Berliner Gemüsekebap für Stuttgart: Zidan Boztepe serviert seit Anfang April eine neue Art von Döner im Westen der Stadt. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Schon Gemüsekebap probiert? Die neueste Variante des klassischen deutschen Fast Foods stammen natürlich aus Berlin. Aber auch aus der Provinz kommen frische Ideen für den Döner.
Für einen guten Döner lässt Zidan Boztepe alles stehen und liegen, sogar seinen Job bei Daimler. Seit Anfang April steht der 22-Jährige täglich mit Rohat Orguz hinterm Tresen ihres neuen Ladens, um ein Stuttgarter Manko zu beheben: Lolo’s Gemüsekebap heißt das Joint-Venture im Westen der Stadt. „Es kann nicht sei, dass es diesen Döner immer noch nicht bei uns gibt“, dachten sich die beiden nämlich bei ihren Besuchen in Berlin.
Deutschlands beliebtestes Fast Food wird gerade von einer neuen Generation „aufgepimpt“. So nennt es Sina Bäder, die den Döner ihres Mannes Berkan Manaz zu einem Hit im Internet machte. Die Videos vom selbst gebackenen Sauerteigbrot von Maxon Kebap in Marbach am Neckar wurde millionenfach angeschaut, von weit her kommt die Kundschaft angefahren. „Der Döner von 2026 ist nicht mehr der von 2010“, sagt der 26-Jährige.
Hühnchen statt Rind für Stuttgarts neuen Döner-Trend
Eine comichafte Karotte turnt am Logo von Lolo’s Gemüsekebap, eine lächelnde Kartoffel hängt daran und eine Zucchini. Was nach einer vegetarischen Variante klingt, unterscheidet sich vom Standarddöner vor allem durch die Fleischart: Statt Rind stecken Hühnerbrust und Fleisch vom Hühnerschenkel drin. Aus Berlin beziehen Zidan Boztepe und Rohat Orguz ihre Spieße, weil in Stuttgart kein Lieferant die gewünschte Qualität liefern könne.
Dazu gibt es gegrilltes Gemüse wie Karotten, Kartoffeln, Zucchini und Auberginen aufs Brot sowie drei selbst gemachte Soßen nach „Berliner Style“ und die üblichen Zutaten. Zerkrümelter Feta und ein Schuss Zitronensaft runden den Gemüsekebap ab. Auf Wunsch wird alles in ein Vollkornbrot gepackt. „Jeder Biss ist anders“, schwärmt Rohat Orguz, mal stehe das Hühnchenfleisch im Vordergrund, dann das Gemüse, salzig, süß und säuerlich wechselten sich als Geschmacksrichtungen ab.
Berkan Manaz und Sina Bäder servieren in Marbach am Neckar ihren Döner im Sauerteig-Brot. Foto: Simon Granville
Sauerteig beschäftigt Berkan Manaz seit Jahren. Nur aus Wasser, Mehl und Salz besteht er, über Tage hinweg lässt er ihn fermentieren. In seiner Familie sind Döner-Lokale verbreitet, der 26-Jährige arbeitet schon länger in der Branche. Vom Onkel übernahm er die Marbacher Filiale, benannte sie nach seinem Heimatdorf in der Türkei. „Wir wollen der beste Döner Deutschlands werden“, ist sein Anspruch für Maxon. „Wir erwarten auch Qualität, wenn wir ins Restaurant gehen“, sagt er über sich und seine Frau.
Auf das selbst gebackene Brot kommt Fleisch aus der Hochrippe von der Färse. Der Spieß wird in der familieneigenen Manufaktur gesteckt, „ohne Bindemittel“, versichert Berkan Manaz. Statt Eisbergsalat verwendet er die Sorte Lollo Bionda, rote Zwiebeln, Rotkraut und Tomaten sowie vier hausgemachte Soßen stehen noch zur Auswahl. Neben der klassischen Joghurtsoße hat er Kräuter- und Cocktailsoße sowie die scharfe Würzpaste Ezme zu bieten. „Endlich können wir Döner essen“, hätte kürzlich eine Gruppe Sportler beim Bestellen zu ihm gesagt.
Dönerfleisch mit vielen obskuren Zutaten
Dönerfleisch ist offensichtlich bei manchen Verbrauchern in Verruf geraten – aufgrund vieler, teils obskurer Zutaten wie Emulgatoren, Geschmacksverstärker, Hefeextrakt und viel Fett. Der Steak-Döner, auch Yaprak genannt, bedient seit rund vier Jahren den gestiegenen Anspruch von manchen Döner-Fans und ist in der Region Stuttgart in mehreren Lokalen erhältlich: Dabei handelt es sich um einzelne Scheiben von der Hochrippe ohne Hackfleischanteil.
Auf noch teureres Fleisch, aber in gehackter Form setzt die Berliner Kette Bam Bam, die laut Homepage ihren Kebap mit Kalb füllt. Nach Stuttgart kam die Kreation aus der Hauptstadt im September 2024. Bei Etye steht der Berliner Döner mit Kalbfleisch für 8,90 Euro auf der Speisekarte – in Ludwigsburg und der neu eröffneten Filiale in Weilimdorf. Zidan Boztepe und Rohat Orguz sind extra schon nach Frankfurt gefahren, um Josef’s Bio Döner für rund 13 Euro zu probieren. „Da ist jeden Tag eine Schlange“, berichten sie. „Josef leistet große Arbeit“, findet ihr Marbacher Kollege.
Ein Döner von Bam Bam mit Kalbfleisch aus Berlin Foto: Kathrin Haasis
Auffällig viele Frauen sitzen bei Lolo’s Gemüsekebap an den Tischen. In Stuttgart-West fühlen sich Zidan Boztepe und Rohat Orguz genau richtig aufgehoben, weil „alternative Ernährungsformen einen hohen Anteil haben“. Sie fokussieren sich ganz aufs Hühnchen, um es „richtig gut“ zu machen und liefern mit Halloumi und Falafel Ersatz für Vegetarier und Veganer. Neben Zezy’s in Kornwestheim bieten sie ihren Angaben zufolge als einzige diese Art des Berliner Döners in der Stadt an.
„Er wird sich weiter verbreiten“, ist sich Zidan Boztepe sicher, der dafür seinen Arbeitsvertrag bei Mercedes-Benz ruhen lässt. Bei der bisherigen Resonanz können er und Rohat Orguz, der als Lieferant die Branche bedient, sich weitere Filialen vorstellen. Zumal der Gemüsekebap für sie nichts mit einem Trend zu tun hat, sondern längst etabliert ist – und eine bessere Version des herkömmlichen Vorgängers.
Zehn Euro kostet der Spezialkebap von Maxon. Über den Preis hat sich laut Berkan Manaz noch niemand beschwert. Sauerteig sei „sehr, sehr aufwendig“, erklärt der 26-Jährige. Obwohl es sich anbieten würde, setzte er Pizza nicht auf die Speisekarte wie bei vielen anderen Döner-Imbissen. Er will sich nur auf die Produkte konzentrieren, die er gut meistert. Als Sina Bäder zur Eröffnung Mitte Oktober ein Video vom neuen Marbacher Sauerteigkebap postete, erzielte es über Nacht rund eine Million Aufrufe. „Die Leute lieben Döner und wünschen sich ein Fast Food, das auch ein bisschen gesund ist“, lautet ihre Erklärung für den Erfolg. „Standarddöner gibt es schon genug“, ergänzt ihr Mann, „es wird Zeit für etwas Neues.“