Nesenbach-Düker für Stuttgart 21 Stuttgarts Abwasser auf neuen Wegen

Beträchtliche Ausmaße: Der Nesenbach Düker während der Bauzeit, jetzt ist er fertig. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Es war ein schwieriges und auch umstrittenes Projekt: der Bau des sogenannten Nesenbach-Dükers, durch den das Abwasser künftig die neue Bahnsteighalle des S 21-Tiefbahnhofs unterquert. Jetzt ist er fertig.

Stuttgart - Am Mittwoch ist es soweit: Nach fünf Jahren Bauzeit geht der Düker Nesenbach in Betrieb. Die Abwasserleitung quert den künftigen Stuttgarter Hauptbahnhof in einer Tiefe von rund 22 Metern. Der Nesenbach dient seit vielen Jahren als Hauptsammler der Stuttgarter Mischkanalisation. Bislang verlief der rund 13 Kilometer lange Nebenfluss des Neckars parallel zu den heutigen Bahnhofsgleisen. Weil der neue Durchgangsbahnhof im Vergleich zum jetzigen Kopfbahnhof um 90 Grad gedreht ist, muss der Abwasserkanal mithilfe des Dükers unter dem Bahnhof durchgeleitet werden.

 

Der insgesamt rund 390 Meter lange Nesenbach-Düker verläuft unterhalb der künftigen Bahnsteighalle. Die Strecke der Querung beträgt laut der Deutschen Bahn rund 145 Meter. Thomas Hauser, der zuständige Bauleiter bei Züblin, nennt den Bau eine „besondere Herausforderung“. Rund 20 000 Kubikmeter Beton und 2 800 Tonnen Stahl wurden verbaut. Industrietaucher kamen beim Aushub der Baugrube und dem anschließenden Betonieren zum Einsatz. Der Düker wurde in offener Bauweise hergestellt, die Baugruben mussten folglich von oben geöffnet werden.

Drei Rohre unterqueren den Tiefbahnhof

Der Mischwasserkanal teilt sich in drei unterschiedlich große Dükerrohre, die entsprechend der anfallenden Abwassermenge genutzt werden. Zwei der Rohre sind rund und haben einen Durchmesser von einem Meter beziehungsweise 2,40 Metern. Das dritte Rohr ist im Grunde gar keines. Es ist rechteckig, sieben Meter breit und 3,50 Meter hoch. Im Falle eines Hochwassers fasst es die größte Wassermenge. Die Verantwortlichen sehen das Bauwerk für den Ernstfall gewappnet. Über alle drei Rohre können nach Angaben der Bahn bis zu 100 Kubikmeter Wasser pro Sekunde abgeleitet werden. „Dass der Kanal einmal im Monat vollläuft, haben wir einkalkuliert“, sagt Jürgen Mutz, Leiter des Stuttgarter Tiefbauamts. Es sei eben kein normaler Kanal, man müsse ihn regelmäßig auspumpen und reinigen. Dennoch soll er lange in Schuss bleiben. „Er ist für eine Dauer von 80 Jahren angelegt.“

Im Vorfeld wurde viel über die komplexe Bauweise des Nesenbach-Dükers diskutiert. Insbesondere das Betonieren unter Wasser und die Sorge vor Risiken für das Mineralwasser sorgten für Gesprächsstoff. Aufgrund der Tiefe des Dükers von rund 22 Metern befürchteten Kritiker Schäden in den Gipsschichten, die das Mineralwasser zurückhalten. „Das Mineralwasser war nie gefährdet“, sagt Jörg Hamann, der Sprecher der Deutschen Bahn für das Bahnprojekt Stuttgart – Ulm. Er beschreibt das Bauvorhaben als „großen Konfliktherd“, das nun aber zur Zufriedenheit der Verantwortlichen fertig gestellt worden sei.

Kosten werden nur vage angegeben

Die Kosten beziffert Mark Theilemann, der zuständiger Bauabschnittsleiter der Bahn, vage auf einen „mittleren zweistelligen Millionenbetrag“. Mit dem Zeitplan ist er zufrieden. „Es hat so lange gedauert wie erwartet.“ Wenn der Kanal von Mittwoch an über den Düker umgeleitet wird, sind erst einmal keine Wassermassen zu erwarten. Zwar befindet sich zu Beginn der Unterführung eine rund zehn Meter hohe Betonwand, über die das Wasser wie bei einem Wasserfall hinabstürzen könnte. Weil kein starker Regen vorhergesagt ist, läuft das Abwasser zunächst nur durch die runden Rohre. Das Wasser reguliere sich von selbst und laufe in die entsprechenden Rohre.

Der Düker Nesenbach ist einer von drei Dükern, die die Deutsche Bahn wegen des neuen Tiefbahnhofs in Betrieb nimmt. Der Mischwassersammler Cannstatter Straße liegt sechseinhalb Meter tief und musste ebenfalls verlegt werden. Auch beim sogenannten Hauptsammler West kommt ein Düker zum Einsatz.

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