Politik im Malle-Sound Wie der grün-schwarze Koalitionsvertrag zum Partyschlager wird

Auch so eine Frage: Auf welche Musik könnten sich Manuel Hagel (CDU, links) und Cem Özdemir (Grüne) eigentlich einigen? Foto: Marijan Murat/dpa

Das Friedrichshafener Stadtwerk am See hat seinen Geschäftsbericht mit KI vertont. Kann das ein Beispiel für die Landespolitik sein? Eine Glosse.

Baden-Württemberg: Eberhard Wein (kew)

Das Stadtwerk am See in Friedrichshafen hat seinen Geschäftsbericht vertonen lassen, mit Künstlicher Intelligenz von Reggae bis zum Malle-Sound. Was früher ungelesen auf dem Schreibtisch des Landrats verstaubte, klickt jetzt wie Bolle. Alle singen mit, wenn es heißt: „Wir sagen Danke für das Wasser, Danke für den Strom“. Auch die Fachzeitschrift „Der PR-Report“ ist begeistert. Er habe sich den lobpreisenden Artikel übers Bett gehängt, erzählt der Kommunikationschef des Stadtwerks stolz.

 

Wenn ein KI-generierter Partyschlager über den Häfler Stadtbus zum Internethit taugt, dann sollte die Politik aufmerken. Ließe sich so nicht auch der ungeliebte grün-schwarze Koalitionsvertrag dem Publikum als positives Erlebnis verkaufen? Schließlich wurde die KI dafür erfunden, faule Kompromisse und offene Finanzierungsfragen in Reime zu zwängen und mit satten Synthesizer-Klängen zuzudecken.

Die Einigung auf einen gemeinsamen Musikstil könnte die Koalitionsverhandlungen allerdings kurzzeitig belasten. Die Grünen dürften Singer-Songwriter bevorzugen mit akustischer Gitarre, Kamillentee und Sitzsack in der WG-Küche. Die CDU steht eher auf Kirchenmusik und Deutschlandlied – zumindest offiziell. Heimlich natürlich „Highway to Hell“. Ballermann wäre der logische Kompromiss – für beide Seiten hart, aber mit Ohrwurm-Qualitäten. Das würde auch kritische Journalisten zum Mitschunkeln animieren. Deren Artikel könnte sich Cem Özdemir dann übers Bett hängen.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Grün-Schwarz Cem Özdemir