Neues Restaurant in Stuttgart Sie wollen Gastro-Geschichte schreiben – mit mariniertem Hühnchen

Neu ins Gastro-Geschäft eingestiegen: Bilal Sama und Murat Karasogut in ihrem Restaurant Chicken Story (rechts), Inhan Simsek ist mit Henpoint schon länger am Start. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Die Chicken Story in Stuttgart-Mitte hat eröffnet. Wienerwald ist zwar pleite, aber einige Nachfolger sind in die Fußstapfen getreten. Mit der Chicken Story haben Bilal Sama und Murat Karasogut große Pläne. Mit dem Konzept ist Henpoint in Cannstatt seit acht Jahren erfolgreich.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)

Eine Eins-A-Lage haben Bilal Sama und Murat Karasogut für ihren Einstieg in  die  Gastronomie  gewählt. Sie wollen schließlich Geschichte schreiben: Chicken Story heißt ihr neues Restaurant an einem der beliebtesten Ausgehspots in Stuttgart. Beim Hans-im-Glück-Brunnen servieren sie bis spät in die Nacht mariniertes Hühnchen  in  vielen  verschiedenen Soßen, Burger, Beef, Pommes und Pasta. „So etwas gibt es noch nicht“, sagt Bilal Sama. denn in ihrem Lokal haben sie fast alle Lieblingsspeisen kombiniert. Im Henpoint gegenüber vom Cannstatter Bahnhof bietet Inhan Simsek allerdings seit fast acht Jahren ein ziemlich ähnliches Konzept. Ursprünglich wollte er nur eine Filiale einer erfolgreichen türkischen Kette eröffnen. Nun ist er mit seiner eigenen Marke auch auf Expansionskurs.

 

Fast Food, die keine Fast Food ist

Für Chicken Story haben Bilal Sama und Murat Karasogut „viel investiert“: in schön gemusterte Fliesen und Holzdielen für den Boden, weiche Polster für Bänke und Stühle, schicke Lampen für warmes Licht und viel Holz und Grün in Form von Plastikpflanzen für Wände und Decke. Die Kombination aus Natur- und Waldtönen „macht Appetit und entspannt, das ist wissenschaftlich bewiesen“, sagt Bilal Sama. Zwar würden sie Fast Food servieren, weil die Zubereitung nur so lange dauert, wie das Hühnchen in der Pfanne brutzeln muss. Aber die Zutaten seien frisch und die Gäste sollen „gemütlich sitzen können, essen und genießen“. Das Hauptgericht ist mariniertes Hühnchenfleisch, das mit einer von 13 verschiedenen Soßen zubereitet wird. Curry, Teriyaki oder Cheesy Dream stehen zum Beispiel zur Auswahl. Auf den langen rechteckigen Tellern gibt es dazu Nudeln und Salat für 16,90 Euro. Burger für sieben bis 8,50 Euro, Pasta wie Tortellini Funghi (10,90 Euro), Wraps und Salate ergänzen das Angebot.

Es mag einen Steakhouse-Boom geben, aber Hühnchen ist nach Ansicht von Bilal Sama dennoch das beliebteste Fleisch. „Viel Potenzial“ sehen er und Murat Karasogut für ihr Konzept, deshalb sind sie mit Chicken Story gleich in die Stadtmitte gezogen. „Stuttgart braucht so etwas“, findet Bilal Sama. Vor sieben Jahren kam er nach Deutschland, hat als Altenpfleger gearbeitet und dann in der Gastronomie, sein Geschäftspartner machte bislang Geschäfte mit Grillkohle aus Kokosnussschalen. In zwei bis drei Monaten wollen sie die nächste Filiale eröffnen, Mannheim, Heidelberg, Frankfurt und Dortmund seien in Arbeit, berichtet Murat Karasogut. Und nach Dubai sei er geflogen, weil angeblich ein Ölkonzern seine Tankstellen mit Chicken Story ausstatten will.

Wienerwald mit Brathühnchen groß geworden

Mit Hähnchen als Hauptspeise ist einst auch Wienerwald zur größten Restaurantkette mit 1600 Filialen in Europa aufgestiegen. Nach der Spitzenzeit in den 1970er Jahren ging es allerdings bergab – auf die Expansion in die USA und Umsatzeinbußen durch eine Geflügelpest folgte 2003 die Pleite. Die Stuttgarter Filiale, die die Familie Kokinakia 1965 eröffnet hatte, ist trotzdem noch in Betrieb – in Eigenregie als „Hend’l und Gretel“. Vom türkischen Erfolgsmodell Tavuk Dünyasi, auf Deutsch Huhn-Welt, hat sich dagegen Ilhan Simsek inspirieren lassen: Bei einem Urlaub in Istanbul war er 2015 auf das erste Restaurant des neuen Unternehmens gestoßen. „Es schmeckt super, es sieht super aus, ich muss es in Deutschland machen“, dachte er sich. Das Cannstatter Kebabhaus betrieb er zu der Zeit seit fünf Jahren, nachdem er lange bei einer Reinigungsfirma tätig war. Mit Döner sah er keine Wachstumschancen, und sein eigentlicher Traum, die horizontal am Spieß gegrillte Lammkeule Cağ Kebab aus seinem Heimatdorf in Stuttgart anzubieten, erwies sich in der Umsetzung als zu kompliziert. „Ich liebe Gastronomie, ich liebe Fleisch und wenn es den Gästen schmeckt“, sagt er.

Henpoint zieht 2025 auch in die Innenstadt

Als Franchisenehmer von Tavuk Dünyasi wollte Ilhan Simsek starten, die Kette zog sich damals jedoch kurzfristig aus dem Auslandsgeschäft zurück. Dafür erhielt er das Konzept, die Speisekarte und die Kontakte und taufte sein Lokal Henpoint. Dort wird das marinierte Hühnchen je nach Geschmack in 15 verschiedenen Soßen zubereitet und auf langen rechteckigen Tellern neben Nudeln, Reis oder Pommes sowie Salat angerichtet (15,90 Euro). Spicy heißt die Variante in Chilisoße, Café de Paris die Sahnesoße mit zwölf Kräutern und Paprikastreifen. Ilhan Simsek hat ebenfalls Burger und Beef auf der Speisekarte, Salate und Pasta und keinen Alkohol. Zu 70 Prozent seien seine Gäste muslimisch, erzählt er. Seine Hühnchen bezieht er von einem Produzenten in den Niederlanden, der nach den Halal-Regeln schlachtet. Dort kaufen auch die Chicken Story-Gründer ein. Vor Corona waren neue Filialen in Böblingen und Karlsruhe geplant. Nun geht er seine Expansionspläne wieder an: Ein Stammkunde wird demnächst eine erste Filiale in Ulm eröffnen, nächstes Jahr will Ilhan Simsek mit Henpoint auch in die Stuttgarter Stadtmitte ziehen.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Stuttgart