OB-Wahlkampf in Leonberg Degode will die Stadt umkrempeln
CDU und Freie Wähler stellen ihren Kandidaten Tobias Degode vor. Der will es im Rathaus offenbar nicht nur bei sanften Korrekturen belassen.
CDU und Freie Wähler stellen ihren Kandidaten Tobias Degode vor. Der will es im Rathaus offenbar nicht nur bei sanften Korrekturen belassen.
Ein konkretes Versprechen will der Bewerber seinem Auditorium mit auf den Weg geben. Würden die Menschen ihn zum Leonberger Oberbürgermeister wählen, so müssten sie nicht befürchten, dass dieser nach einer Wahlperiode weiterziehen würde. „Zwei Amtszeiten sollen es schon sein“, sagt Tobias Degode am Samstag in der Stadthalle. Was aber nach 16 Jahren wäre, das müsse man dann sehen.
Auf einer als Sommerempfang deklarierten Veranstaltung stellt sich der 38-jährige Verwaltungsleiter aus Düsseldorf vor. Gastgeber sind die CDU und die Freien Wähler, die den Kandidaten mehr als nur unterstützen. Die beiden Chefs der beiden stärksten politischen Kräfte der Stadt haben ihn persönlich ausgesucht.
Das war ein umfangreiches Unterfangen, berichten Oliver Zander und Stephan Schwarz. Sie haben die ursprünglich im Foyer geplante Kandidatenpräsentation in den großen Saal verlegt, weil die Resonanz doch größer ist als erwartet. Es sind vor allem ältere Menschen, die wissen möchten, wer die Zügel im Rathaus in die Hand nehmen könnte.
Mehr als ein halbes Jahr haben der CDU-Chef Zander und seine Freie Wähler-Kollege Schwarz mit etlichen Interessenten gesprochen. „Wir haben allen reinen Wein eingeschenkt“, sagen sie mit Blick auf den Dauerstreit an der Verwaltungsspitze, der letztlich dazu geführt hat, dass Amtsinhaber Martin Georg Cohn von der SPD nicht mehr antreten wird. Deshalb solle, so postulieren Zander und Schwarz, der neue Chef die Stadtverwaltung „reorganisieren“.
Der von ihnen auserkorene Kandidat zeigt sich willens, diese Aufgabe zu übernehmen. Degode stellt sich als Verwaltungsbetriebswirt mit dem Studienabschluss Öffentliches Management vor. Seit zwei Jahren leitet er die Verwaltungsabteilung des Kulturamtes in Düsseldorf. Ein alles andere als kleiner Bereich, erklärt er dem Leonberger Publikum. Seine Abteilung regelt alles, was im Kulturamt mit Personal, Organisation, Recht und IT zu tun hat. Der Etat umfasst um die 100 Millionen Euro. Knapp die Hälfte des Gesamthaushalts der Stadt Leonberg.
Eine gute Basis, um auch die Verwaltung in Leonberg in den Griff zu bekommen, meint das einstige FDP-Mitglied, das jetzt parteilos ist. Doch ihm geht es um mehr: „Ich stehe für eine Verwaltung, die den Menschen hilft und Dinge möglich macht.“ Dieses Credo habe er schon als 16-jähriger Praktikant in einer Außenstelle der Düsseldofer Stadtverwaltung vermittelt bekommen.
Die Bedeutung von Empathie und Mitmenschlichkeit habe er ebenfalls in der Jugend gelernt. Tobias Degode berichtet von seinem ehrenamtlichen Engagement als Rettungssanitäter, vom frühen Tod des Vaters und seiner kranken Mutter, um die er sich kümmern musste. All diese Erfahrungen würden heute seine Personalführung prägen.
Dass in dieser Hinsicht im Leonberger Rathaus Änderungsbedarf bestehe, daran lässt der Bewerber keinen Zweifel und spricht die zahlreichen Personalabgänge an. In Fachforen zur Qualität einzelner Verwaltungen würde Leonberg „verheerend“ abschneiden: „Die Arbeitgebermarke ist kaputt, das müssen wir dringend ändern.“
Erreichen will er das mit einem internen „Kulturwandel“ Degode nennt die Begriffe Bürgerorientierung, Respekt und Wertschätzung. „Den Mitarbeitern müssen wir Raum zur Entfaltung geben, damit sie in der Lage sind, mit Empathie auf die Bedürfnisse der Menschen einzugehen.“ Scheinbar nebenbei erwähnt er, dass er darüber seine Masterarbeit geschrieben hat.
Bei den Sachthemen gibt Degode keine konkreten Ziele vor, sondern will vielmehr im Dialog mit dem Bürgern und dem Gemeinderat die Schwerpunkte für die Zukunft setzen. Eine Herausforderung, denn dass der Leonberger Haushalt so „solide“ bleiben wird wie im Moment, damit sei nicht zu rechnen. Umso wichtiger sei es, zukunftsorientierte Unternehmen für den Standort zu gewinnen .
Groß auf dem Zettel stehen hat Degode eine Digitalisierungsoffensive. Damit will er nicht nur die Schlangen im Bürgeramt verkürzen, sondern viele andere Dienstleistungen ohne Amtsbesuch ermöglichen. Beim Aufregerthema Verkehr setzt Degode auf eine „integrierte Mobilitätsstrategie“. Ein „barrierefreier Fußverkehr und ein gut vertakteter Nahverkehr“ seien gleichermaßen von Bedeutung. Vor ideologisch motivierten Änderungen müsse niemand Angst haben: „Das Auto bleibt weiterhin ein wichtiges Verkehrsmittel“, sagt Degode, der nicht verhehlt, dass er selbst gerne am Steuer sitzt.
Mit Nachverdichtung und Leerstand-Management will er den Immobilienmarkt entlasten. Um Mehrfamilienhäuser zu bauen, kann er sich Genossenschaftsmodelle gut vorstellen. Jungen Familien könne per Erbpacht der Erwerb von Eigentum auf städtischen Flächen erleichtert werden. Seine Forderung nach einem dauerhaften Bestand des Krankenhauses klingt nachdrücklicher als noch in seinen ersten Äußerungen hierzu. Insgesamt trägt der Kandidat seine Gedanken sehr sachlich vor. Ein Show-Wahlkampf ist bei ihm kaum zu erwarten.