Neues Verwaltungszentrum Alte Bahndirektion ist wieder im Rennen

So soll es in der Jägerstraße hinter der alten Bahndirektion einmal aussehen. Foto:  

Das „Front Office Hub“ für 1500 städtische Mitarbeiter an der Jägerstraße wird billiger und früher fertig als gedacht und steht deshalb wieder in Konkurrenz zum Kaufhof-Gebäude.

Der Stuttgarter Oberbürgermeister Frank Nopper und sein Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann (beide CDU) haben erneut eine Kehrtwende bei Planung und Bau eines großen innerstädtischen bürger- und mitarbeiterfreundlichen Verwaltungszentrums für bis zu 1500 Beschäftigte vollzogen. „Nach dem Stand der Dinge“ sei ein Standortwechsel weg vom Areal der alten Bahndirektion notwendig, um das Projekt Front Office Hub „möglichst zeitnah zu realisieren“, hieß es im Frühjahr in einem gemeinsam mit dem Gesamtpersonalrat verfassten Brief an die Belegschaft. Auch der Gemeinderat wurde darüber informiert.

 

Die überraschend erteilte Absage an das seit drei Jahren gemeinsam mit dem Projektentwickler P + B vorangetriebene Projekt, das neben der ehemaligen Bahndirektion Ecke Jäger- und Heilbronner Straße auch zwei Neubauten (plus möglicher weiterer Wohngebäude) umfasst, wurde neben hohen Kosten vor allem mit einer erheblichen Zeitverzögerung begründet.

Kaufhof als Alternative genannt

Verantwortlich dafür, dass nun frühestens 2034 die Mitarbeiter einziehen könnten, sei ein wegen einer Überbauung des Stuttgart-21-Trogbauwerks drohendes Planänderungsverfahren, hieß es. Stattdessen hatte Nopper das leer stehende Kaufhof-Gebäude an der Eberhardstraße sowie das benachbarte Parkhaus in der Steinstraße als Alternativen ins Spiel gebracht. Und zwar ungeachtet dessen, dass sich die ökosoziale Gemeinderatsmehrheit längst für eine Belegung mit dem Haus der Kulturen und der Freien Tanz- und Theaterszene entschieden hat.

Nun heißt es allerdings: Kommando zurück. Das Projekt „Alte Bahndirektion“ sei „wieder im Rennen“, teilte die Rathausspitze den Stadträten am Mittwoch im Verwaltungsausschuss mit, sie sei allerdings „noch nicht am Ziel“. Nopper und Fuhrmann teilten in einer Pressemitteilung zudem mit, „andere Varianten“ würden in den nächsten Wochen nochmals intensiv geprüft. Das Duo lässt dabei offen, warum das nicht längst geschehen ist und den Stadträten noch immer ein Vergleich sämtlicher Vorschläge vorenthalten wird.

Bahndirektion soll zum „Leuchtturm“ werden

Es ist fraglich, ob die Variante „Kaufhof“ dabei gut wegkommen würde, abgesehen vom dort aktuellen Nutzungskonzept. Nicht nur, dass es für die Areale eines neuen Bebauungsplans bedürfte. Das Flächenangebot ist geringer als am Bahnhof, Erweiterungsmöglichkeiten sind nicht vorhanden. Es gibt bisher keine Projektidee und wohl kaum die Möglichkeit einer klimaneutralen Ausgestaltung. Eine zeitnahe Realisierung erscheint vor diesem Hintergrund ebenfalls unmöglich.

Das ehemalige Kaufhof-Gebäude an der Eberhardstraße. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Dass nun auf einmal das Projekt „Alte Bahndirektion“ wieder im Spiel ist, was der Gesamtpersonalrat einigermaßen merkwürdig findet, aber mit der Aufforderung an den Gemeinderat verbindet, das Areal an der Jägerstraße „zu Ihrem Leuchtturm“ zu machen, wird damit begründet, dass der Kaufpreis reduziert wurde und die Hemmnisse bei der Planung nicht eintreten würden. Der Geschäftsführer der P + B Group, Gerd Hebebrand, hat allen Fraktionen persönlich die Preisentwicklung vor Augen geführt. Demnach habe der Sanierungsaufwand der denkmalgeschützten Bahndirektion anfangs nicht seriös eingeschätzt werden können, weshalb ein Neubaupreis und Risikozuschläge kalkuliert worden seien.

Juristen hatten Bedenken

Mittlerweile herrsche Klarheit, die Baupreise seien auch gesunken, und man habe neu gerechnet, sodass nun, wie es hieß, statt etwa 570 „nur“ noch 450 Millionen Euro für ein schon bis 2029 vom Partner Züblin AG schlüsselfertig erstelltes Gesamtprojekt verlangt würden. Das bleibt allerdings für Büros städtischer Mitarbeiter ein rekordverdächtiger Betrag.

Vom Tisch ist aber eben auch die Befürchtung städtischer „Fachjuristen“, ein zeitraubendes eisenbahnrechtliches Planfeststellungsverfahren hätte für die Genehmigungsfähigkeit des Projekts erforderlich werden können. Dass Nopper und der Gesamtpersonalratsvorsitzende Tomas Brause am 28. April die Notwendigkeit für den Wechsel auf das „Kaufhof-Pferd“ aber mit diesem möglichen Hemmnis begründeten, erscheint merkwürdig.

Denn exakt vier Wochen zuvor hatte die Stadt beim Eisenbahnbundesamt (EBA) dazu eine Anfrage gestellt, weil bereits im Jahr 2024 diese Fragen von der Deutschen Bahn aufgeworfen worden waren. Man hielt es aber offenbar nicht für notwendig, eine Antwort abzuwarten, die am 30. April eintrudelte. Darin machte das EBA klar, dass keine Planänderung notwendig sei, obwohl das betreffende Trogbauwerk überdeckelt werde. Die Begründung dafür hätten sich die städtischen „Fachjuristen“ selbst herleiten können, heißt es hinter vorgehaltener Hand im Rathaus.

Gemeinderat will Übersicht

Nun prüft man dort „intensiv weitere Standorte“, um dann dem Gemeinderat nach der Sommerpause einen Beschlussvorschlag zu präsentieren. Das geschieht vor dem Hintergrund einer kritischen Haushaltslage. Die Fraktionen erwarten aber nicht nur eine Synopse mit Daten und Fakten, sondern auch eine Übersicht über alle städtischen Bürostandorte mit Erklärungen, wo wann aus- und eingezogen sowie interimsweise gearbeitet wird. Notwendig erscheint dem Gemeinderat auch eine Liste aller erworbenen und zum Verkauf stehenden Projekte und eine Aufstellung, welche Behörden in den einzelnen Liegenschaften unterkommen sollen. Den Stadträten ist nur allzu gut die Anmietung und Sanierung der ehemaligen Telekom-Liegenschaften in Bad Cannstatt in Erinnerung, die mangels Planung und Abstimmung monatelang leer standen.

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