Nach Bürgerentscheid Rückenwind für Esslinger Bücherei-Modernisierung

Die Esslinger Stadtbücherei wartet seit vielen Jahren auf eine Modernisierung – nun will die Stadt loslegen. Foto: Roberto Bulgrin

Nach dem Bürgerentscheid vom 8. März macht der Gemeinderat den Weg frei für eine „kleine, feine Sanierung“. Die Heugasse 11 ist vorerst nicht Teil der Planung.

Reporter: Alexander Maier (adi)

Seit den 90er-Jahren ist die Zukunft der Esslinger Stadtbücherei immer wieder ein Thema im Ratssaal. Diverse Konzepte wurden vorgelegt, um nach einiger Zeit wieder in der Schublade zu verschwinden. Nun will die Stadt Ernst machen mit der lange überfälligen Modernisierung. Nach dem klaren Bürgerentscheid vom März steht fest, dass die Stadtbücherei im Bebenhäuser Pfleghof bleiben und dort saniert werden soll. Der Gemeinderat hat jetzt den Weg freigemacht für die nächsten Schritte zu dem, was man im Rathaus als „kleine, feine Sanierung“ bezeichnet. Das Nachbarhaus Heugasse 11, das seit den 90er-Jahren als Erweiterungsfläche im Gespräch ist, ist vorerst nicht Teil der Überlegungen.

 

37 Sanierungsbausteine hat die Stadt auf dem Zettel, um die Bücherei auf Vordermann zu bringen. 18,9 Millionen Euro sind dafür veranschlagt. Die Stadt möchte ein Sanierungsgebiet für Teile der Altstadt ausweisen, das stattliche Zuschüsse auch für das Büchereiprojekt bringen könnte.

Ursprünglich wollte die Verwaltung die Bücherei bei laufendem Betrieb sanieren lassen. Doch das sieht man im Rathaus mittlerweile kritisch und empfiehlt, die Bibliothek während der Bauarbeiten in ein Ausweichquartier zu verlegen – Kosten rund 2,5 Millionen Euro. Nur so könne man Mitarbeitern und Publikum unnötige Belastungen ersparen und die Bauarbeiten beschleunigen. Im Gemeinderat sind die Meinungen dazu geteilt. Zumindest soll die Verwaltung aber nach möglichen Ausweichquartieren Ausschau halten.

Der Teufel steckt im Detail

Einig war man sich im Ratssaal, dass der Bürgerentscheid nun möglichst rasch umgesetzt werden soll. „Unser klares Ziel ist: Jetzt geht’s los“, legte OB Matthias Klopfer vor. Der Gedanke, ein Sanierungsgebiet auszuweisen, fand ungeteilte Zustimmung. Doch an einzelnen Details des Grundsatzbeschlusses scheiden sich weiterhin die Geister. Herbert Schrade (CDU) legt Wert darauf, dass der Bürgerentscheid vom März bestmöglich umgesetzt wird. Einen Umbau bei laufendem Betrieb findet er nicht undenkbar: „Bei der Entscheidung für die ‚kleine, feine Sanierung’ 2022 war das die klare Haltung der Verwaltung.“ Die Heugasse 11 als Bücherei-Erweiterung ist für seine Fraktion nicht vom Tisch. Tim Hauser (CDU) empfahl, offen zu bleiben, falls sich beim Nachbarhaus etwa durch bürgerschaftliches Engagement wie beim Dicken Turm etwas bewegen sollte.

Die Zukunft der Heugasse 11 bleibt umstritten. Foto: Ines Rudel

Ben Baecker (Grüne) ist überzeugt: „Jetzt muss schnell gehandelt werden.“ Ein Interim während der Bauzeit findet seine Fraktion zwingend notwendig – „aus Fürsorgepflicht für die Mitarbeiter und im Interesse der Aufenthaltsqualität“. Carmen Tittel (Grüne) kann Überlegungen zur Heugasse 11 indes nicht nachvollziehen: „Ich verstehe nicht, warum dieses Fass immer wieder aufgemacht wird.“ Ulrike Gräter (SPD) begrüßt die 37 Sanierungsschritte und drängt auf zügige Umsetzung. Beim Umbau müsse der Fokus auf Familien, Kindern und Barrierefreiheit liegen. Eine Sanierung bei laufendem Betrieb kann sie sich nicht vorstellen.

