Neues Restaurant in Stuttgart-Freiberg Joseph Liktor ist zurück am Herd – mit der Fischsuppe im Tennisclub

Bekannt für seine Fischküche: Joseph Liktor Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Mehr als zehn Jahre ist es her, dass Joseph Liktor seinen Hirsch in Stuttgart-Zuffenhausen aufgegeben hat. Doch das Rentnerdasein langweilte den Koch. Im Club-Restaurant des Freiberger Tennisvereins knüpft er an alte Erfolgszeiten an.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)

Der Hirsch war eine Erfolgsgeschichte. Aber Joseph Liktor musste das Traditionsgasthaus im Ortskern von Zuffenhausen aufgeben als seine Frau an Krebs erkrankte. Jahrelang pflegte er sie, nach ihrem Tod ging er erst einmal auf Reisen. In Mexiko war er während der Coronapandemie, mit dem Wohnmobil fuhr er durch Europa. Nach mehreren Wochen auf Kuba kickte er genervt gegen den Karibiksand: Er brauchte eine Aufgabe. Weil er kein Typ für Modelleisenbahnen sei, steht er mit 70 Jahren wieder am Herd. „Gastronomie war mein Leben“, sagt Joseph Liktor, „ich habe nie etwas anderes gemacht.“ Er war bei der Metzgerei Wild, bei Böhm und Karstadt Gourmet beschäftigt, bevor er sich in Botnang selbstständig machte und nach zehn Jahren den Hirsch übernahm.

 

Gute Aussichten von der Terrasse und auf Tennisspieler

Das Club-Restaurant vom Tennisverein in Freiberg kam dem gebürtigen Ungarn für seinen Wiedereinstieg sehr gelegen. Die Investitionen sind gering, die Vertragslaufzeit ist flexibel und die Inneneinrichtung „wenigstens nicht rustikal“, sondern ziemlich schnörkellos praktikabel. Ein Plus: von manchen Tischen können die Gäste den Tennisspielern in der Halle zuschauen, im Sommer lockt die große Terrasse nach draußen. In Freiberg macht Joseph Liktor einfach weiter, wie er im Hirsch aufgehört hatte – mit seiner Fischküche und anspruchsvollen Fleischgerichten. Zur Standardkarte bietet er auf seiner Tafel alle zwei Tage wechselnde Specials an – gemischter Braten mit Blaukraut und Semmelknödel (18,50 Euro) oder Lachs mit Rhabarberrisotto (19,50 Euro) und zum Nachtisch einen Topfenstrudel (7,50 Euro). Vegetarisches kommt darauf nicht vor.

Mit seinen Gästen meint es Joseph Liktor sehr gut. Es ist, wie es der Restauranttester dieser Zeitung bereits beim Start im Hirschen beschrieb, „fast ein bisschen zu viel des Guten“. Die Portionen sind groß, die Zutaten hochwertig, die Preise dafür günstig. Auch bei der kleinen Fischsuppe (13,50 Euro) ist der Teller überfüllt mit Garnelen und Fischstücken, die in einer würzigen, scharfen Brühe schwimmen, die es mit einer urigen Bouillabaisse aufnehmen kann. Das mit reichlich Parmesan, Olivenöl und Balsamico garnierte Antipastigemüse macht so satt, dass der Schwabenteller (22,50 Euro) hinterher kaum zu schaffen ist. Eine normale Portion Kässpätzle ist darauf, ein Rostbrätle, ein Schweinefilet, beide schön rosa gebraten, sowie eine feine, fleischige Maultasche. Bei der Seezunge übertreibt es der Koch mit der Mandelbutter, die Schüssel mit Bratkartoffeln bleibt fast unangerührt. Dafür ist der Salat dazu sensationell!

Nett und engagiert ist der Service, Grauburgunder und Rivaner aus Baden sind eine erfreuliche Wahl ebenso wie der natürlich üppige Nachtisch mit Erdbeereis (6,50 Euro)

Liktors Club-Restaurant, Kafkaweg 7, Stuttgart-Freiberg, 07 11 / 40 79 90 19. Geöffnet dienstags bis freitags von 17.30 bis 22.30 Uhr, samstags von 16.30 Uhr an und sonntags von 11 bis 18 Uhr. liktors.deBewertungen

Essen 3Service 4Atmosphäre 3

Legende ***** = herausragend, ****= überdurchschnittlich, *** = gut, **= Luft nach oben, * = viel zu verbessern

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