Auf dem Neujahrsempfang warb Oberbürgermeister Matthias Klopfer zusammen mit der Moderatorin Sonja Faber-Schrecklein auch für das Stadtjubiläum 2027. Foto: Roberto Bulgrin
Der Esslinger Oberbürgermeister Matthias Klopfer hat offenbar genug von Knallerei und zerfetzten Gliedmaßen an Silvester. Er fordert ein Verbot. Beim Neujahrsempfang in Esslingen ging er auch auf Vorhaben des Jahres 2025 ein und überraschte mit einer Ankündigung.
Johannes M. Fischer
14.01.2025 - 14:42 Uhr
Klare Ansage vom obersten Repräsentanten und Oberbürgermeister Matthias Klopfer: Er will der Knallerei an Silvester ein Ende machen. Eigentlich, so sagte er beim Neujahrsempfang im Esslinger Neckar Forum, wollte er den Jahreswechsel in Ruhe genießen. Aber mit der Ruhe sei es nicht so weit her gewesen. „Ich war ehrlicherweise entsetzt, was ich gesehen und gehört habe. Wir sind nicht Berlin, keine Frage. Aber auch in der Region Stuttgart sind in dieser Nacht alle Handchirurgen rund um die Uhr im Einsatz, die OPs laufen durch.“ Die Handchirurgen forderten deshalb, ebenso wie viele Bürgermeister und Oberbürgermeister sowie rund zwei Millionen Bürgerinnen und Bürger, in einer Online-Petition das Ende der privaten Böllerei.
Dieser Forderung schließt sich nun auch Klopfer an: „Alleine schon mit Rücksicht auf unsere maximal belasteten Rettungskräfte und die Mitarbeitenden wäre ein Stopp angezeigt“, sagte er am Montagabend. Jede und jeden könne es in der Silvesternacht treffen, auch solche, die gar nicht durch eine Explosion geschädigt sind, weil auch die anderen Patientinnen mit Schlaganfällen oder Herzinfarkten nicht so schnell ärztlich versorgt werden konnten, wie es ohne die Böller-Patienten möglich gewesen wäre.
Klopfer: „Deshalb fordere ich unmissverständlich ein Ende des privaten Feuerwerks zum Schutz von uns allen, aber auch der Tiere und der Umwelt.“ An Bundeskanzler Olaf Scholz gerichtet, sagte Klopfer: „Das ist keine merkwürdige Debatte, sondern aus meiner Sicht geboten.“ Scholz hatte trotz der fünf Todesfälle und vielen Verletzten an Silvester ein Böllerverbot für „irgendwie komisch“ erklärt.
In seiner Neujahrsrede sprach Klopfer zahlreiche Herausforderungen an, denen die Stadt im Jahr 2025 gegenübersteht – auch aufgrund von Rahmenbedingungen, für die die Stadt nichts kann. So nannte Klopfer in diesem Zusammenhang unter anderem den wirtschaftlichen Strukturwandel, die Krise der Autoindustrie, den Pflegenotstand und den Fachkräftemangel.
All das habe Auswirkungen auf das Leben in der Stadt. „Übersetzt für unsere Stadt“, so Klopfer in seiner Neujahrsrede, „stellen sich mir bei diesen innenpolitischen Themen viele Fragen, auf die wir aus Sicht unserer Stadt Antworten geben wollen, Antworten geben müssen.“ Denn auch Esslingen spüre die Auswirkungen: „Die Kurzarbeit nimmt zu, bei der Gewerbesteuer drohen schmerzhafte Ausfälle.“
Deshalb seien auch die Zeiten des „Immer mehr“ vorbei. Als Beispiel für dieses „vorbei“ nannte er unter anderem die Zahl der Personalstellen im Rathaus. „Wir können bei zurückgehenden Steuereinnahmen und steigenden Personalkosten die Zahl der Personalstellen nicht immer weiter erhöhen“, sagte der Rathauschef.
Es betreffe aber auch die Gehälter. „Die Lohnforderungen von Verdi mit über acht Prozent sind absolut unrealistisch und nicht von dieser Welt und würden zu deutlichem Personalabbau führen müssen“, sagte Klopfer. Die Gewerkschaft Verdi fordert für die rund 2,5 Millionen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes von Bund und Kommunen acht Prozent mehr Gehalt.
Verdi-Mitglieder überreichen Oberbürgermeister Matthias Klopfer das Forderungspaket für die anstehende Tarifrunde und eine Unterschriftenliste. Foto: Roberto Bulgrin
Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, überreichten Verdi-Mitglieder vor der Veranstaltung im Neckar-Forum eine Unterschriftenliste an Klopfer. Unterschrieben wurde die von Verdi als Stärketest bezeichnete Liste von über 6800 Beschäftigten im Bezirk Fils-Neckar-Alb. Laut Verdi haben beispielsweise knapp 30 Prozent der Belegschaft des Esslinger Bauhofs die Liste unterschrieben. Im Klinikum Esslingen waren es acht Prozent.
Klopfer zählte allerdings auch eine Reihe positiver Entwicklungen auf. Als Erfolg verbuchte er die Unterzeichnung des Kaufvertrags zum Karstadt-Areal zwischen den Unternehmen Strabag und BPI. Strabag will auf dem Gelände in der Innenstadt in Bahnhofsnähe rund 150 neue Wohnungen bauen.
Überraschend kam der Vorschlag, unter anderem mit Stuttgart und Ludwigsburg eine große internationale Gartenschau im Neckartal zu inszenieren. Er sei zu diesem Thema schon länger in Gesprächen mit möglichen Beteiligten. Allerdings müssen sich die Esslinger lange gedulden, sollte etwas daraus werden: Matthias Klopfer nannte das Jahr 2037 als Ziel.