Parkchaos in Stuttgart-Ost Anwohnerparken verschärft Parkplatznot: Firmen schlagen Alarm

In Bereichen, in den Anwohnerparken gilt, sind tagsüber viele Parkplätze frei. Wenige Meter weiter wird jede Lücke genutzt. Foto: Sebastian Steegmüller

Seit in Teilen des Schlachthofviertels das Parkraummanagement gilt, hat sich der Parkdruck in dem Gewerbegebiet erhöht. Betriebe sind schlecht erreichbar, Politiker fordern Abhilfe.

Reporter: Sebastian Steegmüller (seb)

Verdrängungseffekte sind ein bekanntes Problem beim Anwohnerparken in Stuttgart: Sobald das Parkraummanagement, wie die offizielle Bezeichnung der Verwaltung lautet, in einem Stadtteil eingeführt wird, verschwinden dort Transporter und Wohnmobile aus den Straßen. Die Eigentümer suchen meist nicht nach privaten Stellplätzen, sondern stellen ihre Fahrzeuge in angrenzenden Gebieten ab, in denen kein Parkausweis oder Parkschein notwendig ist. Zudem werden diese Bereiche von Pendlern genutzt, um dort ihr Auto abzustellen und in die Stadtbahn umzusteigen.

 

Ein Beispiel für diese Verdrängung ist das Schlachthofviertel in Stuttgart-Ost mit seinem Mischgebiet und dem angrenzenden Gewerbegebiet. Um den laut Stadt „erheblichen Parkdruck“ in Gaisburg, hoch zum Plettenberg und rund um die Landhausstraße sowie in der Viehhofstraße, der Köslerstraße und der Schlachthofstraße zu reduzieren, wurde dort bereits im vergangenen Mai Anwohnerparken eingeführt. Die Maßnahme verfehlt ihre Wirkung nicht: In dem Mischgebiet zwischen Schweinemuseum und Gaskessel sind zumindest tagsüber viele Parkplätze frei, die zuvor durch auswärtige Fahrzeuge belegt waren. Im angrenzenden Gewerbegebiet zwischen Wangener Straße und Bundesstraße 10, in dem der Parkraum nicht bewirtschaftet wird, ist das Gegenteil der Fall. Dort wird jede Lücke genutzt, Kreuzungsbereiche werden zugeparkt. „Es ist so eng, dass ausscherende Sattelschlepper regelmäßig abgestellte Fahrzeuge streifen“, sagt Christian Gromer, Geschäftsführer der Adolf Dürr GmbH.

Zahlreiche Anhänger werden in dem Gewerbegebiet abgestellt. Foto: Sebastian Steegmüller

In dem Industriegebiet sind neben Autos auch Anhänger, Lieferwagen und Camper zu finden. „Selbst ein Bagger stand schon mal längere Zeit bei uns vor der Tür“, sagt Gromer. Durch die etwa 80 Parkplätze, die umgewandelt worden sind, habe sich das Problem massiv verschärft. „Eigentlich müsste man ein Parkhaus bauen. Mit unseren hauseigenen Stellflächen sind wir am Limit – und ansonsten auf verlorenem Posten.“ Mitarbeiter würden teilweise eine Stunde vor Arbeitsbeginn anreisen, um einen freien Parkplatz zu finden. „Es ist eine Zumutung.“

Weil sich die Beschwerden im Gewerbegebiet in letzter Zeit häuften, haben die Gemeinderatsfraktionen der CDU, der Freien Wähler, der FDP einen Antrag gestellt. Sie fordern, dass die städtische Wirtschaftsförderung, die bereits mit den Gewerbetreibenden vor Ort in Kontakt steht, gemeinsam mit den zuständigen Ämtern einen Vorschlag zur Optimierung des Parkraummanagements erörtert und anschließend im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik vorstellt. Mehrere Betriebe hätten in Stellungnahmen deutlich gemacht, dass sie seit Einführung der Parkraumbewirtschaftung erheblich schlechter erreichbar sind. „Einzelne Unternehmen überlegen, Arbeitsplätze an andere Dienststellen zu verlegen, daher muss die Stadt hier zügig handeln“, sagt CDU-Stadtrat Alexander Kotz. Gleichzeitig würden die Bereiche, in denen Anwohnerparken gilt, regelmäßig leerstehen. „Das deutet daraufhin, dass die örtliche Wohnbevölkerung nur geringen Bedarf für die Parkplätze hat.“ Den Vorstoß begrüßt auch Armin Serwani (FDP), Bezirksvorsteher von Stuttgart-Ost.

In Zeiten wirtschaftlicher Stagnation müsse die Landeshauptstadt alle zur Verfügung stehenden Instrumente nutzen, um vor allem kleine und mittelständische Betriebe zu unterstützen. Im Rahmen des städtischen Entwicklungskonzeptes des Schlachthofviertels, „Urban Sandwich Gaisburg“ genannt, sei der Parkdruck ebenfalls festgestellt und perspektivisch die Schaffung eines neuen Parkhauses erwogen worden. Die Stadt Fellbach hat im Gewerbegebiet an der Siemensstraße eine Parkscheibenregelung erlassen, um Dauerparker zu vertreiben. Dort können Verkehrsteilnehmer ihre Fahrzeuge maximal zehn Stunden lang legal abstellen. Christian Gromer und der CDU-Fraktionsvorsitzende Alexander Kotz könnten sich eine solche Lösung auch für das Schlachthofviertel vorstellen. Sie würde Pendler nicht abschrecken, wohl aber Halter von Wohnmobilen, Anhängern und Transportern.

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