Michelin-Verleihung Zwei neue und gleichzeitig alte Sterne für die Region Stuttgart

Haben ihren neuen Stern verteidigt: Jörg und Andreas Scherle vom Hotel Zur Weinsteige (linkes Bild) sind im vergangenen Jahr aufgestiegen. Rolf Straubinger (mittleres Bild rechts) hat derweil an Markus Waibel übergeben. Im April übernahm der junge Küchenchef mit Dominik Holl das Fine Dining auf Burg Staufeneck. Moritz Feichtinger bestätigte den Stern für den Adler in Asperg. Foto: Lichtgut, Staufenpress, Simon Granville

Die Region Stuttgart geht bei der Michelin-Verleihung leer aus. Neue Restaurants gehören nicht zu den Aufsteigern, aber es gibt trotzdem ein positives Urteil.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)

Nach zwei erfolgreichen Jahren muss Stuttgart nun eine Pause einlegen: 2023 und 2024 hatte es jeweils einen neuen Stern für ein Restaurant in der Landeshauptstadt gegeben, dieses Jahr ging sie bei der Verleihung leer aus. Aber das Urteil der Tester fällt trotzdem positiv aus, denn alle bisher ausgezeichneten Lokale haben ihr hohes Niveau gehalten. Auch das Hotel zur Weinsteige bestätigte seinen Aufstieg zum Stern im vergangenen Jahr. „Wir freuen uns“, sagte Andreas Scherle über die erneute Verleihung des begehrten Symbols. „Wir haben die Qualität noch einmal gesteigert, um ihn zu halten“, erklärte er nach der Bekanntgabe am Dienstag. Immerhin in der Region gibt es in gewisser Weise zwei neue Sterne, die gleichzeitig allerdings alt sind – fürs Fine Dining RS auf Burg Staufeneck im Kreis Göppingen, wo ein Generationenwechsel stattgefunden hat, und für die Schwabenstube vom Hotel Adler in Asperg, wo der 27-Jährige Moritz Feichtinger am Tag der Michelin-Verleihung vor einem Jahr als neuer Küchenchef angetreten ist.

 

Erst asiatisch und dann krass französisch

Markus Waibel war „guter Dinge“, den Stern zu verteidigen, den Rolf Straubinger auf der Burg Staufeneck 32 Jahre lang gehalten hatte. Im April übernahm der 30-Jährige „mit seinem besten Kumpel“ Dominik Holl die Leitung des Gourmet-Lokals in dem alten Gemäuer, den Gästen tischten sie auch gleich ein neues Konzept auf. Sie „vereinen globale Einflüsse und moderne Cross-over-Techniken zu einem einzigartigen Erlebnis“. Im Menü spiegelt es sich in asiatisch inspirierten Gängen wie Taschenkrebs mit Shiso und Jalapeño wider, auf das „ein krass französischer Seehecht“ mit Perlgraupen, Erbsen und Vin Jaune folgt. „Wir freuen uns sehr“, sagte auch er, „das ist eine Bestätigung für das ganze Team“. Rolf Straubinger hat seine Nachfolger lange geprägt, Markus Waibel absolvierte schon seine Ausbildung bei ihm, Dominik Holl arbeitete mehrere Jahre in seiner Küche. Doch beide haben zusätzlich Erfahrungen in anderen, auch mit zwei Sternen gekürten Küchen gesammelt.

Hat seinen neu gewonnenen Stern auch im zweiten Jahr erhalten: Cédric Staudenmayer. Foto: Gottfried Stoppel

Mit acht Sterne-Restaurants ist Stuttgart in Baden-Württemberg nach wie vor spitze, obwohl Freiburg auf fünf aufgeholt hat. Stefan Gschwendtner bestätigte außerdem seine zwei Sterne für die Speisemeisterei, die er sich erstmals vor drei Jahren erkocht hatte. Deutschlandweit sind 47 Restaurants auf diesem Niveau. „Eine Küche voller Finesse“, wie die Beschreibung im Guide Michelin für einen Stern lautet, wird in Stuttgart weiterhin noch im Délice, bei Hupperts, im 5, im Zauberlehrling, im Hegel Eins und in der Wielandshöhe geboten. Patron Vincent Klink ist unter den Kollegen das Urgestein des Sternekochs, obwohl er diesen Begriff für Unsinn hält: 1978 erhielt er die Plakette erstmals im Postillon in Schwäbisch Gmünd, als sie eine Seltenheit war, laut Michelin bekam er sie 1993 für sein Stuttgarter Restaurant an der Alten Weinsteige wieder. Zusammengerechnet kommt er auf rund 45 Jahre Stern-Klasse.

Eine ähnlich beeindruckende Konstanz kann in der Region nur noch Franz Feckl vorweisen: Der Küchenchef und Inhaber vom gleichnamigen Landhaus in Ehningen hält den Stern seit fast 40 Jahren. Als zweite Gourmet-Adresse im Kreis Böblingen bleibt der Gasthof Krone in Waldenbuch in dem erlesenen Kreis. Im Kreis Ludwigsburg zählen nach wie vor die Brüder Maerz in Bietigheim und das Lamm in Rosswag zu den Auserwählten. Im Rems-Murr-Kreis hat Newcomer Cédric Staudenmayer seine Kochkunst den Michelin-Testern erneut bewiesen, Malathounis, Bachofer, Oettinger’s und Nico Burkhardt sind bei ihrem Stern geblieben. Im Kreis Göppingen hat Daniele Corona nun im fünften Jahr die Tester überzeugt: Das Schloss Filseck behält als eines von drei italienischen Restaurants in Deutschland seinen Stern. Gestrichen von der Liste wurde nur das Ritzi in Stuttgart, das jedoch bereits zur Michelin-Verleihung 2024 geschlossen war.

Das Schicksal der Köche

Dass das Christophorus im Porsche-Museum von Michelin nicht gewürdigt wurde, obwohl der neue Küchenchef Fabian Seher dort seit rund einem Jahr einige Gänge zugelegt hat, wird einige Stuttgarter Gourmets enttäuschen. Dafür könnte es im kommenden Jahr wieder spannend für Stuttgart und die Region werden. Ambitionierte Küchenchefs gibt es schließlich einige. „Wir wollen noch ein paar Punkte draufpacken“, sagte zum Beispiel Markus Waibel von der Burg Staufeneck über seine Pläne, „in unserem Alter will man eher mehr als weniger.“ Auch Patrick Schubert vom Alten Rathaus in Winnenden will seine Speisekarte stetig weiterentwickeln. „Ob es dafür in naher oder ferner Zukunft einen Stern gibt, entscheidet der Michelin“, fügt sich der 34-Jährige in das Schicksal der Köche.

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