Mittelfeldspieler des VfB Stuttgart Wie geht es mit Angelo Stiller weiter?
Der 24-Jährige hat im Finale des DFB-Pokals trotz Verletzung eine Schlüsselrolle gespielt – und nun soll er zur Nationalmannschaft fahren, um den nächsten Titel zu gewinnen.
Der 24-Jährige hat im Finale des DFB-Pokals trotz Verletzung eine Schlüsselrolle gespielt – und nun soll er zur Nationalmannschaft fahren, um den nächsten Titel zu gewinnen.
Der erste Weg führte zurück auf den Rasen. Angelo Stiller lief direkt zu seinem Mittelfeldpartner Atakan Karazor. Vergessen war der Schmerz im rechten Fuß, der ihn zur Auswechslung in der Schlussphase gezwungen hatte. Es zählte nur der Moment des Triumphs. Berlin, Samstagabend, 21.57 Uhr, Olympiastadion. Stiller und Karazor knieten auf dem Feld und umarmten sich. Die Doppelsechs des VfB Stuttgart hatte einmal mehr die Schaltzentrale im Spiel der Weiß-Roten gebildet, die eigene Elf zwischen Defensive und Offensive austariert und letztlich aus der Mitte heraus zum Gewinn des DFB-Pokals geführt.
4:2 gegen Arminia Bielefeld. So lautet das reine Ergebnis. Für Stiller bedeutet die Begegnung mit dem Drittligisten jedoch mehr. Er musste darum bangen, überhaupt am Ball sein zu können. Eine Bänderverletzung, die sich der 24-Jährige vor zwei Wochen durch ein Foul zugezogen hatte, machte ihm und allen rund um den Fußball-Bundesligisten zu schaffen. Stillers Leiden beschäftigte tagelang vielleicht nicht gleich die ganze Fußballnation, das Ländle aber doch. Dreimal Training reichten schließlich. Stiller biss auf die Zähne, und der Trainer vertraute ihm. Wie immer. „Er hat keinen Zweifel daran gelassen, dass er spielen wollte“, sagt Sebastian Hoeneß, „und ich war mir sicher, dass er ein gutes Spiel macht, wenn er aufläuft.“
Angesichts der Umstände und der Fallhöhe des Favoriten war es sogar eine sehr gute Leistung. Stiller bereitete das 1:0 durch Nick Woltemade vor, ebenso den Treffer von Deniz Undav zum 3:0. Mit feinem linkem Fuß. Gedankenschnell erfasste er die Situation, sah jeweils die offene Stelle in der Arminen-Abwehr und setzte die Stürmer gekonnt ein. Auch davor und danach spielte Stiller wie Stiller. „Ihn kann man immer anspielen, bei ihm ist der Ball in schwierigen Situationen gut aufgehoben, weil er sich auch von mehreren Gegnern nicht unter Druck setzen lässt“, sagt Karazor über den passsicheren Mann an seiner Seite.
Stiller, der mittlerweile zu den Großverdienern beim VfB gehört, macht seine Nebenleute und damit die Mannschaft besser. Um ihn herum soll sich das Stuttgarter Spiel weiterdrehen. Trotz diverser Interessenten, die es für den Nationalspieler gibt. Als Toni Kroos 2.0 wird er gerne bezeichnet. Vertreten durch die gleiche Spieleragentur (Sports 360/Volker Struth) wie der Titelsammler und frühere Weltklasse-Spieler. Ähnlich in der Spielanlage, aber sicher erst auf dem Weg, sich dauerhaft in der Spitzenkategorie der Strategen zu etablieren.
Dazu dient auch die Nationalmannschaft. Der Bundestrainer Julian Nagelsmann hat Stiller trotz der Probleme im Sprunggelenk für die Nations League (4. bis 8. Juni) nominiert. In der Gesamtbetrachtung um Gesundheit, Ehrgeiz und Bedeutung des VfB-Profis mit der Rückennummer sechs spielte auch die Berufung für das Finalturnier in München und Stuttgart eine Rolle. „Wir haben mehrfach besprochen, wie hoch die Gefahr ist, dass er sich noch schwerer verletzt. Wir haben auch darüber gesprochen, ob ihn die Verletzung behindern könnte, und am Ende haben wir eine Punktlandung mit dem Einsatz im Endspiel hingelegt“, sagt VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth.
Nun wird die Lage um den lädierten Fuß neu bewertet. Eine Prognose will vorerst aber selbst Stiller nicht abgeben. Fährt er am Freitag nach Herzogenaurach? „Das weiß ich nicht. Ich bin jetzt in Gedanken nicht bei der Nationalmannschaft. Ich will einfach feiern, und das reicht“, sagt Stiller. Über die Verletzung wollte er nach seinem ersten Titelgewinn mit dem VfB ohnehin nicht groß reden. Nur so viel: „Ab der 60. Minute, als es körperlich anstrengender wurde, habe ich es schon gemerkt. Ich wollte dann auch rechtzeitig raus, aber das ging nicht mehr.“
Bis zur 87. Minute hielt der Mittelfeldspieler durch, um anschließend in die Partynacht der Pokalsieger in einem Berliner Club zu starten. Stiller ging die feuchtfröhliche Angelegenheit in den Katakomben des Olympiastadions aus Spaß erst einmal mit einer Schwimmbrille an.