In den vergangenen Jahren traten auf dem Aidlinger Pfingstjugendtreffen „Christfluencer“ mit problematischen Ansichten und Verbindungen auf. Wie liest sich die diesjährige Gästeliste?
Vom 23. bis 25. Mai ruft auf dem Hummelberg, dem Gelände des Diakonissen-Mutterhauses, wieder das traditionelle Pfingstjugendtreffen (PJT) Tausende von junge Menschen nach Aidlingen. Seit über 70 Jahren kommen dort am Pfingstwochenende vor allem Jugendliche zusammen, um in Gottesdiensten zu beten, christlichen Bands zuzuhören und in Workshops zum Beispiel Themen wie Beziehung und Partnerschaft zu diskutieren.
Zeltlageratmosphäre beim Pfingstjugendtreffen mit vielen Angeboten
Auch in diesem Jahr hat das PJT neben der bekannten jugendlichen Zeltlageratmosphäre wieder spirituelle, musikalische und freizeitliche Angebote im Programm. Als Hauptsprecher am Sonntag wird Nik Ebert auftreten. Ebert ist Missionar bei der Liebenzeller Mission. Er ist zudem Leiter einer zur evangelikal-pietistischen „Entschieden für Christus“ gehörenden Gruppe („Victorious“), die Fitness- und Kampfsportangebote an männliche Jugendliche und männliche junge Erwachsene richtet. Welche politischen Ansichten in der „Männerbewegung“ vertreten werden, ist öffentlich kaum bekannt.
Als zweiter Sprecher wird am Sonntag Matthias „Kuno“ Kuhn auf die Bühne gehen. Kuhn hat in seiner Schweizer Heimat eine Freikirche („G-Movement“) gegründet. Durch ablehnende Haltungen bei den Themen praktizierte Homosexualität und der „Ehe für alle“ gilt der Prediger als Vertreter eines konservativ-biblischen Spektrums. Diskriminierungen gegenüber homosexuellen Menschen widerspricht Kuhn allerdings ausdrücklich.
Emma Weiß, Manuel Bühler und Lisa Mantler sind angekündigt
Am Pfingstwochenende ebenfalls vor Ort sind die Skifahrerin und Olympiateilnehmerin Emma Weiß, der ehemalige Profifußballer Manuel Bühler oder auch der Autor Heiko Bauder, der als Bundeswehrsoldat einst versehentlich einen Kameraden mit einer Patrone tödlich verletzte.
Für viele sind die Gottesdienste und Worships auf dem PJT mitreißend. Foto: Eibner-Pressefoto
Jungen Menschen wird vor allem die Stuttgarter Influencerin Lisa Haigis bekannt sein. Diese hieß vor ihrer Heirat mit Jonas Haigis Lisa Mantler und war gemeinsam mit ihrer Schwester Lena ein Tiktok-Star mit Millionen von meist jungen Followerinnen und Followern. Das Ehepaar Haigis wird am Montag, dem letzten Veranstaltungstag auf dem Aidlinger Hummelberg, einen Workshop zu Thema „REALationship – wie lebe ich gesunde Beziehungen“ leiten.
Referenten beim Pfingstjugendtreffen weniger umstritten
Als heikel kann hier der Auftritt der Influencerin und Missionarin Rose de Jesus 2024 gesehen werden. De Jesus nimmt online Dämonenaustreibungen vor. Die Zielgruppe ist dabei ein junges Publikum. Viele befinden sich in schwierigen Lebenssituationen. Dämonenaustreibungen haben kein wissenschaftliches Fundament und können Menschen mit psychischen Belastungen, die fachliche Hilfe bräuchten, schaden. Auf dem PJT bot de Jesus keine Exorzismen an.
Die württembergische Landeskirche bezeichnete die Einladung rechts-evangelikaler Vertreter seinerzeit als „irritierend“ und kündigte an, mit den Diakonissen ins Gespräch gehen zu wollen. Ob dieses Gespräch stattgefunden hat, war bei der Veröffentlichung dieses Artikels nicht bekannt.
Die Diakonissen bemühten sich nach der Berichterstattung von besonders extremen Positionen zu distanzieren und Diskriminierung abzulehnen, betonten allerdings auch, grundsätzlich zu der Bandbreite an unterschiedlichen Referentinnen und Referenten der vergangenen Jahre zu stehen. Das Pfingstjugendtreffen ist ein christliches Jugendfestival, zu dem jährlich zwischen 5000 und 10 000 junge Menschen aus dem Südwesten nach Aidlingen pilgern.
Das Pfingstjugendtreffen Aidlingen
Tradition 1948 fand auf dem Gelände des Diakonissenmutterhauses erstmals ein Pfingstjugendtreffen statt. Schon 1957 kamen 1000 Personen. Die Diakonissen sind evangelische Schwestern.
Professionell Rund 1000 Menschen arbeiteten meist ehrenamtlich an der Organisation und Durchführung des Pfingstjugendtreffens mit. 2025 gab es neben Gottesdiensten, Konzerten, Workshops und Diskussionsrunden auch wieder Spiel und Sport sowie kulinarische Angebote.