Neuer Plan zu Stuttgart 21 Stadt denkt grün: Rasen auf Bahnhofsdach

Nicht nur im Schlossgarten (Bild), auch beim Bonatzbau soll Rasen wachsen. Foto: DB/Plan B

Die Stadt will den bisherigen Vertrag mit der Bahn AG zur Oberflächengestaltung des Bahnhofsdachs beim Bonatzbau ändern.

Stuttgart - lm Dezember 2025 soll der neue Tiefbahnhof in der Landeshauptstadt in Betrieb gehen. Während unten auf acht Gleisen hektische Betriebsamkeit zu erwarten ist, schließt das im Bereich des Mittleren Schlossgartens begrünte Bahnhofsdach die Wunde, die der Tiefbahnhof in die grüne Lunge der Stadt gerissen hat. Hier soll man nach mehr als zehn Jahren Baustelle wieder flanieren und sich niederlassen können.

 

Das alte Empfangsgebäude, der Bonatzbau, soll ein öffentlich genutztes Visavis bekommen, womöglich mit kulturellem Inhalt. Dazwischen wird sich eine rund 15 000 Quadratmeter große Fläche öffnen – dreimal so groß wie der Marktplatz –, die durch einige Lichtaugen durchbrochen ist.

Vereinbart ist ein Asphaltbelag

Die bisherigen Pläne für den Platz, der bereits nach Stuttgarts verstorbenem Alt-OB Manfred Rommel benannt ist, dürften vor allem Kehrwöchner erfreuen. Die riesige Fläche soll asphaltiert werden. Damit sie nicht ganz tristgrau daherkommt, hat die Stadt im Vertrag mit der Bahn AG, die Eigentümerin des Platzes ist, einen „höherwertigen Belag“ festgeschrieben, konkret eine Einstreudecke. So kann durch das eingestreute Material zum Beispiel die Farbe variiert werden.

Aber ist Asphalt in Zeiten des Klimawandels noch der richtige Belag? Im nahen Rosensteinviertel auf den alten Bahngleisen sieht der Entwurf des Stuttgarter Büros ASP eine sogenannte Schwammstadt mit Retentions- und Verdunstungsflächen vor. Regenwasser soll aufgefangen werden und das Kleinklima verbessern. Im neuen Wohngebiet Neckarpark erhält das zentrale Parkhaus eine intensive Fassadenbegrünung, und mit dem Neubau der Calwer Passage zeigt das Architekturbüro von Christoph Ingenhoven, das den Stuttgart-21-Bahnhof ersann, dass mitten in der Stadt Kletter- und Schlepppflanzen und auf dem Dach im siebten Stock 82 Bäume wachsen können. Im Juni 2023 wird Stuttgart Gastgeberin der Urban Future Conference, bei der vor allem auch über Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz diskutiert werden soll. Die geplante riesige Asphaltfläche auf dem Bahnhofsdach wirkt da wie aus der Zeit gefallen.

Stadt will umplanen

Das scheint auch die Stadtverwaltung bemerkt zu haben. Sie will umplanen, es gebe „städtebaulich und klimatologisch geeignetere Lösungen“, sagt die Pressestelle auf Anfrage. Man wolle den Vertrag mit der Bahn besprechen und stehe „einer Ausführung als Rasenfläche in großen Bereichen sehr offen gegenüber“. Asphalt sei zwar „allumfassend nutzbar und hält etwa zwölf Jahre“, sagt Christoph Luz vom gleichnamigen Büro für Landschaftsarchitektur in Stuttgart, „gegen Gras auf dem Rommel-Platz kann man aber nichts haben“, so der Experte. Eine Grasfläche mit solider Tragschicht helfe bei der Klimaanpassung, speichere Wasser, das langsam verdunste und so die Luft kühle und befeuchte. Natürlich seien die Herstellung und die Pflege aufwendiger, aber „das ist kein Gegenargument“, so Luz, denn es werde immer wichtiger, Vegetation in der Stadt zu haben . „Eigentlich sollte man sich das leisten“, so sein Fazit. Im Herbst will die Stadtverwaltung neue Gestaltungsvorschläge mit dem Gemeinderat diskutieren.

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