Nach Anzeige wegen Nötigung Polizei prüft Vorfall mit Hagels Wahlkampfbus

Viel unterwegs: Hagels Wahlkampfbus Foto: Screenshot Facebook/Manuel Hagel

Dichtes Auffahren und Lichthupe: ein Unternehmer fühlte sich auf der Autobahn vom Fahrzeug des CDU-Vormanns genötigt. Noch weiß die Polizei nicht, wer am Steuer saß.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Ein Vorfall mit dem Wahlkampf-Kleinbus des CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel auf der Autobahn A 8 beschäftigt die Polizei in Pforzheim. Nach einer online erstatteten Strafanzeige prüft sie den Anfangsverdacht der Nötigung im Straßenverkehr, wie ein Sprecher unserer Zeitung mitteilte. Der Geschädigte gebe an, das fragliche Fahrzeug sei „unter anderem dicht aufgefahren“. Bei den Ermittlungen der für die Autobahn zuständigen Gruppe der Verkehrspolizeidirektion gehe es insbesondere darum, wer das Fahrzeug gelenkt habe. Derzeit lasse sich noch nicht absehen, wann sie abgeschlossen würden und der Vorgang der Staatsanwaltschaft vorgelegt werde.

 

Der Anzeigeerstatter, ein Stuttgarter Unternehmer, war am 4. Februar auf der A 8 bei Pforzheim in Richtung Karlsruhe unterwegs. Im Baustellenbereich sei er mit dem erlaubten Höchsttempo auf der linken Spur gefahren und habe wegen des dichten Verkehrs nicht nach rechts wechseln können. Der mit Hagels Konterfei beklebte Kleinbus des CDU-Spitzenkandidaten – ein Mercedes-Van mit Reutlinger Kennzeichen – sei wiederholt bis auf weniger als ein Meter Abstand aufgefahren und habe ihn per Lichthupe zum Spurwechsel gedrängt. Er habe nicht erkennen können, wer am Steuer saß oder sich sonst noch in dem Fahrzeug befand.

Auf der Fahrt zu närrischer Auszeichnung?

Gegenüber der Polizei äußerte der Mann die Vermutung, dass sich das CDU-Fahrzeug an jenen Nachmittag auf dem Weg zum Europapark Rust befand. Dort erhielt Hagel abends einen Narrenorden, die „Goldene Schelle“. Ein Bekannter von ihm habe zufällig beobachtet, wie der CDU-Vormann etwa 40 Minuten vorher am Landtag in das Fahrzeug eingestiegen sei. Seine Anzeige erfolge nicht aus parteipolitischen Gründen, betonte der Unternehmer.

Eine Sprecherin der Landes-CDU ließ auf Anfrage offen, ob sich Hagel in dem Fahrzeug befunden habe. Man könne aber ausschließen, dass er es selbst gelenkt habe, hieß es später ergänzend. In den sozialen Medien verbreitet der Spitzenkandidat ein Kurzvideo, das ihn bei anderer Gelegenheit am Steuer des fraglichen Wagens zeigt. In der Regel dürfte er sich aber fahren lassen und die Zeit etwa zur Vorbereitung auf seine Termine nutzen. Auch die Frage, ob die CDU den Fahrer gegenüber der Polizei benannt hat oder benennen werde, ließ die Parteisprecherin unbeantwortet. „Die zuständigen Behörden gehen jedem Hinweis und jeder Anzeige sorgfältig nach“, erklärte sie nur. „Wir haben volles Vertrauen in die Arbeit der Polizei und unterstützen die üblichen Verfahren.“

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