Pläne um Bahndirektion in Stuttgart Grünzone könnte Wohnungen kosten

Von Konstantin Schwarz 

Rund um die frühere Bahndirektion zwischen Heilbronner- und Jägerstraße soll neu gebaut werden. An die 185 Wohnungen und viel Büroraum wären möglich. Die Zahl der Wohnungen könnte aber sinken.

Die alte Bahndirektion steht wieder auf festem Grund. Der neue Eigentümer wartet auf den Bebauungsplan, er will auf dem Gelände Büros, Handel, Gastronomie und Wohnungen unterbringen. Foto: DB Projekt Stuttgart-Ulm GmbH/DB
Die alte Bahndirektion steht wieder auf festem Grund. Der neue Eigentümer wartet auf den Bebauungsplan, er will auf dem Gelände Büros, Handel, Gastronomie und Wohnungen unterbringen. Foto: DB Projekt Stuttgart-Ulm GmbH/DB

Stuttgart - Die alte Bahndirektion an der Heilbronner Straße hat wieder festen Boden unter ihrem Sockelgeschoss. Nach vier Jahren im Schwebezustand ist das 15 000 Tonnen schwere Gebäude aus dem Baujahr 1914 auf den darunter verlaufenden Bahntunnel abgesenkt worden, das teilt die Projektgesellschaft Stuttgart 21 mit. 2016 war der Bürobau auf Stützen gestellt worden, um den zum neuen Tiefbahnhof führenden Tunnel darunter hindurch graben zu können. Er ist elf Meter hoch. Zuvor waren in dem Haus als Zwischennutzung Clubs und Büros untergebracht. Die Stadt hatte auf dem Erhalt des Hauptgebäudes bestanden, das die Bahn abreißen wollte, einen zur Jägerstraße weisenden Flügel konnte sie abbrechen. Die Kosten für den aufwendigen Erhalt beziffert die Bahn auf 50 Millionen Euro.

Warten auf den Bebauungsplan

Die alte, denkmalgeschützte Direktion und umliegende Flächen, insgesamt 13 400 Quadratmeter, sind seit 2017 im Besitz der P+B-Managementgruppe mit Sitz in Sankt Augustin. Zusammen mit der Stadt, die an der Ossietzkystraße Flächen besitzt, hatte der frühere Eigentümer W2 Development GmbH (Stuttgart) einen Ideenwettbewerb ausgelobt, den das Architekturbüro KSP Jürgen Engel gewann. Er ist Grundlage für den noch nicht fertigen Bebauungsplan für das Areal Kriegsberg-, Jäger-, Ossietzky- und Heilbronner Straße. Insgesamt geht es um 16 800 Quadratmeter Wohnfläche und 54 000 Quadratmeter für Büros, Dienstleitung, Einzelhandel und Gastronomie. Bei einer durchschnittlichen Wohnfläche von 90 Quadratmeter könnten „im Gesamtquartier rund 185 Wohnungen untergebracht werden“, teilte die Stadtverwaltung Anfang August auf eine Anfrage der Grünen im Gemeinderat hin mit. Sie fordern möglichst viel Wohnungen in dem Areal, auch Personalwohnungen und Büros für die Stadtverwaltung.

Mehr Wohnraum geht nicht

Mehr Wohnraum werde aber kaum möglich sein. Man prüfe zurzeit, ob der Baumbestand auf den städtischen Flächen erhalten und die Grünzone verbessert werden könne, das habe der Preisträgerentwurf aus dem Wettbewerb nicht vorgesehen, so die Verwaltung. Das würde Geschossfläche kosten. Auf den städtischen Flächen an der Ossietzkystraße waren bisher 26 000 Quadratmeter möglich, davon rund 8000 für etwa 90 Wohnungen. Wegen des starken Verkehrslärms von der Heilbronner und Kriegsbergstraße seien mehr Wohnungen kaum machbar, so die Verwaltung. Die Lärmwerte bewegten sich „im gesundheitsgefährdenden Bereich“.

Die Absenkung der Bahndirektion bedeute keineswegs, dass der Schienenkonzern seine Arbeiten in diesem Bereich abgeschlossen habe, so ein Sprecher von P+B. Es stünden noch „in nicht unerheblichem Umfang“ Arbeiten an, wann der Bauplatz letztlich von der Bahn an P+B übergeben werden könnten sei daher offen. Alle weiteren Planungen hingen vom Bebauungsplan ab, erst dann könne man über die Architektur sprechen. Das Projekt Bahndirektion gilt bei der 2002 gegründeten P+B-Gruppe als bisher größte Einzelinvestition. Der Investor erwartet keine Auswirkungen der Coronakrise auf das Projekt. Die Lage sei erstklassig, und vor der Krise gab es in der City kaum mehr ein Angebot an neuem Büroraum.




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