Je länger der Wahlkampf dauert, den Kleemann mit hohem Einsatz führt, desto mehr ähneln sich die Themen. „Deswegen geht es um die Person“, sagt Kleemann, der fest davon überzeugt ist, der Richtige für dieses Amt zu sein. Er habe bereits Erfahrung im Gemeinderat in Nordheim bei Heilbronn und ist amtierender Bürgermeister in der Gemeinde Oberstenfeld bei Ludwigsburg, wo er vor zwei Jahren mit 95 Prozent der Stimmen wiedergewählt worden ist. „Die Leute mögen mich, sie sind sehr zufrieden, weil ich viele Projekte realisiert habe“, sagt er. Ihm ist bewusst, was es für ein Sprung ist von einer Gemeinde mit 7500 Einwohnern nach Sindelfingen mit seinen 61 000 Seelen. „Ich würde dann eine Verwaltung führen mit 1650 Mitarbeitern“, sagt er, „und würde die Menschen zu eigenständigem, eigenverantwortlichem Arbeiten motivieren.“
Projekte und offene politische Fragen gebe es in Sindelfingen genug. „Ich habe gespürt, dass sich manches verhakt und gestaut hat“, sagt er, hier soll der Blick von außen dazu verhelfen, die Dinge wieder in Fluss zu bringen.
Guter vorausschauender Finanzplan
Lange hat man in Sindelfingen über das Badezentrum gesprochen: „Wir brauchen ein Bad für die Kinder zum Schwimmen lernen, wir brauchen 50-Meter-Bahnen für die Leistungssportler, einen Treff für Jugendliche, damit sie anderswo keinen Blödsinn machen, und die Senioren brauchen eine einfache und gesunde Sportmöglichkeit sowie einen sozialen Treffpunkt“. Aber ein ganzes Spaßbad mit allen Schikanen, das erscheint ihm unnötig.
Sindelfingen sei in vielen Punkten eine besondere Stadt. „Man kann sich glücklich schätzen, dass es einen Gewerbesteuerzahler wie Mercedes-Benz gibt“, sagt Kleemann, und weil die Konjunktur im Automobilsektor zyklisch verlaufe, brauche die Gemeinde eine gute vorausschauende Finanzplanung, damit man nicht kurzfristig harte Maßnahmen ergreifen müsse, wenn die Stadt weniger Steuern einnehme. Darüber hinaus werde er den Handel und den Mittelstand im Blick haben, zumal er im elterlichen Unternehmen groß geworden sei, wo man anpacke, wenn Not am Mann sei.
Die Stadt soll Eigentümerin sein
Aber nur, wenn die Stadt Eigentümerin sei, könne sie den Handel steuern, das bedeutet für Kleemann, dass die Stadt Gewerbeflächen im Stadtzentrum erwerben müsse, um die Läden zu entwickeln und den Stadtkern zu stärken. Flankierend dazu würden verschiedene Verkaufsevents helfen. Für die Innenstadt hat der 40-Jährige eine neue Idee entwickelt: Er will versuchen, ein Ärztezentrum in der Stadt zu schaffen, denn auch Ärzte seien es, die Kundenfrequenz brächten und gerade jene Klientel versorgten, die noch gerne im Laden einkaufe.
Denn die ärztliche Versorgung müsse besser werden. Ein Kinderarzt auf 21 000 Einwohner, ein Hausarzt für 2000 Menschen – das ist ihm zu wenig. Die haus- und fachärztliche Versorgungslage in Sindelfingen dürfe deshalb so nicht bleiben, sagt Kleemann. Er will dafür Sorge tragen, dass die Rahmenbedingungen für die Arbeit von Ärzten und Gesundheitsdienstleistern langfristig strukturell verbessert werden. Es erfüllt ihn mit Stolz, dass es in Oberstenfeld das beste Hausarzt-Einwohner-Verhältnis in der gesamten Region Stuttgart gibt. Das will er auch auf Sindelfingen übertragen.
Beim Thema soziales Miteinander sieht er nicht nur die Kernstadt, auch die Stadtteile Maichingen und Darmsheim: „Da funktioniert viel, da funktioniert viel gut“, sagt er. Kleemann will die Vereine und den Stadtjugendring unterstützen und mit gemeinsamen Festen den Zusammenhalt stärken, ohne aber die Anwohner im Stich zu lassen, die mit dem Lärm und dem Müll eines Festes konfrontiert sind. Sauberkeit und Sicherheit sind für ihn immens wichtig. Denn nur in einer sauberen und sicheren Stadt könne man sich auch wohlfühlen. Beim Thema lebenswerte Stadt denkt er auch an eine bessere Beleuchtung und an eine Videoüberwachung an problembehafteten Orten, damit sich die Bürger dort sicherer fühlen könnten.
Eine Herausforderung des täglichen Lebens sei die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Er findet, dass eine Stadt ihren Beitrag zur Unterstützung von Eltern zu leisten habe. „Ich werde dafür Sorge tragen, dass jedes Kind einen Kitaplatz und gutes Essen bekommt und die Betreuung an allen Grundschulen ausgebaut wird.“ Zudem solle die Kitaplatzvergabe künftig einfacher, transparenter, schneller und digitaler ablaufen.
„Einfach mal machen“
Beim Ausbau der alternativen Energien denkt er zunächst an die Fotovoltaik. Flächen, die bereits versiegelt sind, also die großen Parkplätze, sollten Solarkollektoren erhalten. Bei allen öffentlichen Gebäuden will er prüfen, ob eine Fotovoltaik-Anlage sinnvoll sein könnte.
Die Position eines Oberbürgermeister ist für Markus Kleemann nicht nur ein Job und auch nicht nur ein Amt, sondern ein ganzes Leben, für das man sich bewusst entscheiden müsse. Die Entscheidung zu kandidieren hat er deshalb nicht allein getroffen, sondern gemeinsam mit seiner Partnerin, die ihn auf seinem politischen Weg unterstützt. Für beide sei es selbstverständlich, dass sie nach einem möglichen Wahlsieg nach Sindelfingen ziehen würden.
Neben dem Marktplatz ist Markus Kleemanns Lieblingsplatz in Sindelfingen der Klostersee mit dem Blick auf die Martinskirche, ein Ort „der unglaublich viel Kraft bringt“. Die Kraft würde er auch brauchen, denn zu tun gäbe es auch in Sindelfingen genug. Er selbst sieht sich als jemanden an, der die Dinge umsetzt. Einer seiner Wahlslogans lautet: „Zuhören, verstehen, machen“. Diesen Slogan hat er aus einem Text weiter entwickelt, der auf seinem Schreibtisch im Oberstenfelder Bürgermeister-Büro steht: „Einfach mal machen“, ist seine Devise.
OB-Kandidat Markus Kleemann
Ausbildung
Markus Kleemann wurde 1984 in Heilbronn geboren, wuchs in Nordheim auf und machte 2004 Abitur in Lauffen am Neckar. Nach dem Wehrdienst studierte er von 2005 bis 2010 Politikwissenschaften sowie Public Management und Governance in Konstanz und Friedrichshafen.
Beruf
Von 2011 bis 2015 war er Parlamentarischer Referent im Landtag und wurde 2015 zum Bürgermeister der Gemeinde Oberstenfeld bei Ludwigsburg gewählt.
Sonstiges
Darüber hinaus ist Kleemann Lehrbeauftragter an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen in Ludwigsburg und durchlief verschiedene Verwaltungs- und Politikstationen auf kommunaler, Landes-, Bundes- und EU-Ebene.