Neues Gastro-Konzept Superschmarrn punktet an Stuttgarts Partymeile mit purzelnden Preisen

Schon für fünf Euro zu haben: ein Aperol Spritz bei Superschmarrn, eingeschenkt von Selina Bellon mit der Betriebsleiterin Sophia Rösch im Hintergrund. Foto: Ferdinando Iannone

Das Bier kostet bei Superschmarrn nur die Hälfte im Vergleich zu anderen Lokalen. Gespart wird am Personal: Die Gäste holen sich ihre Getränke im Kühlhaus selbst.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)

Das Kühlhaus befindet sich mitten im Lokal: Im Superschmarrn ist es schließlich die zentrale Anlaufstelle. In dem Raum stapeln sich die Bierkisten und Kartons mit Whisky-Cola, Wodka und Energiedrinks in Dosen. Wer Durst hat, muss aufstehen und sich sein Getränk selbst holen. Der Weg führt vorbei an Regalen voller Chips, Gummibärchen und Schokoriegeln wie in einer Tankstelle. „Aber bei uns ist es günstiger“, versichert die Betriebsleiterin Sophia Rösch. Dabei befindet sich die neue Kneipe direkt auf Stuttgarts Partymeile, wie die Theodor-Heuss-Straße zumindest jahrelang bezeichnet wurde. Eine Flasche Bier kostet im Superschmarrn 2,50 Euro, der Aperol Spritz im Plastikbecher fünf Euro, die Chips drei Euro. Mit einem Späti vergleicht Sophia Rösch das im Mai eröffnete Lokal – allerdings hat dieser Kiosk Sitzgelegenheiten drinnen und draußen, eine Tanzfläche, Bildschirme für Liveübertragungen und eine Bar.

 

Superschmarrn ist in Stuttgart der erste Vertreter einer neuen Entwicklung, die die Preise in der Gastronomie purzeln lässt. Ausgerechnet aus München, wo angeblich das Geld noch üppiger vorhanden ist als bei den Schwaben, stammt das Konzept: Thomas Hirschberger startete damit nach der Insolvenz der einst von ihm gegründeten Kette Sausalitos. Er sicherte sich vier Standorte des mexikanischen Restaurants, zwei davon in seiner Heimatstadt, eines in Heilbronn  und  eines  in  Stuttgart.  Mit  den Brüdern Patrick und Philip Düwel will der 63-Jährige eine neue Generation von Gästen ansprechen – mit einer Kombination aus Kaiserschmarrn-Restaurant, Bar und Supermarkt, die auch Platz für andere Marken bietet.

Zwei München Gastro-Größen erfinden günstige Konzepte

Parallel dazu ist mit Marc Uebelherr eine andere Koryphäe der Ketten-Gastronomie, der unter anderem Oh Julia auf den Weg gebracht hatte, auf eine ähnliche Idee gekommen: In der „Kneipe 80“ wird in Wohnzimmer-Atmosphäre, mit Schallplatten und einem einfachen Getränke- und Speisenangebot zu Preisen wie (fast) damals das Lebensgefühl der 1980er Jahre zelebriert. Mit wenig Geld und viel Flexibilität werden die Lokale eingerichtet, bundesweit sollen weitere Eröffnungen folgen.

„Es läuft wie Bombe“, sagt Reneh Georges über die beiden Superschmarrn in Stuttgart und Heilbronn, deren Geschäfte er führt. Studenten seien die „unterschätzte“ Zielgruppe der beiden Läden. Um für sie günstig bleiben zu können, wird in erster Linie am Personal gespart. Qualität sei ihm wichtig, betont der 36-Jährige mehrmals, Chiemseer Bier hält er in seinem Kühlhaus vor, Erdinger Weißbier, Jack Daniels und Havanna Rum. Es herrscht Selbstbedienung, nur in der Bar im hinteren Teil des Lokals werden die Drinks in echte Gläsern eingeschenkt. Es gibt kein Reservierungssystem und nur Kartenzahlung.

Easy und spontan geht es im Superschmarrn zu

„Einfach, easy, spontan“ sind Adjektive, die Reneh Georges wiederholt. Eine Schüssel Kaiserschmarrn bekommen die Gäste mit Apfelmus für acht Euro. Die teuerste Variante mit Pistaziencreme kostet drei Euro mehr. „Voll beliebt“ sei das Gericht, erklärt Reneh Georges, und unkompliziert in der Zubereitung. Dass sich die Tiroler Spezialität als Fast Food eignet und verkaufen lässt, zeigte bereits die Marke Kaisers, die seit Anfang des Jahres mit einem Franchise in den Königsbaupassagen vertreten ist. In dem Imbiss ohne Sitzgelegenheit wird die Süßspeise zum gleichen Preis angeboten.

Stark im Kommen: der Kaiserschmarrn – hier die Version von Superschmarrn. Foto: Ferdinando Iannone

Im Stuttgarter Superschmarrn demonstriert Reneh Georges außerdem die Flexibilität des Konzepts – mit einem Store im Store. Wo früher Tacos und Nachos zubereitet wurden, lassen jetzt Salih Demirkoparan und Giro Santaniello, der früher das Bella Napoli in Feuerbach betrieb, Currywurst, Burger und neapolitanische Pizza zubereiten. „Wurst und Liebe“ sowie „Napoli 100%“ heißen ihre Start-ups, die sie mit dem gleichen Gedanken zeitgleich wie Superschmarrn gründeten. „Gourmetqualität zum Imbissbudenpreis“ wollen sie „an geilen Standorten“ bieten, erklärt Salih Demirkoparan. In Heilbronn eröffnete die erste Verkaufstelle von „Wurst und Liebe“ in Leichtbauweise auf  dem Parkplatz eines Möbelhauses, „Napoli 100%“ hatte in Pforzheim Premiere. Alles werde selbst produziert, verspricht er, das Fleisch für die Würste stamme von der Firma Frisch-Lamm, ein Metzger in Schwäbisch Gmünd verarbeite es weiter, der Bäcker Sailer liefere die Brötchen. Sechs Euro verlangen sie für die Currywurst, 3,50 Euro für Pommes, die Salami-Pizza ist mit zehn Euro die teuerste. „Die Zeiten sind schwierig, die Leute haben kein Geld mehr“, nennt er als Auslöser für ihre Geschäftsidee. Dass sie mit Superschmarrn zusammengefunden haben, ist für ihn deshalb „Schicksal“.

Mit Vintage-Lampen, gemusterten Retro-Tapeten, alten Spiegeln und Dekoobjekten vom Flohmarkt ist Superschmarrn ausgestattet. Täglich von 11 bis 1 Uhr, freitags und samstags bis 3 Uhr hat die Kneipe geöffnet. DJs will Reneh Georges in seiner Kneipe auflegen lassen, Fußballspiele von allen möglichen Mannschaften zeigen, Tischkicker können die Gäste spielen. „Eine lockere Atmosphäre“ ist ihm wichtig, und dass „alles easy“ ist. Wer weiterziehen möchte, nimmt seine Getränke und Wurst oder Pizza einfach mit. „Wir wollen wieder Leben auf die Theodor-Heuss-Straße bringen, wie es früher war“, sagt der 36-Jährige.

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