Annette Silberhorn-Hemminger (Freie Wähler) will nach dem Grundsatzbeschluss „zügig in die Sanierung einsteigen“. Dazu gehört für sie auch, Möglichkeiten für ein Interimsquartier möglichst rasch auszuloten. Dass manche im Gemeinderat das Ergebnis des Bürgerentscheids auch als Zeichen dafür werten, dass die Heugasse 11 weiterhin ein Thema bleiben soll, wies Silberhorn-Hemminger zurück. Sie empfahl, das Ergebnis des Bürgerentscheids nicht als Ja zur Heugasse 11 zu interpretieren, um sodann selbst zu interpretieren: „Viele waren für den Pfleghof ohne die Heugasse 11.“ Und ihr Fraktionskollege Michael Weinmann sieht aktuell ebenfalls keinen Grund, über die Heugasse 11 nachzudenken: „Jetzt schauen wir erst mal, dass wir die Pfleghof-Sanierung fertig bekommen. Dann kann man sich weitere Gedanken machen. Die Heugasse 11 wird dann ganz sicher immer noch in städtischem Besitz sein.“ Jörn Lingnau (FDP/Volt) hofft auf eine möglichst rasche Sanierung und möglichst hohe Fördergelder. 2,5 Millionen Euro für ein Interimsquartier könne die Stadt „deutlich besser anlegen“. Martin Auerbach (Linke/FÜR) empfahl, bei den Überlegungen für ein Interim auch an die Heugasse 11 zu denken: „Wir sollten schauen, ob sich die Sanierung des Nachbarhauses auch günstiger machen lässt. Es ist immer besser, in städtisches Eigentum zu investieren.“

Was macht die bestmögliche Bücherei aus?

Stephan Köthe (AfD) mag die „H11“ nicht abschreiben und beantragte, dass die Stadt zeigen soll, wie sich das Nachbarhaus in eine Gesamtkonzeption der Bücherei einbeziehen ließe: „Die Bürgerschaft hat es verdient, dass wir alle Möglichkeiten in Betracht ziehen.“ Der Antrag seiner Fraktion fand keine Mehrheit. Für Andreas Klöpfer (WIR/Sportplätze erhalten) ist derweil klar: „Wenn wir wirklich das Bestmögliche für die Stadtbücherei wollen, brauchen wir ein Interim und müssen für die Erweiterungsoption in der Heugasse 11 offen sein. Für uns und für viele Menschen war diese Erweiterung immer ein wichtiger Teil der Bücherei-Planungen.“

Die Heugasse 11 in Kürze

Geschichte
Ein Gewölbekeller unter dem Vorderhaus der Heugasse 11 zeigt, dass dort schon im frühen 13. Jahrhundert ein Vorgängerbau stand. Das heutige Haupthaus war vermutlich 1506/07 entstanden, ein Hofgebäude zur Webergasse und ein Verbindungsbau zwischen Vorder- und Hinterhaus folgten 1548/49. Umbaumaßnahmen prägten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts das heutige Gesicht des Gebäudes.

Pläne
Wiederholt hat sich die Stadt, der das Gebäude seit vielen Jahren gehört, mit der Heugasse 11 befasst. 1981 war das Haus von Fachingenieuren und einem Architekten begutachtet worden. Als der zusätzliche Platzbedarf der Stadtbücherei in den 90er-Jahren in den Fokus rückte, zeigten konkrete Planungen, wie die Heugasse 11 in die Bibliothek integriert werden könnte. Konkretisiert wurden die Überlegungen 2013 in einer Machbarkeitsstudie zur Erweiterung der Stadtbücherei und des Stadtmuseums. Und auch beim Architektenwettbewerb zur Bücherei 2020 wurde die Heugasse 11 fest eingeplant. Im Siegerentwurf hieß es: „Die Verwaltung ist komplett autark im Haus Heugasse 11 untergebracht und erhält damit eine eigene Adresse mit eigenem Eingang.“

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