Das Angebot besteht aus zwei dualen Studiengängen mit Praxisbezug: Den Start soll noch diesen Herbst „Soziale Arbeit“ machen. „Public Management“ soll zum Herbstsemester 2026 beginnen.
Stadt rekrutiert sich so eigenes Fachkräftepersonal
Seit rund 25 Jahren arbeitet die Stadtverwaltung an der Umsetzung eines Hochschulcampus – bislang ohne Erfolg. Doch am Mittwoch konnte Oberbürgermeister Bernd Vöhringer (CDU) freudig bekannt geben: „Nun können wir Konkretes vorlegen. Der geplante Studiencampus stärkt die Attraktivität unseres Bildungs- und Wirtschaftsstandorts. Das ist ein Meilenstein.“
Ziel der Ansiedlung mit der konkreten Studienausrichtung sei vor allem die Gewinnung von Fachkräften aus den beiden gesellschaftlichen Bereichen, in denen der Mangel täglich zu spüren ist: In den sozialen Berufen und der öffentlichen Verwaltung.
Studienplätze für Erzieher und Rathaus-Mitarbeiter
„Der Aufbau eines Hochschulstandorts ist ein Schritt zum Fachkräfteerwerb und der wirtschaftlichen Entwicklung“, sagte der OB. Durch die praxisnahe Ausbildung erhofft sich die Stadt perspektivisch Arbeitskräfte für Kitas und Rathaus. Die Stadt fungiert auch als Praxispartnerin, denn zehn der 30 Studienplätze in Soziale Arbeit sollen Mitarbeitende kommunaler Kitas besetzen. Bei Public Management sollen mindestens fünf der 30 Plätze zur Qualifikation eigener Fachkräfte in der Verwaltung belegt werden.
Sollten die 30 Plätze besetzt werden, rechnet die Stadt mit keinen Kosten. Realistisch sei das Szenario, dass 20 Studienplätze vergeben werden können und der Abmangel für die fehlenden zehn Plätze jährlich maximal 150 000 Euro betragen würde. Eine pessimistische Rechnung geht von zehn vergebenen Studienplätzen und einem jährlichen Defizit von maximal 300 000 Euro aus.
Zunächst müssen die Studierenden nach Stuttgart
Weil zu Semesterbeginn im Herbst noch nicht entsprechende Räumlichkeiten zur Verfügung stehen, startet das Hochschulprojekt zunächst in Stuttgart. Voraussichtlich im Herbst 2026 sollen Studierende dann in Sindelfingen dual studieren und arbeiten können. Wo genau, ist noch unklar. Doch es gebe Überlegungen, wie der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung, Felix Rapp, erklärte: „In der Ziegelstraße befinden sich nutzbare Räume des Kolping-Werks.“
Ideen, den Campus auf dem frei werdenden Krankenhausareal aufzubauen, spielen dagegen keine große Rolle mehr. „Uns ist wichtig, dass der Campus zentral liegt, dort eine gute Anbindung und eine Belebung stattfindet“, so Rapp.
Polizeirevier könnte zur Hochschule werden
Baubürgermeisterin Corinna Clemens brachte einen weiteren Standort ins Spiel: „Es ist bekannt, dass die Polizei einen Umzug aus dem Revier in der Gartenstraße prüft. Sollte sie ausziehen, wäre das Gebäude nach einer Sanierung denkbar.“ Die Immobilie gehört der Stadt bereits.
Klaus Vogt, Präsident des Kolping-Bildungswerks Württemberg, sagte: „Wir sind stolz darauf, einen vierten Bildungsbaustein in Sindelfingen hinzufügen zu können. In der Ziegelstraße, in Maichingen und der Kita am Flugfeld kooperieren wir bereits mit der Stadt.“ Das Studienangebot werde speziell an die kommunalen Bedürfnisse angepasst. Ausdrücklich vorstellbar für den Kolping-Präsident wäre in der Zukunft ein Ausbau des Sindelfinger Studienportfolios.
Studiengang für Künstliche Intelligenz geplant
Die bisherigen Pläne, in der Stadt eine Außenstelle der Hochschule Reutlingen anzusiedeln, laufen indes weiter. „Wir streben weiter auch die Ansiedlung von Technologie-Studiengängen wie Cloud Computing und Künstlicher Intelligenz an“, sagte Felix Rapp. Man befinde sich in vielversprechenden Gesprächen.