Porsche-Vizechef Lutz Meschke hat klare Vorstellungen vom Weg zum Klimaschutz. Foto: Porsche
Die EU plant, den Verbrenner zu verbieten und schon im kommenden Jahr hohe Strafzahlungen bei Überschreitung der neuen Grenzwerte zu verhängen. Porsche-Vizechef Lutz Meschke hält das Vorgehen für grundfalsch. Statt Strafen und Verboten fordert er Offenheit für Innovationen.
Die Diskussion um das von der EU geplante Verbot von Verbrennungsmotoren erhält durch eine klare Positionierung des Stuttgarter Sportwagenherstellers Porsche neue Nahrung. So deutlich wie bisher kein anderer Hersteller fordert Porsche die Bundesregierung auf, sich für einen Stopp der Brüsseler Pläne einzusetzen, die ab 2035 ein faktisches Verkaufsverbot für neue Verbrennerautos bedeuten.
Mit dem E-Sportwagen Taycan ist Porsche ins vollelektrische Zeitalter gestartet. Foto: www.imago-images.de/ via imago-images.de
Nach Ansicht von Porsche-Vizechef Lutz Meschke führen die aktuellen Pläne zu einer Deindustrialisierung Europas. Er forderte deshalb ein „massives Eintreten unserer Regierung in Brüssel“, um eine solche Entwicklung abzuwenden. Im Falle einer Deindustrialisierung „laufen wir Gefahr, zum Armenhaus in Europa zu werden“, so Meschke, der im Porsche-Vorstand das Finanzressort leitet. In diesem Fall sei „am Ende auch der soziale Frieden in unserer Gesellschaft gefährdet“. Es gehe „letztendlich um unseren Wohlstand“.
Große Probleme für Zulieferer und Massenhersteller
Meschke wies ausdrücklich darauf hin, dass es bei seinen Aussagen nicht um Porsche selbst gehe. Er bekräftigte die Aussage, dass das Unternehmen im Jahr 2030 bis zu 80 Prozent der Fahrzeugflotte elektrifiziert verkaufen wolle – sofern die Kundennachfrage dies zulasse. Porsche könne das schaffen – er sei aber „nicht sicher, ob der Rest der europäischen Wirtschaft eine einseitige Ausrichtung in Richtung Elektrifizierung überleben wird“. Gerade für die Massenhersteller sei es wichtig, bei den Kosten wettbewerbsfähig gegenüber der chinesischen Konkurrenz zu sein. Dafür brauche die deutsche und europäische Industrie aber sicher noch einige Jahre.
Meschke verweist auch auf die Zuliefererbranche, aus der sich in den vergangenen Monaten die Hiobsbotschaften häufen. Weil der Hochlauf der Elektrifizierung deutlich langsamer verläuft als erwartet, fehle bei einer einseitigen Ausrichtung der Politik die Rendite, um in neue Verbrennungstechnologien investieren zu können. Viele Mittelständler hätten Schwierigkeiten, die dafür notwendigen Finanzierungen von den Banken zu erhalten.
Große Zulieferer wie Bosch, ZF und Conti planen massive Programme zum Abbau von mehreren Tausend Stellen – auch deshalb, weil sie teilweise massiv in die E-Mobilität investiert haben und diese Investitionen sich mangels Nachfrage nun nicht rechnen. Zugleich sinkt durch die Vorgaben der Politik die Nachfrage nach Verbrennungsmotoren, so dass sich auch diese Investitionen weniger rechnen als bisher. Das Kalkül, durch ein erfolgreiches Geschäft mit Verbrennern die Investitionen in die E-Mobilität zu finanzieren, geht somit nicht auf.
Forderung: Innovationen statt Verbote
Meschke äußerte eine „klare Erwartungshaltung“ an die Politik, auch synthetische Kraftstoffe und das so genannte Direct Air Capture (DAC) zu fördern, bei dem klimaschädliches CO2 aus der Atmosphäre entnommen und mit grünem Wasserstoff verbunden wird. Der so erzeugte synthetische Kraftstoff verbrennt weitgehend klimaneutral, weil die Menge des entstehenden Treibhausgases zuvor der Atmosphäre entzogen wurde. Es habe Deutschland und Europa „immer stark gemacht, in Innovationen und Technologiesprüngen zu denken und nicht nach strikten Vorgaben zu arbeiten“, so Meschke. Die derzeitige einseitige Ausrichtung verhindere aber genau dies.
Für Beimischung synthetischer Kraftstoffe
Um die Produktion synthetischer Kraftstoffe in Gang zu bringen, fordert Meschke Vorgaben, dass diese den Kraftstoffen in einer Größenordnung von 50 Prozent beigemischt werden müssen – nicht nur für die Schifffahrt und den Flugverkehr, sondern auch für Autos. Da es wirtschaftlich keinen Sinn mache, Schiffe und Flugzeuge mit Batterieantrieb auszustatten, seien solche Kraftstoffe auch dort unbedingt erforderlich.
Auch die vom kommenden Jahr an eingeplanten Strafzahlungen für Autohersteller, die die dann gültigen Zwischenziele beim Ausstoß von CO2 verfehlen, lehnt Meschke ab. Er fordert stattdessen eine „Anpassung der Regeln, die die europäische Industrie nicht stranguliert, sondern innovative und nachhaltige Ideen fördert“.
Veränderte Produktstrategie
Die Schwäche der E-Auto-Nachfrage führt auch zu Anpassungen bei der Produktstrategie, so Meschke. Modelle, die ursprünglich nur noch als reine Elektroautos auf den Markt kommen sollten, würden nun auch als Plug-in-Hybride angeboten. Zudem wolle man Verbrennerfahrzeuge deutlich länger verkaufen. Allerdings sei man weiter in der Lage, 80 Prozent der Flotte vollelektrisch zu verkaufen, sofern diese in den entsprechenden Preisregionen nachgefragt werden. Das sei in China aber nicht der Fall.
Um diese Flexibilität auf der Produktionsseite abzusichern, sollen künftige Plattformen so entwickelt werden, dass sie mit verschiedenen Antrieben bestückt werden können. Im Werk Leipzig können bereits Verbrenner, Plugin-Hybride und vollelektrische Fahrzeuge auf der gleichen Linie produziert werden.
Zur Marktschwäche in China sagte Meschke, die Entwicklung zwinge das Unternehmen, verstärkt in anderen Regionen der Welt zu investieren – etwa in Indien. Der China-Anteil des Porsche-Absatzes habe vor nicht allzu langer Zeit bei 32 Prozent gelegen und sei nun auf 18 Prozent gesunken. Damit sei man nun ausgeglichener aufgestellt; Meschke machte aber auch keinen Hehl daraus, dass man zugunsten eines höheren Absatzes in China auch gerne etwas mehr Unausgewogenheit in Kauf genommen hätte.
Jahresprognose bestätigt
Nach einem schwachen dritten Quartal hofft das Unternehmen, mit einem Endspurt noch die Jahresziele noch zu erreichen. Der Umsatz sank nach neun Monaten um 5,2 Prozent auf 28,6 Milliarden Euro, das Betriebsergebnis ging um ein Viertel auf vier Milliarden Euro zurück. Das Unternehmen bestätigte das Jahresziel, 14 bis 15 Prozent Umsatzrendite zu erzielen.