Der Schlossplatz kann so schön sein, wenn nicht auf ihm herumgetrampelt wird. Foto: IMAGO / Arnulf Hettrich/Lichtgut Julian Rettig
Noch ist die Vereinbarung zwischen der städtischen Veranstaltungsgesellschaft und dem Land nicht geschlossen. Die CDU-Fraktion fordert das Eingreifen von Ministerpräsident Kretschmann. Aus gärtnerischer Sicht kommt die Belegung der Parkanlage zur Unzeit.
Jörg Nauke
24.04.2025 - 14:48 Uhr
Am 24. Mai soll anlässlich des DFB-Pokalfinales in Berlin zwischen dem VfBStuttgart und Arminia Bielefeld in der City ein Public Viewing für bis zu 30 000 Fans stattfinden. Im Fall eines Sieges würde sich die Sieger-Elf samt Pokal am darauffolgenden Sonntag ebenfalls auf dem Schlossplatz einfinden, der von der Stadtverwaltung als Veranstaltungsort ausgewählt wurde. Dessen Sogwirkung auf die vielen tausend VfB-Anhänger, die nicht in den Genuss eines Tickets für das Olympiastadion gekommen sind, ist nicht abschätzbar. Allerdings ist das Public Viewing nach neuen Informationen unserer Zeitung noch nicht in trockenen Tüchern. Der Vertrag zwischen dem Finanzministerium als Hausherr über den Schlossplatz und einem Mieter ist jedenfalls noch nicht unterschrieben.
Post aus Nepal: CDU übt Kritik
Offenbar gibt es atmosphärische Störungen zwischen dem Land und der Stadt. Sie sind sogar in Nepal spürbar. Der gerade dort wandernde CDU-Ratsfraktionschef Alexander Kotz sieht sich jedenfalls gezwungen, in einer Pressemitteilung zu betonen, dass es „keinen besseren Ort für eine Übertragung und die große Party danach als im Herzen unserer Stadt, im Herzen der Landeshauptstadt BadenWürttembergs, gibt“. Daher erwarte er nun vom Finanzministerium „maximale Unterstützung bei der Organisation des Events“. Weil das Finale das ganze Land elektrisiere, fordert er den „bekennenden VfB-Fan und Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann auf, dass er auch jetzt seinem Verein zur Seite steht“. Konkret müsse er „sein Finanzministerium anweisen, keine unnötigen bürokratischen Hürden aufzustellen“. Denn es sei zu hören, dass die Kooperationsbereitschaft des Ministeriums „zu wünschen übrig lässt“, so Kotz.
Finanzministerium wehrt sich
Ein Ministeriumssprecher kontert, man habe die Anfrage der Stadt Stuttgart über deren Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart „sehr schnell positiv beantwortet, obwohl es auch den Veranstaltungsplan für den Schlossplatz durcheinanderbringt“. Er verweist auf die Genehmigungen für das Public Viewing zur EM 2024, für das Riesenrad, die Glanzlichter im Winter, das historische Volksfest und die Silvesterfeier.
Das Problem: Die Veranstaltungsgesellschaft will offenbar – anders als für das Public Viewing zur VfB-Meisterfeier 2007 – den Mietvertrag nicht unterschreiben. Das dürfte mit der Kritik von Die Linke-SÖS und der Gruppe Puls im Gemeinderat an der Kostenbeteiligung von 275 000 Euro und möglichen Regressforderungen wegen zu erwartender Schäden zusammenhängen. Vermögen und Bau hatte gegenüber in.Stuttgart betont, dass es nur mit ihr als Mietvertragspartei ein Public Viewing gebe, nicht mit dem VfB, der sich aber ohnehin nur in der Veranstalterrolle sieht und die Veranstaltungsgesellschaft nur als einen Partner von mehreren betrachte.
Aus gärtnerischer Sicht kommt das Public Viewing zur Unzeit. Die barocke Gartenanlage mit ihren sich kreuzenden Wegen und der bunten Blumenpracht ist ein Juwel – sofern man die Pflanzen in der Wachstumsphase nicht mit 60 000 Füßen malträtiert, was sich bei einer Großveranstaltung nicht vermeiden lässt. Nach solchen Events gleicht die Anlage meist für lange Zeit einer Großbaustelle. Ob der ganze Schlossplatz freigegeben werden kann oder sensible Beete vor dem Betreten geschützt werden müssen und sich damit die Zuschauerkapazität verringert, ist nicht geklärt.
Der Frühling zeigt sich
Aktuell sei „der Frühling auch auf den Grünflächen des Schlossplatzes sichtbar“, betont der Ministeriumssprecher. „Überall wachsen und sprießen Rasen, Blumen und Unkraut.“ Deshalb fänden derzeit die regulären Pflegemaßnahmen statt. Der Blumenschmuck (Winterflor) stehe noch gut da.
Ein Bild aus dem Jahr 2007. Foto: imago sportfotodienst
Üblicherweise würden sämtliche Pflegemaßnahmen mit dem Veranstaltungsplan und sonstigen baulichen Unterhaltungsmaßnahmen langfristig abgestimmt und eingetaktet. Große Veranstaltungen sollten in der Regel mit einem Vorlauf von anderthalb Jahren angemeldet werden – also besser nicht erst sieben Wochen vorher. Vor allem, weil aus Sicherheitsgründen zur Vermeidung von Stolperfallen die Blumenbeete eingeebnet werden müssten. CDU-Chef Kotz verweist darauf, dass sich bei einem Ausscheidungswettbewerb das Erreichen des Finales nicht vorhersagen lasse.
Eine logistische Herausforderung
Kurzfristige Veränderungen im Veranstaltungskalender durch eine große zusätzliche Veranstaltung stellten eine Herausforderung dar und belasteten den Platz, so der Sprecher. „Insbesondere langfristig geplante größere Pflegemaßnahmen oder Pflanzaktionen der Wilhelma-Parkpflege, für die ein großer Personaleinsatz und Maschinenpark benötigt wird, sind betroffen.“
Die Konsequenz für den bei Stuttgartern und Touristen gleichermaßen beliebten Ort: wegen des Public Viewing wird nun der Rasen noch nicht gedüngt und die Lieferung und Pflanzung des Sommerflors auf die Zeit nach dem Finale verschoben. Im Vergleich zu sonstigen Jahren verschiebt sich die Sommerbepflanzung um vier Wochen nach hinten. Fehlende Veranstaltungspausen und damit fehlende Erholungsphasen belasteten den grünen Schlossplatz „jedoch auch langfristig in ihrer Vitalität“.
Neckarpark und Wasen sind kein Thema
Im Stuttgarter Rathaus wird man nicht müde zu betonen, dass es an Alternativflächen mangele, vor allem im Neckarpark. Die MHP-Arena steht nicht zur Verfügung, weil dort am Final-Wochenende der Stadtlauf stattfindet. Und der Wasen ist wegen des Abbaus des Frühlingsfests belegt. Zudem tritt Roland Kaiser in der Schleyerhalle auf, und in der Porsche-Arena findet das Handball-Derby zwischen Stuttgart und Bietigheim statt – mit anschließendem Fußballgucken. Dafür müssen Parkplätze vorgehalten werden.