Die moderne Version der schwäbischen Küche wollen die Trautwein-Brüder im neuen Restaurant am Marktplatz. Das passt zur schicken Location und schmeckt unserer Testerin Kathrin Haasis.
Vielleicht weil das Restaurant neu ist, direkt am Marktplatz liegt und fast immer geöffnet hat – oder weil das Haus des Tourismus eine ewige Baustelle war: Im Knitz trifft sich gerade nicht nur die halbe, sondern die ganze Stadt. Das Anfang Oktober eröffnete Lokal ist auch wirklich schön geworden. Durch eine große Glasfront hat der Gast immer das Geschehen draußen im Blick. Dass die Terrasse beim plätschernden Marktbrunnen im Sommer ein Hotspot wird, kann man sich denken – und die auf dem Dach sowieso. Innen ist es hell, reduziert, in Naturtönen eingerichtet, Pflanzen setzen grüne Akzente. Gemütlich ist das Knitz jedoch nicht: In dem offenen Raum herrscht viel Bewegung und ein hoher Geräuschpegel.
Die Trautwein-Maultasche isst gefühlt jeder zweite Gast. Foto: Lichtgut / Max Kovalenko
Für das Restaurant im Haus des Tourismus haben Maximilian und Ferdinand Trautwein dennoch das perfekte Konzept geliefert. Knitz steht für raffiniert, schlau, gewitzt und liebenswert, ein Image also, das die Marketingleute von Stuttgart ebenfalls vermitteln möchten. Die Vorspeise Schwäbisches Vitello (16,90 Euro) klingt ganz danach: Zum rosa Kalbstafelspitz kombinieren die Köche geräucherte Forellencreme, Kapern und ein paar Blätter Wildkräutersalat mit Kresse. Die Neuinterpretation des Klassikers ist gelungen. Burrata vom Bodensee mit geröstetem und süß-saurem Kürbis (17,90 Euro) klingt ebenfalls ansprechend.
Im Knitz gibt es die schwäbischen Klassiker
Im Knitz werden die beliebten Trautwein-Maultaschen mit Zwiebelschmelze und Kartoffelsalat (18,90 Euro) gefühlt von jedem zweiten Gast bestellt. Linsen mit Spätzle und Saiten (17,90 Euro) und Rostbraten mit Zweierlei Zwiebeln, Spätzle und Kalbsjus (34,90 Euro) stehen außerdem zur Auswahl. Dass die Brüder kalkulieren können, zeigt sich an Zutaten, die in mehreren Gerichten auftauchen: Wilden Brokkoli gibt es zu geschmorten Schweinebäckle (24,90 Euro) ebenso wie zum Zander mit Weißweinsoße und einem Linsenpüree, das auch das Tofu-Kichererbsenragout (18,90 Euro) begleitet. „Schwäbisch mit Herz“ heißt zwar das Motto, aber beim zu durchgegarten Fisch ist es nicht zu spüren, die Linsen hätten als Salat vermutlich für mehr Pep gesorgt. Auch beim tadellosen Hirschragout mit einem Berg in viel Butter geschwenkten Haselnussspätzle und kleinem Salat (29,90 Euro) kommt mehr die Effizienz in der Küche durch und weniger die Seele.
Das Tiramisu (7,90 Euro) knüpft wieder an die clevere Vorspeise an: Es hat die Form eines Löffelbiskuits, betört mit filigranen Schichten von weicher Creme, fluffigem Biskuit, Crunch und Himbeere. Im geschäftigen Treiben des Abends hat der Service trotzdem alles im Griff. Der Grauburgunder von der Weinmanufaktur Stuttgart (0,15 Liter, 8 Euro) ist wie gemacht für das Knitz. Aber auch Drinks wie Negroni erhalten eine lokale Note mit Kessler Sekt (10,50 Euro).
Knitz, Marktstraße 2, Stuttgart. Geöffnet: Mo von 9 bis 18 Uhr, dienstags bis samstags bis 23 Uhr, sonntags 10 bis 18 Uhr. www.knitz.de
Bewertung
Service 4 Sterne
Atmosphäre 4 Sterne
Essen 4 Sterne
Legende: ***** = herausragend, ****= überdurchschnittlich, *** = gut, **= Luft nach oben, * = viel zu verbessern.