent verständigen könnten. Das würde nach seinen Berechnungen Mehreinnahmen von rund 30 Milliarden Euro bringen.
Was konkret teurer würde
Der reguläre Mehrwertsteuersatz gilt für den Großteil der Waren und Dienstleistungen. Eine Erhöhung auf 21 Prozent würde unter anderem betreffen:
- Kleidung, Elektronik, Möbel
- Haushaltsgeräte
- Handwerkerleistungen
- Friseur- und andere Dienstleistungen
- viele Freizeit- und Kulturangebote
- Restaurantbesuche (sofern nicht ermäßigt besteuert)
Nicht betroffen wären steuerbefreite Leistungen wie Kaltmieten oder bestimmte Gesundheitsdienstleistungen. Für viele Güter des Grundbedarfs – etwa zahlreiche Lebensmittel – gilt der ermäßigte Satz von 7 Prozent.
Rückblick: Wie wirkte sich die letzte große Erhöhung aus?
Zum 1. Januar 2007 wurde der reguläre Mehrwertsteuersatz von 16 auf 19 Prozent angehoben. Das Statistische Bundesamt untersuchte damals modellhaft die Auswirkungen auf private Haushalte.
Das Ergebnis: Bei vollständiger Weitergabe der Steuer an die Verbraucher ergab sich eine durchschnittliche Mehrbelastung von rund 32 Euro pro Monat je Haushalt. Das entsprach etwa 1,5 Prozent der gesamten Konsumausgaben.
Die Belastung war allerdings sehr unterschiedlich verteilt:
- In der niedrigsten Einkommensklasse lag die zusätzliche monatliche Belastung bei rund 9 Euro.
- In der höchsten Einkommensklasse bei rund 64 Euro.
Prozentual zeigte sich jedoch ein sozialer Effekt: Bezogen auf das verfügbare Einkommen war die relative Mehrbelastung bei niedrigen Einkommen höher als bei hohen. Zudem stellte das Statistische Bundesamt fest, dass die Mehrbelastung individuell unterschiedlich ausfiel. Und zwar je nachdem, wofür die Haushalte ihr Geld ausgaben. Je höher die Ausgaben für Konsumgüter, die von der Erhöhung betroffen waren, desto höher fiel die Mehrbelastung aus.
Was damals zusätzlich zu beobachten war
Neben der rechnerischen Mehrbelastung traten weitere Effekte auf:
- Vorzieheffekte: Größere Anschaffungen – etwa Autos oder Elektronik – wurden noch vor dem Stichtag getätigt.
- Preisdurchschlag: Viele Unternehmen gaben die Steuererhöhung weitgehend an Verbraucher weiter.
- Nachfragedämpfung im Anschluss: Nach dem Jahreswechsel kühlte sich der private Konsum zunächst ab.
Die Mehrwertsteuererhöhung 2007 fiel zudem in eine Phase konjunktureller Erholung, was die gesamtwirtschaftlichen Effekte abmilderte.
Was das für eine Erhöhung auf 21 Prozent bedeuten würde
Eine Anhebung von 19 auf 21 Prozent entspräche zwar „nur“ zwei Prozentpunkten – die Logik bliebe aber dieselbe:
- Breite Verteuerung regulär besteuerter Waren und Dienstleistungen
- Relativ stärkere Belastung einkommensschwächerer Haushalte
- Mögliche Kaufvorzieheffekte vor Inkrafttreten
- Risiko einer (temporären) Konsumdämpfung danach
Ob die Bundesregierung diesen Weg tatsächlich geht, ist offen. Klar ist: Eine Erhöhung auf 21 Prozent würde sich im Alltag bemerkbar machen – vor allem beim Konsum.